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Illustration des ausgestellten Fossils, 1846

Illustration des ausgestellten Fossils, 1846

Hydrarchos harlani der Name, den der deutsche Fossiliensammler Albert Carl Koch einem von ihm 1845 im Apollo Saloon in New York ausgestellten Fossil einer Seeschlange gab[1][2]. Später fand man heraus, dass Hydrarchos aus den Skeletten mehrere Wale der Gattung Basilosaurus zusammengesetzt war[3].

Beschreibung[]

Werbe-Flyer für Kochs Ausstellung in New York, 1845

Werbe-Flyer für Kochs Ausstellung in New York, 1845

Der Name Hydrarchos bedeutet so viel wie "Meerkönig"[4]. Laut Koch wurde das 114 Fuß (ca. 35m) lange Skelett in Clarkesville, Alabama, ausgegraben. Koch schätzte, dass das lebende Tier fast 140 Fuß (42,67m) gemessen haben muss und bezeichnete als größtes aller bekannten Fossilien[1][2].

Koch merkte an, dass das Fossil, obwohl er es als Reptil identifiziert, wenig mit den damals bekannten Fossilien von Sauriern (Echsen) gemein hat. So erinnerte das Gebiss an Beuteltiere, aber auch an Schlangen. Er schloss daraus, dass das Tier seine Nahrung nicht kauen, sondern nur zerquetschen und am Stück schlucken konnte. An der Form des Gaumenbeins erkannte Koch bereits eine Ähnlichkeit zu Walen, verglich es aber auch mit dem von Plesiosauriern. Aus der Anatomie schloss Koch, dass Hydrarchos ein Raubtier oder Allesfresser war, und vermutete, dass die Tiere auch vor Kannibalismus nicht zurückschreckten[1][2].

Carus stellte später an den Nasenlächern ebenfalls starke Ähnlichkeiten zu Säugetier-Schädeln fest, hielt aber an Kochs Reptilien-Hypothese fest, da eine ähnliche Form der Nasenlöcher auch bei Schienenechsen und Leguanen vorkommt. Zudem merke Carus an anderer Stelle viele Ähnlichkeiten zu Krokodils-Schädeln an. Abschließend stellte er Hydrarchos zu den Enaliosauriern[4], einer damals geläufigen Sammelgruppe, die verschiedene Meeresreptilien wie Plesiosaurier, Ichthyosaurier etc. umfasste[5].

Illustration des ausgestellten Fossils, 1847

Illustration des ausgestellten Fossils, 1847

Koch beschrieb auch, wie das Tier mit seinem vergleichsweise kleinen Kopf und starken Hals Beutetiere wie Haie oder Saurier aus dem Wasser heben konnte, um sie zu töten. Zum Schwimmen verwendete das Tier laut ihm windende Bewegungen wie eine Schlange[1][2].

Geschichte[]

Als das Fossil im Apollo Saloon ausgestellt wurde, wurde es in einem Artikel des New York Dissector mit mythologischen Drachen wie Python und dem Leviathan verglichen. Der Vergleich mit Python war eine Anspielung auf dem Ausstellungsort, da der Gott Apollon (en.: Apollo) in der Mythologie der Mörder des besagten Drachen war. Dabei betitelte die Zeitung Kochs Seeschlange aber fälschlicherweise als Hydrarchon[1][2].

Veraltete Rekonstruktion von Basilosaurus, 2008

Veraltete Rekonstruktion von Basilosaurus, 2008

Mit seiner Identifikation des Tieres als Reptil, bei der er vom Chemiker Benjamin Silliman unterstützt wurde, forderte Koch Richard Owen heraus, einen der renommiertesten Paläontologen seiner Zeit. Owen hatte zuvor von Richard Harlan entdeckte und als Basilosaurus beschriebene Fossilien als Säugetier-Überreste identifiziert und deshalb in Zeuglodon umbenannt. Die von Koch als Hydrarchos beschriebenen Fossilien entstammten der selben Formation und wurden später ebenfalls als Basilosaurus-Knochen identifiziert[3].

Im Zuge der Ausstellung wurde das Fossil durch den Naturwissenschaftler Jeffries Wyman untersucht. Dieser kam zu dem Schluss, dass es sich nicht um ein Reptil, sondern um ein warmblütiges Säugetier handeln müsse. Als Grund für diese Schlussfolgerung gab Wyman vor allem die Zähne an, welche wie die von Säugetieren zwei Wurzeln hatten. Jedoch erkannte Wyman auch, dass die Wirbel des Fossils von unterschiedlichen Individuen stammen müssen. So kam Wyman zu dem Schluss, dass Kochs Hydrarchos zusammengesetzt war aus den Fossilien mehrerer Basilosaurus-Exemplare[6].

Nachdem die Presse zunächst begeistert über Kochs Ausstellung berichtet hatte, führte Wymans Kritik zu einigen Artikeln, die sich über Koch lustig machten und ihn als Scharlatan darstellten. Anstatt seinen Fehler zuzugeben, bestand Koch darauf, dass das Fossil von einem einzigen Tier stammte und am Stück gefunden wurde. Jedoch konnten immer mehr Zeugen gewonnen werden, die an den Ausgrabungen beteiligt waren und bestätigten, dass die einzelnen Knochen des Exemplars nicht zusammen gefunden wurden. Kochs Glaubwürdigkeit litt sehr unter diesen Enthüllungen, und er wurde öffentlich von bekannten Paläontologen wie Charles Lyell und Othniel Charles Marsh kritisiert[3].

Carus' Illustrationen der Zähne des Hydrarchos, 1847

Carus' Illustrationen der Zähne des Hydrarchos, 1847

Dennoch bereiste Koch mit seinem Skelett später auch Europa, wo er es in zunächst in Dresden ausstellte. Hier fand er in Carl Gustav Carus einen Verbündeten, der Kochs amerikanische Widersacher scharf kritisierte, Kochs Ausstellungsstück "mehr bezweifelt, als untersucht" zu haben. Später verkaufte Koch den Hydrarchos an König Friedrich Wilhelm IV. von Preussen, der ihn im Naturkundemuseum Berlin ausstellen und von Johannes Müller untersuchen ließ. Müller kritisierte zwar einige Fehler Kochs bei der Rekonstruktion, widersprach jedoch nicht dessen Identifikation des Exponats als Überreste eines einzigen Tieres[3].

Später kehrte Koch in die USA zurück, wo er ein weiteres Hydrarchos-Fossil ausgrub und zusammenstellte. Obwohl er erneut versuchte, dieses in Europa zu verkaufen, veräußerte er es schließlich an den amerikanischen Arzt Joseph Nash McDowell, der es in seinem Museum in St. Louis ausstellte. Dieser blieb Koch die Bezahlung aber schuldig und beschuldigte den Verkäufer stattdessen, das Fossil gefälscht zu haben. Diesmal fand er einen Verbündeten in Joseph Leidy, der ähnlich wie zuvor schon Carus und Müller darauf plädierte, dass Koch kein Wissenschaftler war und ihm deshalb Fehler in der Rekonstruktion zu verzeihen seien und das Fossil deshalb nicht als Fälschung anzusehen sei[3].

Quellen[]

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Albert C. Koch (1845), Description of the Hydrarchos Harlani: A Gigantic Fossil Reptile Lately Discovered by the Author, B. Owen
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 Albert C. Koch (1845), Kurze Beschreibung des Hydrarchos Harlani (Koch) eines riesenmässigen Meerungeheuers und dessen Entdeckung in Alabama in Nordamerika im Frühjahr 1845, C.C. Meinhold
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 Lukas Rieppel (2017), Albert Koch’s Hydrarchos Craze in Carin Berkowitz, Bernard Lightman (2017), Science Museums in Transition, University of Pittsburgh Press, S. 139-161, ISBN 978-0-8229-4475-1
  4. 4,0 4,1 Carl Gustav Carus (1847), Resultate geologischer, anatomischer und zoologischer Untersuchungen über das unter dem Namen Hydrarchos von Dr. A. C. Koch zuerst nach Europa gebrachte und in Dresden ausgestellte große fossile Skelett, Arnold, http://resolver.sub.uni-goettingen.de/purl?PPN517804395
  5. Enalĭosaurĭer in Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage (1905-1909), Band 5, (1906), S. 767
  6. Jeffries Wyman (1848), A Communication on the Subject of a Fossil Skeleton Recently Exhibited as that of a Sea Serpent, Proceedings of the Boston Society of Natural History, Vol. 2, S. 65-68