Drachen Wiki
Advertisement
Drachen Wiki

Der Glattstreicher aus Drachenzähmen leicht gemacht gleicht mehr oder weniger einem europäischen Drachen

Als Wasserdrachen werden alle Drachen bezeichnet, welche in irgendeiner Art mit dem Element des Wassers assoziiert werden oder im Wasser leben.

Nahe verwandt ist die Bezeichnung Meeresdrache für alle Drachen (oder andere große Reptilien), die im Meer leben, wie z.B. der Leviathan oder die Seeschlange.

Varianten[]

Drachen mit Wasserkräften[]

Der Drache der Apokalypse, 14. Jahrhundert

In vormittelalterlichen Drachensagen wurden Drachen und Schlangen häufig mit dem Wasser assoziiert, so war z.B. die Drachengöttin Tiamat eine Verkörperung des Urmeeres. In den Mythen Ostasiens hat sich die Verbindung der Östlichen Drachen mit dem Wasser bis heute gehalten und sie werden angebetet, um um Regen zu bitten. Auch der biblische Drache der Apokalypse speit große Mengen Wasser aus.

Die Carta Marina zeigt, wo man Meeresdrachen und andere große Seetiere findet

In Fantasy-Werken kommen häufig Drachen vor, die zwar dem Wasser-Element angehören, aber sich im Körperbau nur geringfügig von den anderen Drachen der Fantasy-Welt (meist Wyvern oder Westliche Drachen) unterscheiden. Diese werden als Wasserdrachen zu den Elementardrachen gezählt. Oft speien sie Wasserstrahlen, ähnlich wie Schützenfische, die damit Insekten abschießen, welche daraufhin ins Wasser fallen und gefressen werden. Die Gefahr liegt dabei entweder am Druck, an der Menge (wie bei der französischen Schlange Gargouille) oder an der Temperatur (wie beim Glutkessel aus Drachenzähmen leicht gemacht) des Wassers.

In der chinesischen Astrologie gibt es das Sternzeichen Wasser-Drache (chin. 壬辰, rénchén), welches sich aus der Kombination des Erdzweiges chén (Drache) und des Himmelsstammes Wasser ergibt.

Aquatische Drachen[]

Der Meeresdrache aus Dragon's World

Daneben gibt es auch Drachen, die im Wasser leben, ohne darüber zu gebieten. Meeresdrachen können oftmals kein Feuer speien, es gibt aber auch Ausnahmen, wie den Leviathan.

Begriffsgeschichte[]

Das Große Petermännchen (Trachinus draco)

Bereits im alten Griechenland wurde das Wort Drakon, das überwiegend für landlebende Würgeschlangen und mythische Riesenschlangen verwendet wurde, von Aristoteles auch für die Fische aus der Familie der Petermännchen verwendet. Diesem Beispiel folgten auch Plinius der Ältere und Isidor von Sevilla mit der lateinischen Version des Wortes, Draco[1]. Plinius ist auch der erste, der hier den Begriff Draco marinus (lat.: Meeresdrache) verwendet[2][3]. Es muss jedoch beachtet werden, dass für meeresbewohnende Schlangen das Wort Ketos verwendet wurde. Die einzigen aquatischen Drakontes der antiken Literatur, die auch wirklich als Drakontes bezeichnet wurden, waren Laokoons Schlangen[4].

Die ersten Meeresdrachen der Literatur, bei denen es sich vermutlich nicht um einfache Fische handelt, sind die sædracan aus dem angelächsischen Epos Beowulf (8. Jahrhundert). Sie werden meist als "Seedrachen" übersetzt und unterscheiden sich von dem Drachen (ang.: draca bzw. wyrm), den Beowulf später erwähnt. Im Gegensatz zu ihm sind sie eine von mehrere Arten von Monstern, die in der Nähe von Grendels Unterschlupf leben[5][3].

Der persische Autor Ibn Sina listet in seinem Kanon der Medizin (1025) unter den tinnın (Arabisch für Drache) auch zwei Meerestiere, die er smoraa und trogorn (alhartraf bzw. haudyon bei Albertus Magnus[6]) nennt. Dabei scheint smoraa von smyros (gr.: σμύρος) und myros (gr.: μύρος) abgeleitet zu sein, zwei Begriffen, die Aristoteles in seiner Historia animalium für die Muräne verwendet. Trogorn hingegen basiert auf dem griechischen trygon (gr.: τρυγών), womit Aristoteles den Stachelrochen bezeichnete. Im 16. Jahrhundert übernahm Conrad Gessner Ibn Sinas Beschreibungen in seinem Schlangenbuch, in dem er sie den Drachen zuschreibt. Gleichzeitig beschreibt er auch die Muräne und den Stachelrochen als Fische, ohne zu realisieren, dass es sich um die gleichen Tiere handelt[1].

Abbildung des Draco maris in einer Ausgabe von Liber de natura rerum aus dem 13. Jahrhundert

Thomas von Cantimpré beschreibt den Seedrachen (lat.: Draco maris) in Liber de natura rerum (1225 - 1241) größer als landbewohnende Drachen (lat.: Draco terrestris), aber flügellos. Stattdessen hat er Flossen zum Schwimmen. Trotz des im Verhältnis zum Körper kleinen Kopfes hat er ein schreckliches Maul, außerdem einen langen Schwanz und harte Schuppen[7]. Außerdem wiederholt er Plinius beschreibung des Petermännchens, dass es sich, wenn man es ins Wasser zurückwirft, schnell wieder eingräbt[3]. Konrad von Megenberg bezeichnet den Draco maris auf deutsch als Mertrack, also Meeresdrache, und übersetzt nur Cantimprés Beschreibung[8].

Draco marinus monophthalmos bipes (lat.: einäugiger, zweibeiniger Meeresdrache) nach Ulisse Aldrovandi

Dass der Seedrache bei Cantimpré ein Gegenstück zum Landdrachen ist anstatt ein einfacher Fisch liegt vermutlich an der im Mittelalter verbreiteten Vorstellung, dass jedes Landtier ein Gegenstück im Meer besitzt. Diese Vorstellung geht bereits auf Plinius zurück. Insofern ist er oft, aber nicht immer, austauschbar mit der Seeschlange, zumindest was seine Funktion in Erzählungen angeht[3].

Quellen[]

  1. 1,0 1,1 Philip J. Senter, Uta Mattox, Eid. E. Haddad (2016), Snake to Monster: Conrad Gessner's Schlangenbuch and the Evolution of the Dragon in the Literature of Natural History, Journal of Folklore Research, Vol. 53, No. 1-4, doi:10.2979/jfolkrese.53.1-4.67
  2. Gaius Plinius Secundus Maior (77), Naturalis historia
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 Thomas Honegger (2017), The Sea-dragon – in Search of an Elusive Creature in Gerlinde Huber-Rebenich, Christian Rohr, Michael Stolz (2017), Wasser in der mittelalterlichen Kultur / Water in Medieval Culture, De Gruyter, ISBN 9783110442861
  4. Daniel Ogden (2013), Drakōn: Dragon Myth and Serpent Cult in the Greek and Roman Worlds, Oxford University Press, Print ISBN 9780199557325
  5. Unbekannter Autor (8. Jahrhundert), Beowulf
  6. Albertus Magnus (1200-1280), De Animalibus
  7. Thomas von Cantimpré (1225 - 1241), Liber de natura rerum
  8. Konrad von Megenberg (ca. 1349–1350), Das Buch der Natur
Advertisement