Drachen Wiki
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Der Pozoj (weiblich pozojica[1][2]) ist ein Drache aus der Folklore von Kroatien und Slowenien. Er ähnelt dem ungarischen Sárkány.

Beschreibung[]

In Kroatien soll der Čakovec pozoj unter der Stadt Čakovec gelebt haben, mit dem Kopf unter der Kirche des heiligen Nikolaus von Myra und dem Schwanz unter dem Stadtplatz (nach manchen Quellen auch andersherum[3]). Ein Student der schwarzen Künste (hr.: grabancijaš) könnte den Drachen entfernen, doch dann würde die Stadt in den wässrigen Abgrund[3] darunter stürzen[4].

Laut einer Sage aus dem nahegelegenen Štrigova liegt der Kopf des Drachen unter der Kirche des Hieronymus und der Schwanz unter der von Maria Magdalena. In dieser Version bewegt der Drache jeden Frühling seinen Schwanz und löst damit im Tiefland Hochwasser aus. Im altslawischen Kalender war der Jahresbeginn, welcher ungefähr mit Ostern oder dem Georgstag zusammenfällt, im Frühling[3].

Auch unter Zagreb und Prelog sollen Pozoj leben und bei jeder Bewegung Erdbeben auslösen[5][6]. Der Dichter Matija Valjavec veröffentlichte im slowenischen Glasnik-Magazin einige Gedichte, in denen die Drachen mit dunklen Magiern assoziiert wurden[7].

Je nach Sage entsteht der Pozoj aus einem Fisch, Frosch oder einer Schlange. So erzählt man in Prelog, dass ein Fisch sich in den Schlamm gräbt und zum Pozoj wird, während in Međimurje erzählt wird, dass eine Schlange, ein Frosch oder ein Hahn zum Pozoj wird, wenn das Tier über sieben Jahre alt ist[6]. Hier bestehen Parallelen zu Basiliskensagen, da diese Kreaturen nach manchen Quellen aus einem Hahnenei schlüpfen, die von einer Schlange oder einer Kröte ausgebrütet werden[8][9]. Wenn das Tier, das ein Pozoj werden wird, alt genug ist, gräbt es sich über einem Graben ein und fängt an, die Erde um sich herum zu fressen, bis es keinen Halt mehr hat und ins Wasser fällt. Dann bricht die Erde ein und ganze Städte können so zerstört werden[10].

In vielen Varianten der Sage reitet der Grabancijaš den Pozoj nach Süden oder Osten in ein fremdes Land, wo er sein Fleisch verkauft[3]. Dieses wird dort von den Menschen genutzt, um sich abzukühlen. Dieses Motiv kommt bereits in der Literatur des 13. Jahrhunderts vor, z.B. bei Thomas von Cantimpré und Albertus Magnus[11][12][13]. Anders als in den mittelalterlichen Texten, die die Heimat der Drachen in Indien oder Afrika verorten, wird in den kroatischen Sagen der Pozoj aus Kroatien in fremde, nicht-christliche Länder vertrieben, um ihn zu vernichten[3].

Grabancijaš[]

Einer slowenischen Sage nach soll der Pozoj einem geflügelten Pferd gleichen, das aber nur von einem grabancijaš dijak (slv. für Zauberlehrling) geritten werden kann. Dieser kann damit bis nach Arabien fliegen[14]. Diese Sagen erinnern an andere Zauberer aus den Mythen benachbarter Kulturen, wie den ungarischen Garabonciás, den rumänischen Solomonar oder die Venedigermännlein des deutschsprachigen Alpenraums, die ebenfalls Drachen reiten können[3]. Auch in Bednja in Kroatien wird der Pozoj als geflügeltes Pferd beschrieben[15].

In Kroatien kommt das Motiv des Grabancijaš und Pozoj nur im Gebiet zwischen Mur, Drau und Save vor. Der kroatische Sprachwissenschaftler Vatroslav Jagić vermutet, dass die starke Ähnlichkeit der kroatischen und ungarischen Sagen darauf zurückgeht, dass die Priester beider Völker häufig die gleichen Universitäten in Budapest, Wien, Trnava und Bologna besuchten. Im Mittelalter musste ein jesuitischer Priester zwölf Schulen abschließen, vier davon in Grammatik, zwei in Studia humanitatis, zwei in Philosophie und vier in Theologie. Die imaginäre dreizehnte Schule ist das Studium der Magie, von dem die Folklore berichtet. Aus diesem Grund vermutet Jagić, dass der Begriff Grabancijaš eine Verballhornung des italienischen negromanzia (it.: Schwarze Magie, kurz gramanzia) ist[6]. Diese Interpretation ist jedoch umstritten[3].

Möglicherweise basiert der Kampf des Zauberers gegen den pozoj auf dem slawischen Donnergott Perun, der den Drachen Veles tötet, und geht damit auf das Chaoskampf-Motiv zurück. Dies könnte die häufige Assoziation des Grabancijaš mit Sturm und Hagel erklären[3]. In slowenischen Sagen wir der Pozoj vom Volkshelden Kresnik besiegt, der durch seine Assoziation mit dem Feuer eine wichtige Gemeinsamkeit mit dem Drachen hat, die für einen Drachentöter nötig ist[16].

Bei dem Buch, das der Grabancijaš verwendet um den Drachen zu zähmen, handelt es sich vermutlich um die Bibel. Dies erinnert an christliche Heiligensagen, in denen z.B. Samson von Dol oder Silvester I. Drachen mit Kreuzzeichen und Gebeten zähmen, um sie dann zu fesseln und fortzuschicken[3].

Sage[]

Die folgende Sage stammt aus wikipedia:en:Donji Vidovec in Kroatien und ist ein typisches Beispiel einer Pozoj-Sage.

Vor langer Zeit lebte ein Pozoj im Čičanjska-Sumpf, dessen Schwanz sich unter der Kirche befand. Wenn er sich umdrehte, fielen alle Kerzen vom Altar. Eines Tages kam ein junger Mann in einem schwarzen Anzug ins Dorf und sprach dort mit dem Priester. Dieser trug dem Küster auf, den Fremden in den Sumpf zu führen, wobei dieser ein großes Buch bei sich trug. Der Fremde war ein Grabancijaš. Als sie am Sumpf ankamen ging er sehr nahe ans Wasser, stellte sich auf die Wurzel eines Erlenstrauchs und begann, aus seinem Buch zu lesen[17].

Plötzlich schäumte das Wasser und der Kopf des Pozoj tauchte auf. Der Grabancijaš nahm ein goldenes Zaumzeug und warf es über den Kopf des Drachen, während er weiter aus dem Buch vorlas. Als der Pozoj halb aus dem Wasser gekommen war, sprang der Grabancijaš auf ihn und ritt nach Süden. Der Pozoj hatte einen so lange Schwanz, dass dieser über den Boden schleifte als er flog. Plötzlich begann es zu stürmen und Hagelkörner, so groß wie Walnüsse, fielen vom Himmel und zerstörten alles vom Dravica-Bach bis zur Drau. Der Priester erzählte später, dass der Grabancijaš den Pozoj nach Afrika geritten hatte, wo die Menschen sein kaltes Fleisch unter die Zunge legen, um sich den ganzen Tag abzukühlen[17].

Ähnliche Sagen[]

Das Motiv, dass ein vergrabener Drache mit Schwanzbewegungen Erdbeben, meist unter einer Kirche, auslöst, kommt auch in der Schweizer Sage des Drachen von Wartau und einigen dänischen Lindorm-Sagen vor, z.B. beim Nørre Søby Lindorm[18][19].

Quellen[]

  1. Ivan Belostenec (1740), Gazophylacium, Weitz
  2. Jugoslavenska akademija znanosti i umjetnosti (1927), Rječnik hrvatskoga ili srpskoga jezika, Band 9, U kńižarnici L. Hartmana
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 3,6 3,7 3,8 Suzana Marjanić (2010), Dragon and Hero, or How to Kill a Dragon –on the Example of the Legends of Međimurjeabout the Grabancijaš and the Dragon, Studia mythologica Slavica, Vol. 13, Issue 127, https://doi.org/10.3986/sms.v13i0.1644
  4. Ferencz Gönczi (1895), Međimurje – ljudi, vjerovanja, običaji, Chak (1995), S. 122-123
  5. Ljiljana Marks (1990), Legends about the Grabancijaš Dijak in the 19th Century and in Contemporary Writings, Acta Ethnographica Hungarica, Vol. 54, Issue 2, https://doi.org/10.1556/AEthn.54.2009.2.5
  6. 6,0 6,1 6,2 , Vatroslav Jagić (1877), Izabrani kraći spisi, Matica hrvatska (1948), S. 177-190
  7. Monika Kropej (2012), Some Social Aspects of Bulgarian Folksongs, The Journal of American Folklore, Vol. 69, No. 273, Slavic Folklore: A Symposium, https://doi.org/10.2307/537147, https://www.jstor.org/stable/537147
  8. Vinzenz von Beauvais (13. Jahrhundert), Speculum naturale, urn:nbn:de:hbz:061:1-521534
  9. Theophilus Presbyter (12. Jahrhundert), Schedula Diversarum Artium
  10. Andrija Dolenčić (1952), Pretkršćanski ostaci i kršćanski elementi u međimurskim naro-dnim običajima i vjerovanjima u okviru hrvatskoga i inog folklora na kugli zemalj-skoj, Hrvatska akademije znanosti i umjetnosti, Odsjek za etnologiju, S. 357-358
  11. Thomas von Cantimpré (1225-1241), Liber de natura rerum
  12. Albertus Magnus (13. Jahrhundert), De animalibus
  13. Konrad von Megenberg (ca. 1349-1350), Das Buch der Natur, K. Aue (1861)
  14. Monika Kropej (2012), Supernatural Beings From Slovenian Myth and Folktales, Scientific Research Centre of the Slovenian Academy of Sciences and Arts, ISBN 978-961-254-428-7, https://doi.org/10.3986/9789610503385
  15. Natko Nodilo (1884), Stara vjera Srba i Hrvata, Logos (1981), S. 227
  16. Zmago Šmitek (2009), Zmajsko seme: Topografi ja slovenskega izročila o Kresniku, Studia mythologica Slavica 12, S. 169–185, https://doi.org/10.3986/sms.v12i0.1670
  17. 17,0 17,1 Ivan Zvonar, Stjepan Hranjec, Andrija Strbad (1987), Usmena narodna književnost na tlu Me·dimurja, Band 2, Zrinski, ISBN 9788670030077
  18. Mads Lidegaard (1999), Danske søer og vandløb fra sagn og tro, Ringhof Forlag (2020), S. 48-49, ISBN 9788726296396
  19. Peter M. Broadwell, Timothy R. Tangherlini (2016), WitchHunter: Tools for the Geo-Semantic Exploration of a Danish Folklore Corpus, The Journal of American Folklore, Vol. 129, No. 511, S. 14-42, https://doi.org/10.5406/jamerfolk.129.511.0014, https://www.jstor.org/stable/10.5406/jamerfolk.129.511.0014
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