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Scylla-Darstellung auf einer griechischen Vase, 5. Jahrhundert v.Chr.

Die Scylla (auch Skylla, altgriechisch Σκύλλα) war eine Nymphe, die von den Göttern in ein Seeungeheuer verwandelt wurde. Obwohl sie oft mit Schlangenmerkmalen beschrieben wird, wird sie in der antiken Literatur nie als Ketos oder Drakon bzw. Drakaina bezeichnet.

Mythos[]

Je nach Quelle wurde Scylla entweder schon als Monster geboren oder war zunächst eine schöne Nymphe, die später verwandelt wurde. Ovid beschreibt, dass sie die Tochter der Nymphe Krataiis war und von Glaukos umworben wurde. Da sie dessen Werben aber nicht erwiderte, ging dieser zur Zauberin Kirke, um sich von seiner Liebe heilen zu lassen. Kirke jedoch verliebt sich selbst in Glaukos und vergiftet aus Eifersucht das Wasser, in dem Scylla gerne badet. Als diese das nächste Mal in dem Wasser badet, wachsen aus ihrem Unterleib sechs Hundeköpfe und zwölf Hundefüße[1].

In dieser monströsen Gestalt bezieht sie eine Höhle an der Küste der Straße von Messina, wo jeder ihrer Köpfe von jedem passierenden Schiff Seemänner frisst. Daneben ernährt sie sich auch von Delfinen und Haien[2]. Ihre Höhle liegt auf der rhegischen Seite der Meerenge, während die sizilische Seite von der Charybdis heimgesucht wird[1]. Sie soll schließlich von Herakles getötet worden sein, da sie einige der von ihm gestohlenen Rinder des Geryones gefressen hatte, bevor ihr Vater Phorkys sie mithilfe von Feuer wieder zum Leben erweckte[3]. Auch Odysseus und seine Männer wurden von Scylla angegriffen, als sie die Charybdis umschifften, jedoch erwähnt die Odyssee noch nichts zu ihrer Hintergrundgeschichte[2]. Diese wird erstmals im 3. Jahrhundert v.Chr. von Athenaios erwähnt, doch die älteste vollständige Version stammt von Ovid[4].

Aussehen[]

Darstellung aus dem 4. Jahrhundert v.Chr.

Die älteste Beschreibung der Scylla stammt aus Homers Odyssee, wo sie mit sechs Köpfen und zwölf Beinen beschrieben wird. Jeder der Köpfe sitzt an einem Hals, der lang genug ist, um aus ihrer Höhle heraus im Meer zu fischen, und besitzt drei Reihen von Zähnen. Dabei soll der in der Höhle verborgene Körper noch einmal genau so lang sein wie die Hälse[2]. All diese Beschreibungen deuten auf eine sechsköpfige Schlange ähnlich der Hydra hin[4]. Auch Palaiphatos beschreibt die Scylla mit dem Körper einer Schlange[5], während Dionysios von Samos sie mit dem feurigen Blick eines Drakon beschreibt[6].

Die zwölf Beine der Scylla beschreibt Homer mit dem Adjektiv aoroi, über dessen Übersetzung unter Historikern keine Einigkeit besteht. Es wurden bereits so verschiedene Übersetzungen wie "wild", "oktopusartig", "steif" oder "unterschiedlich lang" vorgeschlagen[4].

Ovid beschreibt die Scylla hingegen mit den sechs Köpfen und zwölf Beinen von Hunden und dem Oberkörper einer Frau[1]. Auch Lykophron beschreibt sie als Hündin oder Löwin[3]. Dies basiert vermutlich auf einer Stelle bei Homer, an der dieser ihren Ruf mit dem Bellen eines neugeborenen Welpen vergleicht[4].

Die ältesten bildlichen Darstellungen der Scylla stammen aus dem 5. Jahrhundert v.Chr. Sie wird immer mit dem Oberkörper einer nackten Frau dargestellt, doch anstatt Beinen hat sie ein bis drei Fischschwänze. An diesen befinden sich ein bis drei Hundeköpfe und oft auch ein Paar Hundebeine, das manchmal auch an ihren Schultern angebracht ist. In manchen in Süditalien gefundenen Darstellungen enden die zwei Fischschwänze auch in Köpfen, die an die Darstellungen von Kēto erinnern, oder sie hat ein Paar Flügel[4].

In der Populärkultur[]

Die Scylla im Film Die Odyssee

  • Möglicherweise ist das Questentier der Artussage von der Scylla inspiriert, da aus dessen Bauch ständig das Bellen einer Meute Hunde dringt.
  • Ähnlich der Scylla wird auch die Sünde in John Miltons Epos Paradise Lost beschrieben. Sie hat den Oberkörper einer Frau, von der Hüfte abwärts den Schwanz einer Schlange und um ihre Hüfte hat sie diverse Höllenhunde, die sich von ihren Eingeweiden ernähren.
  • Auf der Scylla basiert vermutlich auch die "Schlange Serpentina" aus James Krüss gleichnamigen Gedicht, welches vor allem durch Günther Kretzschmars "Seeschlangensong" bekannt ist. Im Text wird beschrieben, wie die namensgebende Schlange mit ihrem schrecklichen Gesang die Straße von Messina terrorisiert.
  • Scylla ist eine der spielbaren Göttinnen in Smite.

Scylla in der Zeichentrickserie Mission Odyssey

  • In der Zeichentrickserie Mission Odyssey (2002), lose basierend auf die Odyssee, tritt Scylla in der zweiten Folge "Poseidons zweiter Streich" auf. Darin waren einst Scylla und Charybdis ein Liebespaar bis sie von der Hexe Circe verflucht wurden. Charybdis wurde in einen riesigen kopfförmigen Felsen verwandelt, der Wasser saugte und ausspieh, während sich seine geliebte Scylla in einen riesigen dreiköpfigen Drachen verwandelte und sich ihm nicht nähern konnte. Doch als Odysseus und seine Mannschaft auf die beiden stießen verlangte Poseidon von Zeus, dass der Fluch der Hexe aufgehoben wird. Als Scylla und Charybdis wieder vereint werden können, werden sie wieder zu Menschen.
  • In Godzilla: King of the Monsters ist Scylla einer der Titanen, die von King Ghidorah erweckt werden. Die Kreatur erinnert an einen Tintenfisch mit langen Krabbenbeinen und wird in einem Zeitungsartikel im Abspann von Monarch als altgriechisches Monster bestätigt.

Quellen[]

  1. 1,0 1,1 1,2 Publius Ovidius Naso (ca. 1 - 8 n.Chr.), Metamorphoses
  2. 2,0 2,1 2,2 Homer (8. oder 7. Jahrhundert v.Chr.), ἡ Ὀδύσσεια (hē Odýsseia)
  3. 3,0 3,1 Lykophron aus Chalkis (3. Jahrhundert v.Chr.), Alexandra
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 Daniel Ogden (2013), Drakōn: Dragon Myth and Serpent Cult in the Greek and Roman Worlds, Oxford University Press, Print ISBN 9780199557325
  5. Palaiphatos (4. Jahrhundert v.Chr.), Περὶ ἀπίστων ἱστοριῶν (Peri apiston historion)
  6. Dionysios von Samos (3. oder 2. Jahrhundert v.Chr.), Kyklos historikos
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