Drachen Wiki
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Holzstich von 1544

Der Wawel-Drache (pol. Smok Wawelski) in Drache, der unter dem Wawelhügel in Krakau (Polen) hauste. Häufig wird er einfach nur Smok genannt, was polnisch für Drache ist.

Sage[]

Die älteste Erwähnung des Drachen stammt aus der "Chronica Polonorum" aus dem frühen 13. Jahrhundert[1]. Diese beschreibt, wie während der Herrschaft von König Krak ein Drache erschien, den er auf Latein als holophagus (pol.: całożerca, wszystkożerca) beschreibt, was bedeutet, dass er etwas am Stück verschlingt[2]. In einer polnischen Übersetzung wurde er als chciwie połykał smok (dt.: Gierig verschlingender Drache) bezeichnet[3].

Der Sage nach verlangte der Drache wöchentlich Vieh, da er ansonsten Menschen verschlingen würde. Krak rief seine beiden Söhne, um den Drachen zu töten. Diese füllten eine Rinderhaut mit Schwefel, und als der Drache diese verschlang verbrannte er von innen[4]. Doch nach dem Kampf tötete der jüngere Bruder den älteren und behauptete, dass der Drache diesen getötet hätte. Als er jedoch überführt wurde, verwies man ihn des Landes und Prinzessin Wanda folgte ihrem Vater auf den Thron[3].

Geschichte[]

Die Drachenknochen

Spätere Polnische Chroniken übernehmen z.T. die Drachengeschichte, doch die Großpolnische Chronik von 1273 erwähnt den Drachen garnicht. Die Chronik von Jan Długosz aus dem 15. Jahrhundert tauscht hingegen die Rollen der Brüder, so dass der ältere den jüngeren tötet. Hier stammt die Idee für die List auch von König Krak selbst anstatt von seinen Söhnen, und die Rinderhaut ist gefüllt mit Schwefel, Zunder, Wachs, Pech und Teer[5].

Die Kronika Polska von Marcin Bielski (1597) schreibt die Idee dem Schuhmacher Skuba Szewca zu. In dieser Version frisst der Drache immer drei Kälber oder Widder. Auf Skubas Anraten füllt König Krok die Rinderhaut mit Schwefel, und als der Drache sie verschlungen hatte muss er so viel trinken dass er platzt. Der Schuhmacher wurde später fürstlich belohnt[6]. Die Höhle des Drachen, Smocza Jama, kann noch immer unter dem Schloss besucht werden[7].

1969 entwickelte der Künstler Bronisław Chromy eine Statue des Drachen (pol.: Pomnik Smoka Wawelskiego), die 1972 in Krakau aufgestellt wurde. Die Statue hat sieben Köpfe, von denen sechs oft für Beine gehalten werden. Alle paar Minuten speit die Statue Feuer, welches mit Erdgas betrieben wird.

Außerdem hängen am Eingang der Kathedrale von Krakau drei Knochen, welche vom Smok stammen sollen (anderen Versionen nach sind es die Knochen eines Riesen), angeblich der Schädel, der Oberschenkel und eine Rippe. Tatsächlich aber handelt es sich bei der angeblichen "Rippe" um den Kiefer eines Wals, der Schädel stammt vermutlich von einem (Woll)nashorn und der Oberschenkel ist der eines Mammuts[8].

In der Populärkultur[]

  • Als "The Beast of Krokow" kommt der Drache in der achten Ausgabe des Comics "Nextwave" von Marvel vor.
  • In der Folge "Der Feuerdrache" der Dokureihe Beast Legends – Wesen des Grauens von 2010 gestalten Künstler und Special-Effects-Experten den Wawel-Drachen nach Merkmalen realer Tiere.
  • Ein 2012 entdeckter Archosaurier wurde in Anspielung an den Drachen Smok wawelski genannt.
  • In der Quest Contract: Dragon aus "The Witcher 3" besorgt Geralt ein Schaf als Drachenköder. Der Mann, der das Schaf verkauft, fragt daraufhin, ob er vorhat, das Schaf mit Schwefel zu füllen, und erwähnt auch den Schuster aus der Sage.

Trivia[]

  • Die Idee, einen Drachen mit Schwefel oder anderen unbekömmlichen Stoffen zu füttern, um ihn zu töten oder zu schwächen, kommt in vielen Sagen vor. Beispiele sind unter Drachentöten durch falsche Ernährung gelistet.

Quellen[]

  1. Wincenty Kadłubek (1190 - 1208), Chronica seu originale regum et principum Poloniae
  2. August Bielowski (1872), Monumenta Poloniae historica. Pomniki dziejowe polski, Band 2, Ossolinski, S. 256
  3. 3,0 3,1 Wincenty Kadłubek, Mistrza Wincentego zwanego Kadłubkiem biskupa krakowskiego, Kronika Polska, wytłoczono u Ź. J. Wywiałkowskiego (1862)
  4. Judith Kalik, Alexander Uchitel (2018), Slavic Gods and Heroes, Routledge, ISBN 9781351028684
  5. Jan Długosz (1873), Graccus arcem et civitatem Cracoviensem aedificat, et draco ingens latitans sub arce, incolis onerosus, occiditur, Joannis Długossii seu longini canonici Cracoviensis Historiae Polonicae libri XII, Vol. 1, Typographia Kirchmayeriana, S. 66–67
  6. Marian Plezia (1971), Legenda o smoku wawelskim, Rocznik Krakowski, 422: 21–32, ISSN 0080-3499
  7. Michał Rożek (1996), Cracow: city of Kings, Prisma Verlag GmbH. S. 73. ISBN 9788386146710
  8. Christopher S. Wood (2008), Forgery, Replica, Fiction: Temporalities of German Renaissance Art, University of Chicago Press, S. 183, ISBN 9780226905976
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