Drachen Wiki
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Siward (auch Sigurd ang.: Sigeweard, non.: Sigurðr digri, † 1055, York, Northumbria) war ein Earl im nördlichen England des 11. Jahrhunderts. Übers eine jüngeren Jahre ist wenig bekannt, jedoch schreibt ein Text ihm die Tötung eines Drachen zu.

Handlung[]

Die Vita S. Waldevi, eine Beschreibung des Lebens von Siwards Sohn, dem Märtyrer Waltheof II., Earl of Northumbria, erzählt legendäre Geschichten über Siwards Jugend. Laut diesem Text war Siward der Sohn eines Dänen namens Beorn, der die Ohren eines Bären hatte, da sein Vorfahr ein Bär war. Siward wollte nicht in Dänemark bleiben und das Land seines Vaters erben, und so segelte er mit fünfzig Begleitern los. Getrieben vom Wind erreichte er Orkney, und auf den Inseln lebte zu dieser Zeit ein Drache (lat.: draco), der Menschen und Vieh verschlang. Als Siward davon hörte, wollte er gegen den Drachen kämpfen, um seinen Mut und seine Kraft unter Beweis zu stellen. Er besiegte den Drachen und vertrieb ihn von der Insel[1].

Danach segelte er nach Northumbria, wo er von einem weiteren Drachen erfuhr. Er wollte auch diesen Drachen bezwingen und kam an einen steilen Hügel, auf dem ein alter Mann saß. Als er den Mann nach Informationen über den Drachen befragte, sprach dieser ihn beim Namen an und behauptete, seine Suche nach dem Drachen wäre vergebens. Stattdessen solle er zu seinen Gefährten zurückkehren und wieder lossegeln, dann würde ein guter Wind ihn zum Fluss Themse und darüber schließlich nach London tragen. Der König dort würde ihn in seine Dienste nehmen und ihm nach kurzer Zeit Landbesitz schenken. Siward hatte zunächst Zweifel, dass seine Männer ihm nicht glauben würden, was der Mann ihm erzählt hatte, doch dieser gab ihm das Banner Ravenlandeye zum Beweis. Mit diesem segelte Siward los und es geschah wie prophezeit[1].

Hintergrund[]

Während die meisten Ereignisse aus der Vita S. Waldevi anderen historischen Quellen entspricht, taucht die Drachen-Episode nur in der Gesta antecessorum comitis Waldevi auf, einer Art Vorgeschichte, die nur in einem Manuskript enthalten ist. Ein Hinweis des Autors, dass der Text auf Geschichten der Alten basiert, wurde von vielen Forschern so aufgefasst, dass sich nach Siwards Tod mündliche Geschichten um ihn entwickelten, möglicherweise eine heute verlorene Siwards Saga[2].

Obwohl die Geschichte eindeutige Einflüsse aus der germanischen Mythologie zeigt (so erinnert z.B. der alte Mann an Odins Rolle in der Völsunga Saga), ist die Tatsache, dass der Drache eine Gefahr für Menschen und Vieh darstellt, im Kontext germanischer Literatur ungewöhlich. Der einzige andere Drache, der von sich aus Menschen angreift, in der germanischen Literatur, kommt in Bjarnar saga Hítdœlakappa vor. Üblich ist das Merkmal des destruktiven Drachen hingegen in christlichen Heiligensagen wie z.B. die Vita S. Hilarionis[2].

Eine weitere Parallele zu Heiligensagen besteht darin, dass der Drache nur vertrieben anstatt getötet wird, wie bei Samson von Dol, dessen Drachenkampf ebenfalls am Meer stattfindet. Die Küste als Schauplatz ist jedoch auch in germanischen Texten nicht unbekannt, z.B. bei Frotho I. oder Beowulf[2]. Germanische Parallelen bestehen außerdem zu Ragnar loðbrók, dessen Söhne ebenfalls ein Rabenbanner verwendeten. Diverse Geschichten über Ragnars Söhne waren im 12. Jahrhundert in England verbreitet[3].

Interessant ist, dass die Geschichte nicht nur Orkney sondern auch Northumbria, wo Siward schließlich regierte, als exotisches Land darstellt, in dem es einen Drachen und einen geheimnisvollen Ratgeber gibt, während die reale Grafenfamilie, in die der historische Siward einheiratete, mit keinem Wort erwähnt wird. Dies deutet darauf hin, dass der Autor des Textes keine Kenntnis über Northumbria hatte[3].

Dass Siwards Vorfahr ein Bär ist erinnert an das Bärensohnmärchen, welches möglicherweise der Ursprung von Beowulf war[3].

Quellen[]

  1. 1,0 1,1 Gesta antecessorum comitis Waldevi, Douai Ms. 852, fol. 57v-70v via Appendix A: 6. Siward in Christine Rauer (2000), Beowulf and the Dragon, D. S. Brewer, S. 162-165, ISBN 0 85991 592 1
  2. 2,0 2,1 2,2 Post-Conquest Traditions: Siward and Others in Christine Rauer (2000), Beowulf and the Dragon, D. S. Brewer, S. 125-133, ISBN 0 85991 592 1
  3. 3,0 3,1 3,2 Eleanor Parker (2014), Siward the Dragon-Slayer: Mythmaking in Anglo-Scandinavian England, Neophilologus, Vol. 98, S. 481-493, https://doi.org/10.1007/s11061-013-9371-3
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