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Dragespringvand Kopenhagen

Der Drachenbrunnen in Kopenhagen

Orm og Tyr (dk. für Wurm/Schlange und Stier) ist ein Sagentyp, der in Dänemark häufig vorkommt und oft mit Kirchen assoziiert wird.

Handlung[]

Allen Sagen des Typs ist eine ähnliche Handlung gemein. Eines Tages taucht ein Lindorm auf, der sich um eine Kirche schlingt oder deren Eingang blockiert, so dass niemand mehr hinein oder hinausgehen kann. Um sich zu behelfen, bauen die Einwohner des Ortes einen neuen Eingang auf der gegenüberliegenden Seite der Kirche[1].

Wenn das Problem schließlich zu groß wird, da der Lindorm weitere Schäden anrichtet, beschließen die Einwohner, einen Stier aufzuziehen. In den meisten Versionen wird dieser einige Jahre lang ausschließlich mit Milch gefüttert. Dabei unterläuft aber ein Fehler, z.B. stimmt die Qualität der Milch nicht, und der Stier verliert den Kampf. Entweder überlebt der Stier und wird weiter gefüttert, oder er stirbt und ein neuer Stier wird großgezogen. Dieser besiegt schließlich den Lindwurm, geht dabei aber selbst zugrunde[1].

Regionale Beispiele[]

  • Eines der bekanntesten Beispiele ist der Farum Lindorm. In diesem Fall scheitert der erste Bulle daran, dass nicht jeder Einwohner seine beste Milch liefert, und es muss drei weitere Jahre ein zweiter Bulle großgezogen werden, der mit dem Lindorm in den Farum-See fällt, wo beide ertrinken.
  • Ebenfalls sehr bekannt ist der Brunnen auf dem Rathausplatz in Kopenhagen, der den Kampf zwischen Stier und Lindorm darstellt.
  • Der Kundby Lindorm wird assoziiert mit einem Grabstein bei der Kundby-Kirche, auf dem ein Stier und eine Schlange eingraviert sind.
  • In Frederiksværk verlor der erste Bulle den Kampf, da wenige Frauen die Milch mit Wasser gestreckt hatten[2].
  • In Eiby flieht der Stier nach den ersten vier Jahren vor dem Lindorm, kann ihn aber im siebten Jahr töten. Danach geht er selbst am Gift des Lindorms zugrunde.
  • In Skævinge gibt es eine Version, in der der Lindorm nach seiner Niederlage einen tiefen Riss in das Ufer schlug, der heute als Strø Bjerge bekannt ist[3].
  • Nahe Læborg und Vejen lebte ein Lindorm im Wald. Als man den Wald in Brand steckte, um die Schlange zu vertreiben, floh das Tier ins Dorf und wand sich um die Kirche, bis es von einem Stier besiegt wurde[4].
  • In Ovsted wand sich ein Lindorm um die Kirche, wurde aber von einem Fremden mit einem Gewehr erschossen[5].
  • In Tølløse zeugt ein Loch in einem Stein von dem Kampf zwischen Stier und Lindorm, es soll von der Schlange mit dem Schwanz während des Kampfes geschlagen worden sein. Der Lindorm soll nur verwundet worden sein und noch immer in der Gegend leben[6].
  • In Fårevejle gibt es ebenfalls eine Sage, in der ein Stier einen Lindorm besiegt[7].
  • In der Kirche von Alsted soll sich der Schädel des Stiers noch über dem Tor befinden[8].
  • Der Bildstein in der Hørdum Kirke zeigt Thor, wie er die Midgardschlange angelt. Jedoch wird mit der Kirche auch eine Stier-Sage assoziiert, die möglicherweise mit dem Stein zusammenhängt[9].
  • In Holmstup soll ein Lindorm, der aus dem als Ormelinden bekannten Baum gekrochen war, den Südeingang der Kirche versperrt haben, um sich zu sonnen. Alle Schüsse prallten von der Haut des Wurms ab, doch ein Schmied, der einen Pakt mit dem Teufel hatte, zog einen Stier mit Weizenbrot auf und ließ ihn gegen den Lindorm kämpfen. Beim zweiten Versuch tötete der Stier den Wurm[10].

Ähnliche Sagen[]

Das Motiv des Kalbes, das eigens aufgezogen wird, um einen Drachen zu töten, kommt auch in den Sagen des Drachen von Rohrdorf und des Lindwurm in den Grabser Alpen im Alpenraum und dem Lindwurm von Ecklak in Schleswig-Holstein vor. Diese deutschsprachigen Sagen entsprechen aber nicht dem genauen Handlungsverlauf der dänischen Sagen. In Serbien enthält eine Sage um den Ala von Željin ein ähnliches Motiv.

Mads Lidegaard vermutet dass das Motiv des Stiers, der im Kampf selbst stirbt, auf die Mythen um Thor und Jörmungandr zurückgeht[11].

Literatur[]

  • Martin A. Hansen (1959), Orm og Tyr, Gyldendal

Quellen[]

  1. 1,0 1,1 Mads Lidegaard (1996), Danske træer fra sagn og tro, Lindhardt og Ringhof (2020), S. 19, ISBN 9788726296372
  2. Mads Lidegaard (1998), Danske høje fra sagn og tro, Lindhardt og Ringhof (2020), S. 106, ISBN 9788726296389
  3. Mads Lidegaard (1998), Danske høje fra sagn og tro, Lindhardt og Ringhof (2020), S. 104-105, ISBN 9788726296389
  4. Mads Lidegaard (1998), Danske høje fra sagn og tro, Lindhardt og Ringhof (2020), S. 359, ISBN 9788726296389
  5. Mads Lidegaard (1999), Danske søer og vandløb fra sagn og tro, Ringhof Forlag (2020), S. 302-303, ISBN 9788726296396
  6. Mads Lidegaard (1994), Danske sten fra sagn og tro, Lindhardt og Ringhof (2020), S. 114, ISBN 9788726296365
  7. Mads Lidegaard (1994), Danske sten fra sagn og tro, Lindhardt og Ringhof (2020), S. 147, ISBN 9788726296365
  8. Mads Lidegaard (1994), Danske sten fra sagn og tro, Lindhardt og Ringhof (2020), S. 155, ISBN 9788726296365
  9. Mads Lidegaard (1994), Danske sten fra sagn og tro, Lindhardt og Ringhof (2020), S. 294, ISBN 9788726296365
  10. Mads Lidegaard (1996), Danske træer fra sagn og tro, Lindhardt og Ringhof (2020), S. 142, ISBN 9788726296372
  11. Mads Lidegaard (1998), Danske høje fra sagn og tro, Lindhardt og Ringhof (2020), S. 19-20, ISBN 9788726296365
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