Drachen Wiki
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Glattstreicher

Der Glattstreicher aus Drachenzähmen leicht gemacht gleicht mehr oder weniger einem europäischen Drachen

Als Wasserdrachen werden alle Drachen bezeichnet, welche in irgendeiner Art mit dem Element des Wassers assoziiert werden oder im Wasser leben.

Nahe verwandt ist die Bezeichnung Meeresdrache für alle Drachen (oder andere große Reptilien), die im Meer leben, wie z.B. der Leviathan oder die Seeschlange.

Varianten[]

Drachen mit Wasserkräften[]

Yates Thompson Apokalypse Drache

Der Drache der Apokalypse, 14. Jahrhundert

In vormittelalterlichen Drachensagen wurden Drachen und Schlangen häufig mit dem Wasser assoziiert, so war z.B. die Drachengöttin Tiamat eine Verkörperung des Urmeeres. In den Mythen Ostasiens hat sich die Verbindung der Östlichen Drachen mit dem Wasser bis heute gehalten und sie werden angebetet, um um Regen zu bitten. Auch der biblische Drache der Apokalypse speit große Mengen Wasser aus.

Während in der europäischen Mythologie und Literatur überwiegend das Gift und Feuer das Wasser als Elemente des Drachen ersetzt haben, kommen Wasser- und Nebeldrachen noch häufig in der Folklore vor[1]. So gibt es z.B. im Alpenraum häufig Drachen, die Überflutungen und Murgänge auslösen, oft indem sie Bergseen ins Tal stürzen lassen. Beispiele sind die Lindwürmer im Ennstal, der Drache von Solčava oder die Drachen im Lechtal. Der Schweizer Naturforscher Johann Jakob Scheuchzer dokumentiert, dass wenn ein Bergbach Geröll und Bäume mit sich führt, die Einwohner davon sprechen, dass "ein Drach ausgefahren" sei[2]. Daneben gibt es vereinzelt Sagen (z.B. über Mamilian von Palermo), in denen nach erfolgreicher Drachentötung eine Quelle erscheint, also wie in den alten Mythen der Sieg über den Drachen die Kontrolle über das Wasser an den Menschen übergehen lässt.

Carta Marina

Die Carta Marina zeigt, wo man Meeresdrachen und andere große Seetiere findet

In Fantasy-Werken kommen häufig Drachen vor, die zwar dem Wasser-Element angehören, aber sich im Körperbau nur geringfügig von den anderen Drachen der Fantasy-Welt (meist Wyvern oder Westliche Drachen) unterscheiden. Diese werden als Wasserdrachen zu den Elementardrachen gezählt. Oft speien sie Wasserstrahlen, ähnlich wie Schützenfische, die damit Insekten abschießen, welche daraufhin ins Wasser fallen und gefressen werden. Die Gefahr liegt dabei entweder am Druck, an der Menge (wie bei der französischen Schlange Gargouille) oder an der Temperatur (wie beim Glutkessel aus Drachenzähmen leicht gemacht) des Wassers.

Östliche Drachen sind allgemein Wettergottheiten, die über Regen und Stürme gebieten können. Bis in die Moderne hielt sich selbst unter Naturphilosophen der Glaube, dass Drachen in der Lage sind, Regen zu kontrollieren. Wang Chong erklärte im 1. Jahrhundert den Ursprung des Regens als natürliche Reaktion der Wolken auf das Qi des Drachen[3]. Diese Vorstellung koexistierte lange mit wissenschaftlichen Erkenntnissen über den Wasserkreislauf[4]. In der chinesischen Astrologie gibt es das Sternzeichen Wasser-Drache (chin. 壬辰, rénchén), welches sich aus der Kombination des Erdzweiges chén (Drache) und des Himmelsstammes Wasser ergibt.

Aquatische Drachen[]

Meerdrache

Der Meeresdrache aus Dragon's World

Daneben gibt es auch Drachen, die im Wasser leben, ohne darüber zu gebieten. Meeresdrachen können oftmals kein Feuer speien, es gibt aber auch Ausnahmen, wie den Leviathan.

Begriffsgeschichte[]

Trachinus draco Paros

Das Große Petermännchen (Trachinus draco)

Schlangen wurden seit jeher in vielen Kulturen mit Wasser assoziiert, welches sie bewachen oder kontrollieren[5]. Das indogermanische Chaoskampf-Motiv, das in vielen Mythen Eurasiens vorkommt, erzählt von einem Gott, der einen Chaosdrachen tötet, um den Menschen Zugang zum Wasser zu geben. Entsprechend bewachen Drachen vor allem in Antiken Sagen häufig Quellen oder stauen Flüsse auf, während sie in mittelalterlichen und modernen Sagen zumindest noch oft in Flüssen und Seen leben[6]. Im Tauf-Ritus der Ostkirche wird auf Gottes Chaoskampf gegen Leviathan und Tannin angespielt, wodurch sich auch hier die Assozation von Drachen mit Wasser gehalten hat[7].

Bereits im alten Griechenland wurde das Wort Drakon, das überwiegend für landlebende Würgeschlangen und mythische Riesenschlangen verwendet wurde, von Aristoteles auch für die Fische aus der Familie der Petermännchen verwendet. Diesem Beispiel folgten auch Plinius der Ältere und Isidor von Sevilla mit der lateinischen Version des Wortes, Draco[8]. Plinius ist auch der erste, der hier den Begriff Draco marinus (lat.: Meeresdrache) verwendet[9][10]. Es muss jedoch beachtet werden, dass für meeresbewohnende Schlangen das Wort Ketos verwendet wurde, das auch Wale und Seemonster beschreibt. Die einzigen aquatischen Schlangen der antiken Literatur, die auch wirklich als Drakontes bezeichnet wurden, waren Laokoons Schlangen[11].

Die ersten Meeresdrachen der Literatur, bei denen es sich vermutlich nicht um einfache Fische handelt, sind die sædracan aus dem angelächsischen Epos Beowulf (8. Jahrhundert). Sie werden meist als "Seedrachen" übersetzt und unterscheiden sich von dem Drachen (ang.: draca bzw. wyrm), den Beowulf später trifft. Im Gegensatz zum Drachen sind die Seedrachen eine von mehreren Arten von Monstern, die in der Nähe von Grendels Unterschlupf leben[12][10].

Der persische Autor Ibn Sina listet in seinem Kanon der Medizin (1025) unter den tinnın (Arabisch für Drache) auch zwei Meerestiere, die er smoraa und trogorn (alhartraf bzw. haudyon bei Albertus Magnus[13]) nennt. Dabei scheint smoraa von smyros (gr.: σμύρος) und myros (gr.: μύρος) abgeleitet zu sein, zwei Begriffen, die Aristoteles in seiner Historia animalium für die Muräne verwendet. Trogorn hingegen basiert auf dem griechischen trygon (gr.: τρυγών), womit Aristoteles den Stachelrochen bezeichnete. Im 16. Jahrhundert übernahm Conrad Gessner Ibn Sinas Beschreibungen in seinem Schlangenbuch, in dem er sie den Drachen zuschreibt. Gleichzeitig beschreibt er auch die Muräne und den Stachelrochen als Fische, ohne zu realisieren, dass es sich um die gleichen Tiere handelt[8].

Auch Abu Hamid al-Gharnati besschreibt Tinnın als Fische, mit schwarzem, schlangenartigen Körper, roten Augen und scharfen Zähnen. Diese fressen auch Menschen und sogar Haie fliehen vor ihnen[14].

De Dracone maris Liber-de-natura-rerum

Abbildung des Draco maris in einer Ausgabe von Liber de natura rerum aus dem 13. Jahrhundert

Thomas von Cantimpré beschreibt den Seedrachen (lat.: Draco maris) in Liber de natura rerum (1225 - 1241) größer als landbewohnende Drachen (lat.: Draco terrestris), aber flügellos. Stattdessen hat er Flossen zum Schwimmen. Trotz des im Verhältnis zum Körper kleinen Kopfes hat er ein schreckliches Maul, außerdem einen langen Schwanz und harte Schuppen[15]. Außerdem wiederholt er Plinius Beschreibung des Petermännchens, dass es sich, wenn man es ins Wasser zurückwirft, schnell wieder eingräbt[10]. Konrad von Megenberg bezeichnet den Draco maris auf deutsch als Mertrack, also Meeresdrache, und übersetzt nur Cantimprés Beschreibung[16].

Ulisse-Aldrovandi-Draco-marinus

Draco marinus monophthalmos bipes (lat.: einäugiger, zweibeiniger Meeresdrache) nach Ulisse Aldrovandi

Dass der Seedrache bei Cantimpré ein Gegenstück zum Landdrachen ist anstatt ein einfacher Fisch, liegt vermutlich an der im Mittelalter verbreiteten Vorstellung, dass jedes Landtier ein Gegenstück im Meer besitzt. Diese Vorstellung geht bereits auf Plinius zurück. Insofern ist der Seedrache oft, aber nicht immer, austauschbar mit der Seeschlange, zumindest was seine Funktion in Erzählungen angeht[10].

Nachdem Drachen durch Carl von Linné in den 1730er Jahren endgültig aus der ernsthaften Naturwissenschaft verbannt wurden[17], verwendete der Geologe Thomas Hawkins den englischen Begriff sea dragon und dessen hebräisches Gegenstück Tannin, um die im frühen 19. Jahrhundert von Mary Anning entdeckten Ichthyosaurier und Plesiosaurier zu bezeichnen[18]. Einem der von Hawkins beschriebenen Exemplare wurde 1996 in Hommage an Hawkins Werk der Gattungsname Thalassiodracon verliehen, welcher die griechische Übersetzung von "Seedrache" ist[19].

Quellen[]

  1. Ludwig Laistner (1879), Nebelsagen, Spemann, S. 71-106
  2. Johann Georg Sulzer (1746), Johann Jacob Scheuchzers Natur-Geschichte des Schweizerlandes: sammt seinen Reisen über die schweitzerische Gebürge, Teil 2, S. 237, https://doi.org/10.3931/e-rara-27207
  3. Qiong Zhang (2009), From "Dragonology" to Meteorology: Aristotelian Natural Philosophy and the Beginning of the Decline of the Dragon in China, Early Science and Medicine Vol. 14, No. 1/3, https://www.jstor.org/stable/20617789
  4. Jennifer Purtle (2016), "The Pictorial Form of a Zoomorphic Ecology: Dragons and their Painters in Song and Southern Song China" in Jerome Silbergeld, Eugene Y. Wang, The Zoomorphic Imagination in Chinese Art and Culture, University of Hawai'i Press, ISBN 978-0824846763, https://www.jstor.org/stable/j.ctvvn60j
  5. Nikolai P. Gordeev (2017), Snakes in the Ritual Systems of Various Peoples, Anthropology & Archeology of Eurasia, Volume 56, Issue 1-2: Animal-Human Interrelationships, S. 93-121, https://doi.org/10.1080/10611959.2017.1352330
  6. Jaqueline Simpson (1978), Fifty British Dragon Tales: An Analysis, Folklore, Vol. 89, No. 1, https://doi.org/10.1080/0015587X.1978.9716092
  7. C. Oancea (2017), Chaoskampf in the orthodox baptism ritual, Acta Theologica, Vol. 37, No. 2, https://doi.org/10.18820/23099089/actat.v37i2.8
  8. 8,0 8,1 Philip J. Senter, Uta Mattox, Eid. E. Haddad (2016), Snake to Monster: Conrad Gessner's Schlangenbuch and the Evolution of the Dragon in the Literature of Natural History, Journal of Folklore Research, Vol. 53, No. 1-4, doi:10.2979/jfolkrese.53.1-4.67
  9. Gaius Plinius Secundus Maior (77), Naturalis historia
  10. 10,0 10,1 10,2 10,3 Thomas Honegger (2017), The Sea-dragon – in Search of an Elusive Creature in Gerlinde Huber-Rebenich, Christian Rohr, Michael Stolz (2017), Wasser in der mittelalterlichen Kultur / Water in Medieval Culture, De Gruyter, ISBN 9783110442861
  11. Daniel Ogden (2013), Drakōn: Dragon Myth and Serpent Cult in the Greek and Roman Worlds, Oxford University Press, Print ISBN 9780199557325
  12. Unbekannter Autor (8. Jahrhundert), Beowulf
  13. Albertus Magnus (13. Jahrhundert), Man and the beasts (De animalibus, books 22-26), Binghampton, S. 396
  14. Abu Hamid al-Gharnati (1161), Tuḥfat al-albāb wa-nukhbat al-i‘jāb via Ahmed K. al-Rawi (2012), The Religious Connotation of the Islamic Dragon, Fabula 53(1-2), http://dx.doi.org/10.1515/fabula-2012-0005
  15. Thomas von Cantimpré (1225 - 1241), Liber de natura rerum
  16. Konrad von Megenberg (ca. 1349–1350), Das Buch der Natur, K. Aue (1851), S. 234
  17. Carl von Linné (1735), Systema Naturæ
  18. Thomas Hawkins (1840), The book of the great sea-dragons, Pickering, https://doi.org/10.5962/bhl.title.152648
  19. Glenn W. Storrs, Michael A. Taylor (1996), Cranial anatomy of a new plesiosaur genus from the lowermost Lias (Rhaetian/Hettangian) of Street, Somerset, England, Journal of Vertebrate Paleontology, Vol. 16, Issue 3, S. 403-420, https://doi.org/10.1080/02724634.1996.10011330
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