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Janni-und-die-Draken

Janni tötet die dreiköpfigen Draken, 1900

Janni und die Draken ist ein Märchen aus Epirus in Griechenland.

Handlung[]

Das Märchen erzählt von Janni und seiner Schwester, die nach dem Tod ihrer Eltern nur mit einem Messer und drei Schafen auf Wanderschaft gingen. Dabei trafen sie einen Mann, der ihnen im Tausch für die drei Schafe drei Hunde gab.

Später kamen sie an ein Schloss, in dem 40 Drachen (gr.: Δράκος, Drakos, in der deutschen Version von Johann Georg von Hahn als Draken übersetzt) lebten. Als diese Janni kommen sahen, fuhren sie vor Schreck vierzig Klafter tief in den Boden. So dachten Janni und seine Schwester, das Schloss wäre verlassen, und zogen dort ein. Tagsüber ging Janni mit den Gewehren, die die Draken zurückgelassen hatten, auf die Jagd, während seine Schwester zurückblieb.

Eines Tages, als Janni auf der Jagd war, wagte sich ein Drache an die Oberfläche, um Nahrung zu holen. Als er Jannis Schwester sah, erschrank er furchtbar, da er dachte das Schloss wäre leer. Doch sie beruhigte ihn und die beiden verliebten sich ineinander. Von da an rief sie jeden Tag, wenn Janni auf der Jagd war, den Drakos zu sich, und bald wurde sie von ihm schwanger. Sie sorgte sich sehr, da sie Angst hatte, dass Janni so von dem Draken erfahren würde. Doch der Drache beruhigte sie, da er einen Plan hatte.

Sie solle sich krank stellen und von Janni Kirschen zu verlangen, die in einem Garten wachsen, einen Tagesmarsch vom Schloss entfernt. In diesem Garten leben drei Brüder des Draken, und diese würden sich um Janni kümmern. Sie tat dies und Janni machte sich mit seinen Hunden auf den Weg. Im Garten angekommen legte er sich schlafen, und die drei Draken griffen ihn an. Doch seine Hunde töteten die Draken und begruben sie, ohne ihn zu wecken. Als er aufwachte und seine Hunde voller Blut sah, dachte er, sie hätten ein Wild gerissen, und schimpfte mit ihnen, weil sie ihm nichts abgegeben hatten. Dann kehrte er zurück und brachte seiner Schwester die Kirschen.

Diese wandte sich wieder an den Draken, und er riet ihr, sich nochmal krank zu stellen. Diesmal solle sie Quitten aus einem zwei Tage entfernten Garten verlangen. Dort lebten sechs Brüder des Draken, von denen jeder zwei Köpfe hatte. Doch wieder töten die Hunde die Draken, während Janni schlief, und wieder schalt er sie am Morgen, da er dachte, sie hätten ihre Beute nicht mit ihm geteilt.

Als nächstes schickte seine Schwester Janni in einen drei Tage entfernten Garten, um Birnen zu holen. Dort lebten neun Brüder des Draken, jeder mit drei Köpfen. Zuerst griffen drei davon Janni an, und die Hunde töteten sie wieder. Doch der Kampf mit den anderen sechs Draken dauerte lange genug, dass Janni durch den Lärm erwachte und die Draken erschlug. Nun sah er ein, dass er seinen Hunden unrecht getan hatte. Als nächstes befreite er alle Gefangenen der Draken, und darunter war eine Prinzessin. Diese wollte ihn zum Dank heiraten, doch er schlug es aus und sagte ihr stattdessen: "für das Gute, was ich dir erwiesen habe, sollst du zu Hause in deinem Schlosse alle Blinden und Lahmen aufnehmen, welche dorthin kommen". Sie versprach es und gab ihm zum Dank ihren Ring.

Als Janni wieder zurück im Schloss war, mussten der Drakos und die Schwester einen neuen Plan ersinnen. Später, als sie mit Janni am Feuer saß, fragte sie ihn, wo seine Kraft steckte. Er sagte: "in meinen zwei Fingern; wenn diese zusammengebunden werden, so schwindet meine ganze Kraft". Sie gab an, es ihm nicht zu glauben, und forderte einen Beweis. Da ließ er sich die Finger zusammenbinden und fiel sofort in Ohnmacht. Sogleich kam der Drache, riss Janni die Augen heraus und gab sie den Hunden zu fressen, bevor er ihn in einen trockenen Brunnen warf.

Als eine Gruppe Wanderer an dem Brunnen vorbeikam, hörten sie Jannis Stöhnen und zogen ihn heraus. Erst außerhalb des dunklen Brunnens merkte Janni, dass er blind war. Er bat die Reisenden, ihn ins Reich der Prinzessin zu führen. Dort angekommen erkannte die Prinzessin ihn erst, als er ihr den Ring zeigte. Dann ließ sie ihre besten Zauberer kommen um die Augen zu finden. Eine Zauberin wusste, was zu tun war. Sie ging ins Schloss des Draken, gab den Hunden etwas zu essen, damit sie die Augen ausspuckten, und setzte sie Janni wieder ein. Danach ging er zum Schloss, erschlug seine Schwester und den Drakos, und kehrte dann zurück, um die Prinzessin zu heiraten.

Hintergrund[]

Das Märchen wurde erstmals 1864 in Johann Georg von Hahns Sammlung griechischer und albanischer Märchen auf deutsch veröffentlicht. 1900 inkludierte Andrew Lang es in seinem Grey Fairy Book unter dem englischen Titel "Janni and the Draken"[1].

Von Hahn vergleicht das Märchen mit dem österreichischen Märchen Geschwind wie der Wind, Pack-an, Eisenfest, in dem die Hunde ebenfalls einen Drachen zerreissen und unverdientermaßen gescholten werden. Dies erinnert auch an Rostam, der im Schāhnāme wütend auf sein Pferd wird, da dieses ihn weckt um ihn vor einem Drachen zu warnen[2].

Ein sehr ähnliches Märchen ist Der Drachentödter aus der Bukowina. Auch in diesem Märchen verliebt sich die Schwester in einen Drachen und plant mit diesem unter Vorwand einer Krankheit, ihren Bruder zu töten, indem sie ihn auf gefährliche Missionen schickt. Hier hat der Bruder aber die Hilfe von drei verschiedenen Tieren, nämlich einem Hund, einem Bären und einem Wolf. Die erste Hälfte von Von den Räubern und der Prinzessin, die einem Drachen versprochen war aus Litauen sowie Florianu und Die beiden Geschwister und die drei Hunde aus Rumänien enthalten die gleichen Motive, die dem Märchentyp ATU 315 (Die treulose Schwester) zugeordnet werden.

Das Motiv der Drachenbrüder, die jeweils mehr Köpfe haben als der vorherige, kommt auch in den ungarischen Märchen Sebastian der Drachentöter und Shepherd Paul, dem Schweizer Märchen Der Drachentödter und dem russischen Märchen Sturmheld Iwan Kuhsohn vor. Das türkische Märchen Die vierzig Prinzen und der siebenköpfige Drache ist ähnlich, doch die Drachen werden nur größer.

Quellen[]

  • Janni und die Draken in Johann Georg von Hahn (1864), Griechische und Albanesische Märchen, Georg Müller (1918)

Einzelnachweise[]

  1. Janni and the Draken in Andrew Lang (1900), The Grey Fairy Book
  2. Anmerkungen: Janni und die Draken in Johann Georg von Hahn (1864), Griechische und Albanesische Märchen, Georg Müller (1918)
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