Drachen Wiki
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Haselwurm.jpg

Der Haselwurm (auch Weißer Wurm, Wurbl, Wurmb, Murbl, Paradeiswurm, Paradeisschlange oder Wurm der Erkenntnis[1]) ist eine seltsame Schlange, die oftmals mit dem Tatzelwurm verwechselt wird. Es heißt, der Haselwurm habe große Macht, er soll sogar mit der Schlange aus dem Paradies verwandt sein und wird deshalb teilweise als Draconopides dargestellt. Oft wurde der Name auf die Blindschleiche angewendet, eine Echse, die durch ihre Beinlosigkeit oft für eine Schlange gehalten wird.

Der Haselwurm wird auch als Krönleinschlange oder Schlangenkönig bezeichnet, wodurch Parallelen zum Basilisken nahe liegen.

Beschreibung[]

Er erscheint laut der Legende in Gestalt eines menschlichen Babys. Laut einer Anekdote aus Pastor Heinrich Eckstorms Chronicon Walkenredense (1617) ist der Haselwurm hingegen 5m lang und so dick, dass er mit einem umgefallenen Baum verwechselt wurde.

Sein Name kommt je nach Überlieferung daher, dass der Haselstrauch ihm Unterschlupf bietet[2], dass er sich von Haselblättern ernährt oder dass er mit einer Haselrute getötet werden kann. Laut Hansjörg Rabansers Hexenwahn: Schicksale und Hintergründe. Die Tiroler Hexenprozesse kann ein Haselwurm gefunden werden, indem man einen Bannkreis um einen Haselstrauch zieht und den Strauch ausgräbt, wobei man den Haselwurm ind er Grube findet[3].

Die Assoziation mit dem Haselstrauch soll daher kommen, dass dieser als Feenbaum angesehen wird[2].

Herkunft des Mythos[]

Bereits in den 1770ern vermutete August C. Kühn, dass es sich bei Haselwürmern um die Larven der Trauermücke, auch Heerwurm genannt, handelt. Diese Larven, vor allem die der Spezies Sciara militaris, wandern in langen Prozessionen, die aussehen wie eine einzige Schlange.

Fähigkeiten[]

Early woodcut of a winged hazelworm.jpg

Zu seinen Fähigkeiten zählen je nach Überlieferung, dass er die Sprachen der Pflanzen und Tiere spricht, die Zukunft sieht, unverwundbar ist, vor bösen Geistern schützt oder Menschen die Macht geben kann, sich unsichtbar zu machen oder durch verschlossene Türen zu gehen.

Eine weitere Legende besagt, dass derjenige, der die Macht des Haselwurms haben will, dessen Fleisch essen müsse. So würde man unsterblich und bleibe ewig jung und schön, außerdem würde man dann alle Sprachen verstehen können, auch die der Vögel oder der Blumen. Es soll auch die Fähigkeit, wertvolle Schätze zu finden, und das Wissen über die Kräfte und Eigenschaften sämtlicher Pflanzen der Erde geben, oder man erhält alle Fähigkeiten des Haselwurms.

Die Vorstellung, dass das Fleisch von Schlangen die Fähigkeit verleiht, die Sprache der Vögel oder anderer Tiere zu sprechen, ist in europäischen Mythen häufig. Einer der ersten, der darüber schrieb, war Plinius der Ältere im 1. Jahrhundert[4], möglicherweise basierend auf einem Text von Demokrit[5]. Eine der bekanntesten Versionen ist das Blut des Drachen Fafnir aus der Nibelungensage, welches demjenigen, der es trinkt, ebenfalls die Fähigkeit gab, die Sprache der Vögel zu verstehen[6].

Regionale Sagen[]

Eine Sage aus der Lausitz erzählt, dass einst an der Grenze zwischen Schlesien und der Oberlausitz ein Haselwurm gesichtet wurde. Dieser soll mehrere Ellen (1 Elle = 1,143 m) lang und grün-gelb gefärbt gewesen sein. Sein Kopfe erinnerte an eine Katze. Er soll den Sammlern von Pilzen und Haselnüssen im Wald nachgestellt haben, von zwei Frauen wurde sogar berichtet, dass er diese gefressen hat[2].

Karl Haupt assoziiert den Katzenkopf des Wurms mit einer Sage aus der Edda, in der der Gott Thor eine Katze heben soll. Dies gelingt ihm nicht, da es sich in Wahrheit um die Midgardschlange handelt[2]. Allgemein erinnert die Beschreibung aber mehr an den Tatzelwurm aus dem Alpenraum.

In Jenesien in Südtirol gibt es eine so genannte Haselwiese. Dort soll einst ein weißer Haselwurm gesichtet worden sein, der so dick war wie ein gewickeltes Kind und 2 Klafter lang. Als jemand zwei Ochsen an der Wiese vorbeitrieb, erzitterten diese vor dem Haselwurm und ließen sich nicht mehr wegbewegen, bis die Schlange sich in ein Loch zurückgezogen hatte[7].

Trivia[]

  • Die Blindschleiche (Anguis fragilis) wird umgangssprachlich auch Haselwurm genannt.

Quellen[]

Einzelnachweise[]

  1. Johann Nepomuk Ritter von Alpenburg (1861), Deutsche Alpensagen, HardPress Publishing (2019), ISBN 978-0371026274
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 Der Haselwurm in Karl Haupt (1862), Sagenbuch der Lausitz, Band 1, Verlag von Wilhelm Engelmann
  3. Hansjörg Rabanser (2018), Hexenwahn: Schicksale und Hintergründe. Die Tiroler Hexenprozesse, Haymon, ISBN 978-3852185095
  4. Gaius Plinius Secundus Maior (77), Naturalis historia
  5. Daniel Ogden (2013), Drakōn: Dragon Myth and Serpent Cult in the Greek and Roman Worlds, Oxford University Press, Print ISBN 9780199557325
  6. Völsunga saga (13. Jahrhundert)
  7. Der dicke Wurm in Johann Nepomuk von Alpenburg (1861), Deutsche Alpensagen
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