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Der Drache findet Lazarus am Brunnen, Holzstich von Henry Justice Ford

Herr Lazarus und die Draken ist ein griechisches Märchen aus Epirus.

Handlung

Das Märchen erzählt vom Schuhflicker Lazarus, der Honig liebte. Als er eines Tages bei der Arbeit Honig aß, sammelten sich so viele Fliegen darauf, dass er vierzig auf einen Schlag töten konnte. Daraufhin ließ er sich ein Schwert herstellen, auf dem stand "mit einem Schlage habe ich vierzig getötet". Voller Stolz ging er danach auf Wanderschaft und nahm das Schwert mit sich.

Als er am zweiten Tag an einem Brunnen einschlief, kam ein Drache (gr.: Δράκος, Drakos, in der deutschen Version von Johann Georg von Hahn als Drake übersetzt) an den Brunnen um Wasser zu holen. Er laß den Spruch auf dem Schwert und erzählte sofort den anderen Drachen davon. Beeindruckt rieten ihm diese, sich mit dem mächtigen Fremden zu verbünden. Der Drache weckte also Lazarus und bot ihm seine Freundschaft an.

Lazarus stimmte zu, und beide ließen sich offiziell von einem Popen als Brüder segnen. Danach blieb er bei den Drachen und nach einigen Tagen erzählten sie ihm von ihrem Brauch, der Reihe nach Wasser und Holz zu holen. Auch er müsse sich daran beteiligen. Als Lazarus an der Reihe war, hatte er schon große Mühe, den zweihundert Maas Wasser fassenden Schlauch leer zum Brunnen zu schleppen. Da er wusste, dass er ihn niemals voll tragen könne, grub er stattdessen rings um den Brunnen die Erde auf.

Als Lazarus nach langer Zeit noch nicht zurück war, schickten die Drachen einen der ihren los, um nach ihm zu sehen. Als er Lazarus Werk sah, sagte dieser "wir wollen uns nun nicht mehr tagtäglich mit Wasserholen plagen, ich will den ganzen Brunnen nach Hause bringen und uns so von dieser Last befreien." Doch der Drache befüchtete, dass sie so alle verdursten müssten, und befreite stattdessen lieber Lazarus von der Pflicht des Wasserholens.

Als Lazarus dann an die Reihe kam, Holz zu holen, sah er, dass die Drachen immer gleich einen ganzen Baum auf der Schulter trugen. Da er dies niemals hätte bewerkstelligen können, band er stattdessen ein Seil um alle Bäume des Waldes und blieb bis zum Abend im Wald. Wieder schickten die Drachen jemanden, um nach ihm zu sehen, und Lazarus prahlte, den ganzen Wald mitzunehmen, um die Arbeit mit einem Mal zu erledigen. Der Drache jedoch befürchtete wieder, dass sie so alle erfrieren müssten, und befreute Lazarus auch vom Holzholen.

Nach einiger Zeit waren die Drachen genervt von Lazarus, der nichts zur Gemeinschaft beitrug, und wollten ihn töten. Sie planten, dass nachts, wenn er schlief, jeder ihm einen Hieb mit dem Beil verpassen sollte. Lazarus hatte sie aber belauscht und legte darum abends einen Holzklotz an seinem Schlafplatz unter seinen Mantel und versteckte sich. Nachts kamen die Drachen und jeder hieb einmal mit dem Beil auf den Holzklotz, bis dieser in Stücke zerfiel. Zufrieden mit ihrer Arbeit gingen sie wieder schlafen.

Lazarus nahm den Klotz, warf ihn weg und legte sich schlafen. Zu Tagesanbruch begann er zu stöhnen, und die Drachen fragten ihn was los sei. Er jammerte, dass die Mücken ihn zerstochen hätten, und die Drachen waren entsetzt, da sie glaubten, die Axthiebe hätten ihm nicht mehr Schaden zugefügt als Mückenstiche. Sie beschlossen, dass sie ihn um jeden Preis loswerden mussten. So fragten sie ihn am nächsten Tag, ob er Frau und Kinder hatte, und boten ihm einen Sack voll Gold, wenn er diese besuchen würde. Lazarus willigte ein, verlangte jedoch, dass einer der Drachen mit ihm kam, um das Gold zu tragen.

Als sie an Lazarus Haus kamen, ließ dieser den Drachen vor der Tür warten, damit er noch seine Kinder anbinden könne, damit sie den Drachen nicht fressen. Im Haus fesselte er seine Kinder und sagte ihnen, dass sie, sobald sie den Drachen sehen, rufen sollen: "Drakenfleisch! Drakenfleisch!". Als der Drache hereinkam, taten die Kinder dies und der Drache ließ den Sack voll Gold fallen und floh.

Unterwegs traf er eine Füchsin und erzählte ihr von den blutrünstigen Kindern des Lazarus. Diese aber lachte ihn aus und erzählte, dass sie ihm bereits gestern eines seiner zwei Hühner gestohlen hatte und heute das zweite hohlen wollte, da Lazarus Familie harmlos sei und nichts dagegen tun könne. Der Drache solle sich an ihren Schwanz binden, dann würde er es selbst sehen. Er tat dies, und bei Lazarus Haus trafen sie diesen mit der Flinte vor der Tür. Er rief der Füchsin zu: "habe ich dir nicht gesagt, du sollst mir alle Draken bringen, und nun bringst du mir nur einen?"

Erschrocken floh der Drache erneut, doch die Füchsin war noch immer an ihn gebunden und wurde gegen die Steine geschlagen, bis sie starb. Lazarus jedoch baute sich mit dem Gold ein prächtiges Haus und lebte den Rest seines Lebens als reicher Mann.

Ähnlichkeiten zu anderen Sagen

Sagen, in denen ein Mensch sich gegenüber übernatürlichen Kreaturen als stärker ausgibt, als er ist, gibt es von Europa bis Indien in vielen Varianten. Der Anfang des Märchens, als Lazarus sich damit brüstet, 40 Fliegen auf einen Streich getötet zu haben, erinnert an die bekannteste Version im deutschsprachigen Raum, Das tapfere Schneiderlein, in dem es jedoch Riesen sind, die getäuscht werden.

Das Ende, bei dem der Drache vor den Kindern des Helden flieht, weißt Parallelen zu Der Rom und der Drache, einer Version aus Bukowina, auf.

Quellen

Herr Lazarus und die Draken in Johann Georg von Hahn (1864), Griechische und Albanesische Märchen, Forgotten Books, ISBN 978-0282096434

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