Drachen Wiki
Advertisement
Drachen Wiki


Twenty-sided-dice.png

Dieser Artikel beschreibt die indischen Drachen, die europäische, persische und chinesische Naturforscher beschreiben. Falls Sie nach Drachen der indischen Mythologie suchen, finden Sie diese/n unter Kategorie:Indische Mythologie.



Die Borgia-Karte zeigt einen Drachen in Asien, der laut Beschriftung einen Ochsen am Stück fressen kann.

Mittelalterliche Bestiarien aus Europa und dem Nahen Osten beschreiben in Indien verschiedene Drachenarten, die alle sehr zahlreich sein sollen.

Gemeinsame Merkmale[]

Allen Beschreibungen ist gemein, dass die indischen Drachen sehr groß sind und Elefanten töten. Aelian beschreibt zwei gefangende Drachen, von denen einer über 80, der andere sogar 140 Cubits lang sein soll, was ca. 37 bis 64 Metern entspricht[1]. Laut Plinius dem Älteren sollen die Indischen Drachen etwas größer sein als die Äthiopischen.

Plinius beschreibt auch, dass das Blut der Elefanten extrem kalt ist und dass die Drachen deswegen in heißen Sommern dieses Blut trinken, um sich zu kühlen, und dadurch sogar betrunken werden[2]. Allgemein soll der Drache immer danach streben, seine Hitze zu kühlen, Bartholomaeus Anglicus beschreibt z.B. dass die Drachen aus diesem Grund auch große Mengen Wasser trinken und sich im Fahrtwind von Schiffen bewegen, wobei sie durch ihre Größe dabei auch die Schiffe versenken, weshalb sie bei Seeleuten gefürchtet sind[3].

al-Qazwinis Drache

Vergleichbar ist auch ein vom persischen Autor Zakariya al-Qazwini beschriebener Drache (pers. اژدر‎, Azhdaha), der 5 bis 30 Ellen (ca. 2 - 13m) lang sein soll und in Indien lebt. Er kann Feuer speien, lebt aber im Wasser, um seine Temperatur auszugleichen[4].

Ibn-Sina zitiert Plinius, dass in Indien die größten Drachen leben. Der Biss der Männchen soll schlimmer sein als der der Weibchen[5].

Chinesische Quellen erzählen von den Pa-She (chin.: 巴蛇), riesigen Pythons, die in Indien leben und Elefanten fressen. Im Gegensatz zu den Drachen der europäischen Autoren gelingt es ihnen aber, da sie den Elefanten am Stück verschlingen können[6].

Drachenarten[]

Ein Drache umschlingt einen Elefanten

Viele Autoren beschreiben zwei Drachenarten in Indien, von denen eine in den Bergen und eine in den Sümpfen lebt. Der erste, der die verschiedenen Arten beschrieb, war Flavius Philostratos in seinem "Leben des Apollonius von Tyana"[7].

Die 30 cubits (ca. 14m) langen Sumpfdrachen sind faul und langsam und heben selten ihre Köpfe. Im Gegensatz zu den Bergdrachen sind sie schwarz und haben weniger Schupppen. Wie weibliche Drachen haben sie keinen Kamm auf dem Kopf. Philostratus erwähnt unter diesen Drachen den Drachen von Nemea, der aber oft mit einem Kamm beschrieben wird.

Die Bergdrachen sollen größer als die Sumpfdrachen sein und einen Hahnenkamm auf dem Kopf tragen, der bei Jungtieren noch klein ist, bei Erwachsenen aber sehr groß werden kann und wie Feuer leuchtet. Als ausgewachsene Tiere haben sie außerdem einen gezackten Rücken und sind leuchtend rot, während ihre Schuppen golden oder silbern glitzern. Am Kinn haben sie einen Bart, und ihre Augen sind feurige Drachensteine unter auffälligen Augenbrauen. Auch im Kopf der Drachen befinden sich bunte Steine. Sie bewegen sich schneller als die schnellsten Flüsse, wodurch ihnen keine Beute entkommen kann. Ihre Zähne sind so groß wie die Stoßzähne von Schweinen, aber sind schmäler und gedreht, außerdem so scharf wie Haizähne. Wenn man ihre Leber isst, lernt man die Sprache der Tiere[7].

Conrad Gessner gibt, aufgrund einer falschen Übersetzung von Philostratus, an, dass die Bergdrachen die Größe von Schweinen haben, aber schlanker sind[8][9].

Jagdmethoden[]

Die Inder sollen eine Möglichkeit gefunden haben, an die Drachensteine zu kommen. Sie benutzen Decken, die mit magischen Runen beschriftet sind. Diese legen sie vor die Drachenhöhlen, wodurch der Drache seinen Kopf herausstreckt. Sobald er den Kopf auf die Decke legt, schläfern sie ihn mit Zaubersprüchen ein. Dann können sie ihm den Kopf abschlagen und die Augen entfernen. Andere Jäger warten, bis ein Drache versucht, einen Elefanten zu töten. Wenn der Elefant umfällt erdrückt er den Drachen und stirbt dabei selbst. Dann können die Jäger Haut, Zähne und Drachensteine einsammeln.[7].

Anbetung[]

Aelian beschreibt, dass Alexander der Große in Indien auf einen 70 Ellen (ca. 31m) langen Drachen traf, der in einer Höhle von Menschen angebetet wurde. Die Inder flehten Alexander an, den Drachen nicht zu töten. Er erhörte ihre Bitte, dennoch versetzte der Drache die Männer des Königs mit seinem Fauchen in Angst und Schrecken. Seine Augen sollen die Größe makedonischer Schilde gehabt haben[1][10].

Laut Maximus Tyrius fütterten die Inder zur Zeit Alexanders einem Drachen, es ist nicht sicher ob es sich um den gleichen handelt, täglich mehrere Ochsen und Schafe. Für ein Tier, das sich normalerweise von Elefanten ernährt, scheint diese Menge angemessen[11].

Hintergrund[]

Ein Drache greift einen Elefanten an

Heute wird vermutet, dass diese Beschreibungen antiker Autoren auf stark übertriebenen Überlieferungen von Würgeschlangen basieren, da die Drachen in den Beschreibungen größer als andere Schlangen sein sollen und anstatt mit Gift durch Würgen töten sollen[10]. Als wahrscheinlichste Erklärung gelten die Pythons, wobei sich der afrikanische Felsenpython (Python sebae) und der indische Helle Tigerpython (P. molurus) sich sehr ähnlich sehen und von den antiken Autoren vermutlich verwechselt wurden[12]. In späteren Quellen werden die Beschreibungen stark ausgeschmückt, wodurch die Ähnlichkeit zu Riesenschlangen verloren geht.

Philostratus Bergdrachen basieren überwiegend auf den Seeschlangen, die in Vergils Aeneis Laokoon angreifen. Vergils Schlangen heben ihre Köpfe, schwimmen schnell durch das Meer (woraus bei Philostratus ein Fluss wird), haben rote Kämme und wie Feuer leuchtende Augen (was Philostratus als feurig leuchtende Kämme übersetzt) und ihre Körper sind gewunden (was Philostratus als gezackten Rücken wiedergibt). Die Augenbrauen basieren auf einer poetischen Beschreibung von Nikandros aus Kolophon, dass die Augen eines Drakon (bei Nikandros die Äskulapnatter) unter seinen Brauen hervorleuchten. Auch der Bart der Drachen basiert auf Nikandros Beschreibung des gelblichen Kinns der Äskulapnatter in Kombination mit Aelians Beschreibung von Pavianbärten, die laut ihm Drachenbärten gleichen sollen, möglicherweise auch basierend auf Nikandros[9].

1589 zitierte Conrad Gessner in seinem Schlangenbuch viele der Beschreibungen aus Philostratos Werk in seinem Schlangenbuch und machte sie so im Europa der Neuzeit bekannt. Bei früheren Autoren des Mittelalters werden Philostratus Drachen noch nicht erwähnt[9].

Aus Indien selbst gibt es keine Beschreibungen dieser Drachenarten, die dort vorherrschenden Schlangen- bzw. Drachenmythen beziehen sich auf Naga, Pakhangba und Makara. Vergleichbare Drachen zu denen der westlichen Mythen kamen vor allem im Mogulreich (1526 - 1858) vor, dessen Kunst starke persische Einflüsse zeigte. Außerdem gibt es Vermutungen, dass die Naga einen Einfluss auf die Beschreibungen der Drachensteine hatten.

In der Populärkultur[]

  • In John Topsells Drachen wird der Indische Drache als eine Rasse von Wyvern dargestellt, die bei Drachenzüchtern beliebt ist.
  • In der norwegischen Eiríks saga viðförla aus dem 14. Jahrhundert reist der Norweger Eirík, auf der Suche nach dem Land ohne Tod, Ódáinsakr, nach Indien, wo er an den Paradiesfluss gelangt. Über den Fluss führt eine Brücke, die von einem Drachen bewacht wird. Eirík lässt sich von dem Drachen verschlingen und gelangt durch dessen Rachen ins Paradies[13].

Quellen[]

  1. 1,0 1,1 Claudius Aelianus, Περὶ ζῴων ἰδιότητος
  2. Gaius Plinius Secundus Maior (77), Naturalis historia
  3. Bartholomaeus Anglicus (13. Jahrhundert), De proprietatibus rerum, Johann Koelhoff d. Ä. (1483), Digitalisat der Heinrich Heine Universität Düsseldorf
  4. Zakariya al-Qazwini (1203), ʿAjā'ib al-makhlūqāt wa gharā'ib al-mawjūdāt
  5. Abū Alī al-Husain ibn Abd Allāh ibn Sīnā (1025), القانون في الطب (al-Qānūn fī ’ṭ-Ṭibb)
  6. Oūyáng Xún (624), 藝文類聚, Übersetzung
  7. 7,0 7,1 7,2 Flavius Philostratos (220), Τὰ ἐς τὸν Τυανέα Ἀπολλώνιον, Englische Version: Life of Apollonius of Tyana
  8. Conrad Gessner (1589), Schlangenbuch, Froschauer
  9. 9,0 9,1 9,2 Philip J. Senter, Uta Mattox, Eid. E. Haddad (2016), Snake to Monster: Conrad Gessner's Schlangenbuch and the Evolution of the Dragon in the Literature of Natural History, Journal of Folklore Research, Vol. 53, No. 1-4, doi:10.2979/jfolkrese.53.1-4.67
  10. 10,0 10,1 Friedrich Tiedemann (1811), Anatomie und Naturgeschichte des Drachen
  11. Edward Topsell (1607), History of four-footed beasts and serpents
  12. Philip J. Senter (2013), Dinosaurs and pterosaurs in Greek and Roman art and literature? An investigation of young-earth creationist claims, Palaeontologia Electronica, https://doi.org/10.26879/403
  13. Peter Tunstall (Übersetzer, 2005), Eireks Saga Víðförla - The Tale of Eirek the Traveller (Originaltext + Englische Übersetzung)
Advertisement