Drachen Wiki
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Typhon (griechisch: Τυφῶν, auch Τυφωεύς, Typhōeús oder Τυφάων, Typháōn) ist ein Charakter der Griechischen Mythologie.

Etymologie[]

Bei Hesiod sind Typhaon und Typhoeus zwei separate Kreaturen. Typhaon ist hier der Sohn von Typhoeus[2].

Typhon kommt in der griechischen Mythologie die Rolle des Vaters der warmen und gefährlichen Winde zu. Dies steht in Verbindung zum griechischen týphein (altgr.: τύφειν, rauchen), von dem sich das Wort typhṓn (altgr.: τυφῶν) wahrscheinlich ableitet, ebenso wie das persische Tufân (per.: طوفان, „Sturm“). Die Araber erweiterten diesen Begriff um die tropischen Wirbelstürme im indischen Ozean, woraus sich wahrscheinlich der heutige Begriff Taifun ableitet. Sehr ähnlich in Aussprache und Bedeutung ist das chinesische tái fēng (chin.: 颱風, „Taifun“), wobei dieses Wort wahrscheinlich auf den Min-Ausdruck fēng shāi (chin.: 風篩, „siebartiger Wind“) zurückgeht. Ob es eine linguistische Verbindung zwischen beiden Begriffen gibt, ist nicht bekannt.

Handlung[]

Typhon ist je nach Quelle entweder das Kind von Gaia und Tartarus oder von Hera. Die erste Version erzählt, dass er geboren wurde, um die Niederlage der Titanen und Giganten gegen Zeus zu rächen[2]. In der zweiten Version ist Hera eifersüchtig, weil Zeus Athene ohne sie gezeugt hat, und möchte es ihm gleichtun. Das Ergebnis ist Typhon, den sie von Delphyne großziehen lässt[3][4].

Als Erwachsener greift Typhon den Olymp an und tritt Zeus im Kampf gegenüber. Beide attackieren einander mit Feuer und Wind. Typhon gewinnt die Oberhand, als er Zeus Sehnen herausschneiden kann, doch Pan und Hermes können die Sehnen zu Zeus zurückbringen, woraufhin Zeus Typhon mit Donnerkeilen besiegt und in den Tartaros sperrt[4]. Während der Ort des Kampfes in älteren Quellen häufig in Kilikien (heute Teil der Türkei) angegeben wird, wird bei Pindar erstmals der sizilische Vulkan Ätna als Ort angegeben, an dem Typhon begraben liegt. Laut ihm soll sich Typhon unter der gesamten südlichen italienischen Halbinsel von Cumae und den Phlegräischen Inseln bis Sizilien befinden[1].

Beschreibung[]

Typhons Beschreibung unterscheidet sich stark zwischen den antiken Texten und den Darstellungen in der griechischen Kunst. Hesiod beschreibt Typhon mit hundert Schlangenköpfen (Drakontes), die aus seinen Schultern wachsen und aus deren Augen Flammen hervorbrechen. Jede dieser Schlangen machte fürchterliche Geräusche, die manchmal verständliche Sprache, manchmal das Schnauben eines Stiers, das Brüllen eines Löwen, das Bellen eines Hundes oder ein hohes Pfeifen waren[2]. Die hundert Köpfe werden später auch von Pindar, Aischylos, Aristophanes, Hyginus und Oppian erwähnt[4]. Nonnos schließt aus den verschiedenen Geräuschen, dass die hundert Köpfe von verschiedenen Tieren stammen, darunter Leoparden, Löwen, Wildschweine, Rinder, Wölfe und Hunde[5].

Apollodorus beschreibt ihn so groß, dass sein Kopf die Sterne berührt, und erwähnt, dass er von den Hüften abwärts zwei große Vipern hatte und sein Körper mit Flügeln bedeckt war[6]. Nikander beschreibt Typhon mit vielen Händen[7], und Ovid gibt an, dass er hundert davon besaß[8]. Nonnos erhöht die Anzahl der Hände sogar auf zweihundert[5].

Die älteste bildliche Darstellung Typhons stammt ca. aus 640 - 625 v.Chr., danach sind bis zum 6. Jahrhundert v.Chr. etliche Darstellungen bekannt. In diesen erscheint er humanoid mit einem oder zwei Schlangenschwänzen anstatt Beinen. Auf dem Rücken trägt er ein oder zwei paar Flügel. Nur in manchen Darstellungen hat er einen oder mehrere Schlangenköpfe, die sich aber nicht auf seinen Schultern befinden. So gibt es z.B. ein Motiv von ca. 600 - 575 v.Chr., in dem er Schlangen in den Händen trägt, während sich auf einem olympischen Schild aus dem 6. Jahrhundert Schlangen um seine Hüften schwingen[4].

Typhon mit 20 Köpfen auf einem Becher

Ein lakonischer Becher zeigt ihn mit dem Kopf eines Satyrs, schuppigem Körper, zwei Fischschwänzen und Schlangenköpfen sowohl anstatt Armen als auch an der Taille. Aus seinen Fischschwänzen wachsen 14 kleinere Schlangenköpfe, und direkt dazwischen ein größerer Kopf anstelle eines Penis. Damit kommt diese Darstellung mit 20 Köpfen, 19 davon Schlangenköpfe, näher an die literarischen Beschreibungen als alle anderen bekannten antiken Darstellungen[4].

Hintergrund[]

Der Kampf zwischen Zeus und Typhon steht in der Tradition von Chaoskampf-Mythen wie Baal-Sapon gegen Yam, Tarhunna gegen Illuyanka oder Teshub gegen Ḫedammu. Speziell der Kampf der letzteren wurde von den Hurritern auf dem Berg Hazzi (heute Keldağ) verortet. Dieser Berg, bei den Griechen als Kasios (altgr.: Κάσιον ὂρος, Kásion óros) bekannt, wurde von Pseudo-Apolldor ebenfalls als Schauplatz des Kampfes zwischen Zeus und Typhon angegeben[6], nachdem bereits Strabon die grobe Gegend als Ort des Kampfes angab[4].

Zumindest seit Hekataios von Milet wurde Typhon mit dem ägyptischen Gott Seth gleichgesetzt. Diese Assoziation kommt vor allem in griechischen magischen Papyri vor[4].

Trivia[]

  • Einigen Quellen zufolge war Typhon der Vater der Hydra von Lerna. Dieser wurden ebenfalls hundert Köpfe nachgesagt.
  • Vermutlich wurde der Name der Tropischen Wirbelstürme im Indischen Ozean (Taifun) von Typhons Namen abgeleitet.
  • Selten wird das Sternbild Draco als Typhon interpretiert.

In der Populärkultur[]

  • In der Fernsehserie Hercules (1995-1999) wird Typhon (dargestellt von Glenn Shadix) als gutmütiger Riese anstelle eines Drachen dargestellt. Mit Hilfe von Hercules kehrt Typhon, der durch die Göttin Hera an einem Stein gefesselt war, zu seiner Gattin Echidna zurück.
  • In der Episode 13 (Hercules und die Rückkehr von Typhon) der Zeichentrickserie Disneys Hercules befreit Herkules Typhon, der als riesiges mehrarmiges drachenartiges Monster dargestellt wird, versehentlich aus seinem Gefängnis unter dem Vulkan Ätna.
  • In der RPG-Serie Shin Megami Tensei ist Typhon ein Dämon, der als Östlicher Drache oder Drake erscheint und damit meist an die Megami Tensei Version von Tiamat erinnert. In Last Bible ist er hingegen eine Schnecke, und in den Devil Children Spielen ein vogelartiger Humanoide.
  • In Percy Jackson: Die letzte Göttin, dem finalen Band der "Percy Jackson"-Pentalogie von Rick Riordan, müssen die Götter des Olymps gemeinsam gegen Typhon kämpfen.
  • Die Kurzgeschichte Typhon, der hundertköpfige Drachen von Andreas Gößling erzählt vom Kampf zwischen Typhon und den Olympiern.

Quellen[]

Einzelnachweise[]

  1. 1,0 1,1 Pindar (5. Jahrhundert v.Chr.), Pythische Oden
  2. 2,0 2,1 2,2 Hesiod (700 v.Chr.), Θεογονία (Theogonía)
  3. Ὁμηρικοὶ ὕμνοι (Homērikoì húmnoi), ca. 590 v.Chr.
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 4,5 4,6 Daniel Ogden (2013), Drakōn: Dragon Myth and Serpent Cult in the Greek and Roman Worlds, Oxford University Press, Print ISBN 9780199557325
  5. 5,0 5,1 Nonnos von Panopolis (5. Jahrhundert), Διονυσιακά, (Dionysiaká)
  6. 6,0 6,1 Pseudo-Apollodor (1. Jahrhundert), Βιβλιοθήκη (Bibliothēkē)
  7. Nikandros aus Kolophon via Antoninus Liberalis (2. Jahrhundert), Μεταμορφώσεων συναγωγή
  8. Publius Ovidius Naso (ca. 1 - 8 n.Chr.), Metamorphoses
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