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Der Haselwurm (auch Weißer Wurm, Weiße Schlange, Wurbl, Wurmb, Murbl, Paradeiswurm, Paradeisschlange oder Wurm der Erkenntnis[3], in Altrei auch italienisch Milauro[4]) ist eine seltsame Schlange, die oftmals mit dem Tatzelwurm verwechselt wird. Es heißt, der Haselwurm habe große Macht, er soll sogar mit der Schlange aus dem Paradies verwandt sein[4][5] und wird deshalb teilweise als Draconopides dargestellt.

Der Haselwurm wird auch als Krönleinschlange oder Schlangenkönig bezeichnet, wodurch Parallelen zu Basilisken und Schießschlangen nahe liegen.

Beschreibung[]

Der Haselwurm wird meist als Schlange beschrieben, je nach Quelle ist er entweder sehr groß oder sehr klein. Manchmal hat er auch Beine oder den Kopf eines menschlichen Babys und weint auch wie ein solches. Sogar gewickelt soll er sein wie ein Kind, wie Sagen aus St. Georgen bei Bozen, dem Eisacktal und Ritten belegen. Eine Sage aus Latzfons erzählt, dass er sich in einen Vogel verwandeln kann[4]. In manchen Sagen hat er eine goldene Krone, die ihren Besitzer sehr reich machen kann[6].

Sein Name kommt je nach Überlieferung daher, dass der Haselstrauch ihm Unterschlupf bietet[7], dass er sich von Haselblättern ernährt oder dass er mit einer Haselrute getötet werden kann[8]. Laut Hansjörg Rabansers Hexenwahn: Schicksale und Hintergründe. Die Tiroler Hexenprozesse kann ein Haselwurm gefunden werden, indem man einen Bannkreis um einen mindestens 35 Jahre alten Haselstrauch zieht und den Strauch ausgräbt, wobei man den Haselwurm in der Grube findet[9][10]. Die Assoziation mit dem Haselstrauch soll daher kommen, dass dieser als Feenbaum angesehen wird[7] und Macht über Schlangen besitzt. So soll z.B. der heilige Patrick von Irland mit einem Haselstab die Schlangen von der Insel vertrieben haben, und im Schwarzwald wurde Kindern auf Reisen eine Haselrute gegeben, um sich vor Schlangen zu schützen[10]. Auch unter den Roma gibt es Sagen, laut denen Schlangen, die unter einem Haselstrauch ausgegraben werden, Reichtum bringen[11][12].

Nach manchen Quellen lebt der Haselwurm nicht freiwillig unter dem Haselstrauch, sondern wird von Gott dort festgehalten[4]. Manchmal wird auch die Alraune mit dem Haselwurm gleichgesetzt, da sie gerne unter Haselsträuchern wächst[13] und im Volksglauben als Hausgeist erscheint, der auch als Schlange beschrieben wird[14].

Fähigkeiten[]

Zu seinen Fähigkeiten zählen je nach Überlieferung, dass er die Sprachen der Pflanzen und Tiere spricht[15], die Zukunft sieht, unverwundbar ist, vor bösen Geistern schützt oder Menschen die Macht geben kann, sich unsichtbar zu machen oder durch verschlossene Türen zu gehen.

Eine weitere Legende besagt, dass derjenige, der die Macht des Haselwurms haben will, dessen Fleisch essen müsse. So würde man unsterblich und bleibe ewig jung und schön, außerdem würde man dann alle Sprachen verstehen können, auch die der Vögel oder der Blumen. Es soll auch die Fähigkeit, verborgene Schätze zu finden, und das Wissen über die Kräfte und Eigenschaften sämtlicher Pflanzen der Erde geben, oder man erhält alle Fähigkeiten des Haselwurms[4]. In Schweden sagt man einem weißen Lindorm, dem huitaorm, ebenfalls zu, dass sein Fleisch einen die Sprache der Vögel verstehen lässt[16].

Eine Handschrift aus Reith im Alpbachtal aus dem Jahr 1661 erklärt, wie man einen Haselwurm fangen kann. Gemäß diesem Text muss man an einem Freitag bei Vollmond vor Sonnenaufgang einen Haselstrauch mit einer Mistel daran ausgraben und dabei eine Beschwörung sprechen. Zuvor macht man drei Kreuzzeichen und zieht drei Kreise um den Strauch. Sobald man beim Graben auf den Haselwurm stößt, muss man ihn mit einem bestimmten Kraut namens "Artoimoissia" (vermutlich Artemisia) bestreuen und mit 13 Zauberworten zähmen[3].

Den so wehrlosen Haselwurm kann man nun häuten, seine Zunge in die abgezogene Haut stecken und alles in ein weißes Tuch binden. Dieses Bündel erlaubt es, unsichtbar zu werden und Schlösser durch den eigenen Atem zu öffnen, indem man es in der rechten Hand hält. Bewegt man es in die linke Hand, wird man wieder sichtbar. Das Fleisch hingegen soll man in einer Pfanne braten, es zu essen verleiht Kenntnis über Kräuter und Schätze, macht beliebt und reich und lässt einen böse Geister vertreiben oder kontrollieren[3]. Vergräbt man ein Stück Haut und drei Rippen eines Haselwurms auf einem Feld, sind die Feldfrüchte vor Hagel und Wildfraß geschützt[10].

Die Vorstellung, dass das Fleisch von Schlangen die Fähigkeit verleiht, die Sprache der Vögel oder anderer Tiere zu sprechen, ist in europäischen Mythen häufig. Einer der ersten, der darüber schrieb, war Plinius der Ältere im 1. Jahrhundert[17], möglicherweise basierend auf einem Text von Demokrit[18]. Eine der bekanntesten Versionen ist das Blut des Drachen Fafnir aus der Nibelungensage, welches demjenigen, der es trinkt, ebenfalls die Fähigkeit gab, die Sprache der Vögel zu verstehen[19]. Bei den Brüdern Grimm kommt es in dem Märchen Die weiße Schlange und in der Sage vom Seeburger See vor[20], und der Aarne-Thompson-Uther-Index klassifiziert es als ATU 673 (Die Weiße Schlange)[21]. In der Gesta Danorum ist es hingegen eine Schwarze Schlange, deren Speichel Weisheit verleiht[22].

Andere Sagen erzählen, dass ein lebender Haselwurm seinem Besitzer Wissen vermitteln kann. So soll Paracelsus einen Haselwurm besessen haben, der ihm zuflüsterte, welche Kräuter heilsam seien und welche giftig[23]. Diese Sagen erinnern an Hausgeister und Vertraute von Zauberern wie den Gluhschwanz, während in manchen Märchen, z.B. aus Aserbaidschan, die Schlange aus Dankbarkeit für ihre Rettung dem Helden die Sprache der Tiere beibringt[24]. Der griechische Seher Melampus erlange die Tiersprache und Seherfähigkeit, als Schlangen an seinen Ohren leckten.

Paracelsus und der Haselwurm[]

Einige Sagen erzählen vom berühmten Arzt Paracelsus, dass dieser einen Haselwurm besessen haben soll und daher sein großes Wissen und medzinisches Können stammte.

Gemäß einer Sage aus Salzburg hatte ein Bauer ihm den Wurm geschenkt, der so groß war wie ein Wickelkind und in allen Farben des Regenbogens schimmerte. Paracelsus erkannte ihn sofort als Haselwurm und ließ ihn von einem Diener zubereiten, gebot diesem aber, auf keinen Fall davon zu kosten. Während der Diener die Speise zubereitete ritt Paracelsus aus der Stadt, und in seiner Abwesenheit überkam den Diener das Verlangen, zu probieren. Er hielt sich lange zurück, doch irgendwann hielt er es nicht mehr aus und er probierte ein Stück. Sofort spürte er eine Veränderung und alles, was er wissen wollte, erschien sofort vor seinem Auge. So sah er auch Paracelsus, der Blumen neben einer Gruppe Linden pflückte[25].

Als Paracelsus wieder nach Hause kam, sah der Diener die Blumen und fragte ihn, ob er diese bei den Linden gepflückt hatte. Sofort verstand Paracelsus, was geschehen war, und erschlug vor Wut den Diener mit seinem Schwert. Danach aß er den Rest des Haselwurms und wurde so zu dem allwissenden Doktor, als der er seither bekannt ist[25]. Eine ähnliche Sage, ebenfalls aus Salzburg, erzählt, wie alle Pflanzen Paracelsus in Anwesenheit seines Dieners von ihrer Wirkung erzählen. Als der Diener über die Aussage einer der Blumen auflacht, erkennt Paracelsus, dass dieser insgeheim vom Haselwurm gegessen hatte und ebenfalls die Blumen verstand. Auch in dieser Version tötet Paracelsus den Diener im Zorn[26].

Andere Sagen erwähnen, dass Paracelsus im Besitz eines lebenden Tatzelwurms war, der ihm diente[23][27].

Regionale Sagen[]

Beim Kloster Ilfeld wurde in den späten 1560er Jahren drei Jahre lang regelmäßig ein Haselwurm gesehen, bevor zwei Hölzfäller aus Sachswerfen ihn töteten. Der Wurm war zwölf Fuß lang und hatte einen wolfsartigen Kopf[1].

Im Juli 1597 soll eine Frau aus Holbach im Harz Blaubeeren gesammelt haben und dabei einem gigantischen Haselwurm begegnet sein. Sie floh in das nahe Dorf Zorge, wo sie bei einem Holzfäller Unterschlupf fand. Acht Tage später begegnete der Holzfäller selbst dem Wurm, der quer über die Straße lag und so groß war, dass er ihn erst für einen umgefallenen Baum hielt. Die Kreatur war grün-gelb und hatte katzenartige Füße an ihrem schlangenartigem Körper[28][2]. Laut Georg Henning Behrens soll es in der Harzeburgischen Höhle viele Schlangen gegeben haben, darunter auch riesige Haselwürmer, zu denen der oben genannte gehörte[1].

Eine Sage aus der Lausitz erzählt, dass 1598 an der Grenze zwischen Schlesien und der Oberlausitz ein Haselwurm gesichtet wurde. Dieser soll mehrere Ellen (1 Elle = 1,143 m) lang und grün-gelb gefärbt gewesen sein. Sein Kopf erinnerte an eine Katze. Er soll den Sammlern von Pilzen und Haselnüssen im Wald nachgestellt haben, von zwei Frauen wurde sogar berichtet, dass er diese gefressen hat. Karl Haupt assoziiert den Katzenkopf des Wurms mit einer Sage aus der Edda, in der der Gott Thor eine Katze heben soll. Dies gelingt ihm nicht, da es sich in Wahrheit um die Midgardschlange handelt[7].

In Jenesien in Südtirol gibt es eine so genannte Haselwiese. Dort soll einst ein weißer Haselwurm gesichtet worden sein, der so dick war wie ein gewickeltes Kind und 2 Klafter lang. Als jemand zwei Ochsen an der Wiese vorbeitrieb, erzitterten diese vor dem Haselwurm und ließen sich nicht mehr wegbewegen, bis die Schlange sich in ein Loch zurückgezogen hatte[29].

Im 17. Jahrhundert soll es in einem Wald auf dem Wurmberg nahe Braunlage einen Brand gegeben haben, nach dem man das Skelett eines riesigen Haselwurms fand[30][31].

1951 soll in St. Georgen bei Bozen 1951 ein Haselwurm in Gestalt eines "Fatschkindes" gesehen worden sein[4].

Laut einer Sage lebten in Pommern einst zwei Lindwürmer, die man auch "Hasselwürmer" nannte.

Ähnliche Fabelwesen[]

Der Weiße Wurm[]

Kammüller Zauberer Stollenwürmer

Der Zauberer und die Stollenwürmer, Paul Kammüller, 1910

Die Sage vom weißen Wurm, der oft als Haselwurm identifiziert wird[16], existiert in verschiedenen Varianten im Alpenraum. Allen gemein ist, dass ein Fremder den Menschen anbietet, sie von einer Schlangenplage zu befreien, sofern darunter kein Weißer Wurm sei. Die Menschen lügen ihn darüber an und er lockt die Schlangen in ein Feuer, jedoch wird der Schlangenbanner in den meisten Versionen letztendlich selbst von einem Weißen Wurm getötet[32]. Auch in Dänemark ist das Motiv bekannt, hier darf kein Lindorm unter den Schlangen oder Ratten sein[33].

Die Sage übernimmt viele Motive aus frühchristlichen Heiligensagen. So ist der Drache als Anführer eines Schlangenschwarms bereits in den Philippusakten belegt und kommt auch bei der Sage über den Graoully vor. Das Verbrennen der Schlangen auf dem Scheiterhaufen erinnert an Hilarion von Gaza. Der Schlangen beschwörende Zauberer erinnert an den Zauberer aus Lukians Philopseudes[18]. Selten ist der Schlangenbanner in Alpensagen noch ein Geistlicher[34]. Der dänische Folklorist Mads Lidegaard vermutet, dass die Sagen, in denen sowohl der Lindorm als auch der Schlangenbanner/Rattenfänger sterben, ein Echo des Kampfes zwischen Thor und Jörmungandr sind, die ebenfalls im Kampf gegeneinander beide sterben (siehe Drachentöter)[35].

Weitere Motive, die die Sage mit anderen teilt, sind die Krone auf dem Kopf der Schlange, die an Schlangenkönige und Krönleinschlangen erinnert, sowie die Wiege, in der der Erlöser des Fluches gewiegt wird, die auch in den Sagen vom Drachen am Heiligen Berg und dem Schatz auf dem Hohenbogen vorkommt. Auch an den Rattenfänger von Hameln erinnert die Sage, da es sich auch hier um einen Fremden handelt, der auf magische Weise Ungeziefer vertreibt und von den Anwohnern hintergangen wird. Dass die weißen Würmer manchmal auf das Herz des Zauberers zuspringen, um ihn zu töten[36][37][38], erinnert an die Sagen von Schießschlangen und dem Jaculus.

Beispiele[]

Oberhalb Grasstein soll es Ende des 18. Jahrhunderts extrem viele Schlangen (Würmer) gegeben haben, die die Milchschüsseln der Leute leertranken. Eines Tages kam ein Theologe aus Brixen und versprach, die Schlangen zu vernichten, sofern unter ihnen kein Weißer Wurm sei, da dieser ihn umbringen würde. Obwohl manche Leute schon weiße Schlangen gesehen hatten, sagten alle, dass es solche nicht gäbe. Deshalb ließ er einen Scheiterhaufen erreichten und zündete diesen an. Sofort kamen von überall her Schlangen und krochen ins Feuer, wo sie verbrannten. Plötzlich kam unter Brüllen ein Weißer Wurm an und der Theologe wusste, dass er dem Tode geweiht war[39].

Er bat die Menschen, an der Stelle des Scheiterhaufens eine Zirbelkiefer zu pflanzen und aus dem Holz eine Wiege zu bauen. Der Junge, der darin schläft, müsse Priester werden, und wenn dieser seine erste Messe gelesen hatte, würde der Theologe erlöst sein. Nachdem er den Leuten dies gesagt hatte, sprang er selbst ins Feuer. Danach gab es viel weniger Schlangen. Die Sage wurde 1850 von Ignaz Zingerle niedergeschrieben, und zu dieser Zeit soll der Baum fast die nötige Dicke gehabt haben, um ihn zu fällen und die Wiege zu bauen[39].

Eine andere Variante erzählt, dass es in den Bilanderer Almen früher viele Schlangen gab, die so dick wie ein Arm waren. Mit ihren Bissen töteten sie Menschen und Vieh. Eines Tages kam ein Mann, der anbot zu helfen. Er fragte, wie die Würmer aussehen, und die Menschen beschrieben sie als schwarz und armesdick. Er Sprach "Wenn kein weißer darunter ist, will ich mit ihnen schon fertig werden". Ein Kind sagte aber, es hätte schonmal einen weißen Wurm gesehen, und sofort nahm der Mann sein Hilfsangebot zurück. Erst nach langem Flehen und Betteln der Leute stimmte er wieder zu[39].

Er entzündete ein großes Feuer, in das er Kräuter warf, und stellte sich auf einen Stein, von wo aus er Zaubersprüche sprach. Da kamen von allen Seiten Schlangen und verbrannten im Feuer. Doch bald hörte er einen hohen Pfiff, und der Weiße Wurm, ein Haselwurm, kam an und sprang selbst ins Feuer, wo er verbrannte[39].

Eine dritte Version aus dem Eisacktal erzählt, dass die Mittewalder Alm voller Schlangen war, die so dick und lang wie Baumstämme waren. Jeder der auf die Alm kam wurde sofort gefressen, und man hörte von der Alm das Pfeifen der Kreaturen. Eines Tages kam ein fremdes Männlein daher und bot für viel Geld an, das Gewürm auszurotten, sofern keine weiße Schlange darunter sei. Nachdem niemand eine solche gesehen haben wollte, ließ der Mann einen Scheiterhaufen aufrichten und anzünden. Dann begann er mit einer Beschwörung, und die Schlangen sprangen pfeifend in das Feuer. Doch plötzlich hörte man ein Zischen, das sich vom Pfeifen der anderen Schlangen unterschied. Ein riesiger weißer Wurm kam daher, schlang sich um das Männlein und stürzte sich mit ihm in die Flammen[40].

Auf der Saaser Alp im Prättigau soll es einst so viele Schlangen gegeben haben, dass sie den ganzen Boden bedeckten. Sie bissen Menschen und Vieh, stahlen Milch, Käse und Brot und machten die Kühe krank, so dass sie Blut statt Milch gaben. Eines Tages kam ein fremder Landfahrer ins Dorf und bot an, den Menschen zu helfen, wenn sie ihm versprachen, alles zu tun was er befahl und ihm beizustehen, wenn eine weisse Schlange auftauchte. Er ließ einen Scheiterhaufen aufrichten, umgeben von drei kreisförmigen Steinmauern. Auf den Haufen legte er Kräuter und Wurzeln und zündete es an, während er ein unverständliches Sprüchlein murmelte. Dann spielte er auf seiner silbernen Pfeife eine fremdartige Melodie und ging dabei um das Feuer. Schon kamen von überall her Schlangen an und stürzten sich in die Flammen, wo sie sofort verbrannten[41].

Doch plötzlich kamen drei armdicke Schlangen, eine davon eine weiße Viper mit goldenen Mustern und einer Goldkrone auf dem Kopf, die anderen beiden kupferfarbene Ottern mit roten Flecken. Die Menschen flohen vor Angst, doch der Fremde befahl, die Schlangenkönigin zu töten. Da nahm ein Kuhhirte seinen Mut zusammen und spießte die Viper mit seiner Mistgabel an einen Baum, bevor er sie köpfte, während andere mit Knüppeln die roten Schlangen totschlugen. Danach nahm sich der Fremde die Krone der Schlange und sprach: "So, ihr guten Leute, das ist mein Lohn, und ihr habt auf eurer Alp fortan Frieden vor dem Gewürm." Tatsächlich sah man nie wieder Schlangen auf der Alm, und an der Stelle des Scheiterhaufens wuchs nie mehr ein Grashalm[41]. Auch in den Sagen des Mühlviertels sind die roten Schlangen die gefährlicheren, hier geht der Schlangenbanner meist an ihnen zugrunde[42].

Eine Version aus dem südtiroler Ultental erzählt von einem Schlangenbanner, der das Feuer extra breit gemacht hatte, so dass der weiße Wurm nicht darüber springen konnte. Als die Schlange dies trotzdem versuchte, zerplatzte sie in der Hitze und der Zauberer trug reichen Lohn und die wertvolle Krone des Wurmes davon[43]. In einer Version vom Klausenpass hält der Schlangenbanner sich für verloren, kann sich aber zunächst retten, indem er sein Schwert vor sein Herz hält und der Weiße Wurm sich daran aufspießt, als sie auf ihn zuschießt. Jedoch wird er dabei mit giftigen Schlangenblut benetzt und starb daran[36]. Dies erinnert an Sagen von Basilisken und an die Sage von Heinrich von Winkelried, welche ebenfalls nach ihrer Drachentötung am giftigen Blut des Tieres sterben.

In der Sage "Der Schlangenfänger", gesammelt von den Brüdern Grimm, ist nur von einer "großen, alten Schlange" die Rede, die den Zauberer umschlingt und ihn in die Grube zieht, in die er die Schlangen verbannt[44].

Eine Version aus dem dänischen Ikast erzählt dass am Lindebjerg, einem Hügel nördlich der Stadt, einst ein Lindorm und viele Kreuzottern lebten. Als ein Schlangenjäger die Kreuzottern verbrennen wollte, wurde er vom Lindorm angegriffen und getötet, doch der Wurm kam selbst im Feuer um. Jedoch überlebte sein Junges[45][46].

Eine weitere Sage an einem "Lindbjerg" stammt von einer Halbinsel in der Lovns Bredning Bucht. Hier wollte der weise Mann, der seine Hilfe anbot, die genaue Anzahl der Lindormar erfahren. Ihm wurde mitgeteilt, dass es genau neun Lindormar gibt, und er machte ein Feuer und schickte die neun Schlangen hinein. Doch als ein zehnter Lindorm erschien, musste er selbst ins Feuer steigen, um die Schlange hineinzulocken, und beide starben[47][48].

Auf Bogø gab es einst eine Menge Ratten, und ein wandernder Rattenfänger bot den Menschen an, sie zu befreien. Er machte einen Scheiterhaufen, doch bevor er ihn entzündete, versichert er sich, dass es keinen Lindorm auf der Insel gab, da dieser sein Untergang wäre. Als ihm dies versichert wurde, lockte er die Ratten ins Feuer, wo sie starben. Doch bald erschien ein großer Lindorm und der Rattenfänger floh nach Falster, wohin der Lindorm ihm folgte. Der Fluss Fribrodre Å erhielt seine kurvige Form, da sich der Lindorm auf der Jagd nach dem Rattenfänger schlängelnd bewegte[49][50].

In Herringe gibt es eine Sage über zwei Linden. Hier nimmt ein weiser Mann den Leuten das Versprechen ab, dass es keine Lindormar im Ort gibt, bevor er alles Ungeziefer ins Feuer lockt. Doch unter den Linden taucht ein Lindorm auf und jagt den Mann ins Feuer[51][52].

Heerwürmer und Wurmdrachen[]

Manchmal wird der Haselwurm auch mit dem Heerwurm oder Wurmdrachen in Verbindung gebracht[2]. Die älteste Erwähnung dieser Kreatur stammt aus Kaspar Schwenckfelds "Theriotropheum Silesiae" von 1603[53]. Der norwegische Historiker Jonas Ramus und der dänische historiker Erik Pontoppidan der Jüngere bezeichneten diese Kreatur als Orme-Drag[54][55], was viele deutsche Autoren später als "Wurmdrache" übersetzten, aber möglicherweise eher "Wurm-Zug" bedeuten sollte[56][57].

Bereits in den 1770ern vermutete August C. Kühn, dass es sich bei Heerwürmern um die Larven der Trauermücken handelt. Diese Larven wandern in langen Prozessionen, die aussehen wie eine einzige Schlange[58][59][60][61].

Cottonmouth[]

In Nordamerika gibt es den Glauben, dass so genannte "Cottonmouth"-Schlangen mit weißem Maul die gefährlichsten aller moccasins sind. Cottonmouth bedeutet so viel wie Baumwoll-Mund, da die Innenseite des Mundes dieser Schlangen leuchtend weiß sein soll. Tatsächlich basiert dieser Glaube darauf, dass die giftige Wassermokassinotter, im englischen water moccassin oder auch cottonmouth, leicht mit der harmlosen Siegelring-Schwimmnatter (en. common watersnake) verwechselt werden kann, im Gegensatz zu dieser aber eine sehr helle Innenseite des Mauls hat[62]. Ob die Assoziation von weiß gefärbten Schlangen aus der europäischen Folklore stammt oder auf den realen Unterschieden der beiden Schlangenarten basiert, ist nicht bekannt.

In der Populärkultur[]

  • In Georg Rollenhagens Froschmeuseler (1595) wird der Haselwurm wie ein Aal beschrieben, aber mit spitzem Schnabel, Hecht-Zähen, giftiger, gespaltener Zunge. Sein Rücken ist schwarz, sein Bauch gelblich-bleich[63].

Trivia[]

  • Die Blindschleiche (Anguis fragilis) wird umgangssprachlich auch Haselwurm genannt[64][65]. Auf niederländisch heißt sie noch immer Hazelworm.
  • Die Schlingnatter (Coronella austriaca) wird umgangssprachlich auch Haselnatter genannt. Sie besitzt einen kronenförmigen Fleck, was auf einen Zusammenhang mit dem Haselwurm hindeuten könnte[66]. Auf Schwedisch heißt sie hasselsnok, Haselschlange.

Einzelnachweise[]

  1. 1,0 1,1 1,2 Georg Henning Behrens (1703), Hercynia Curiosa oder Curiöser Hartz-Wald, Neuenhahn, S. 62
  2. 2,0 2,1 2,2 F. T. (1905), Der Haselwurm (Vermis colurnus), Forstwissenschaftliches Centralblatt, Vol. 27, S. 533-535, https://doi.org/10.1007/BF01875346
  3. 3,0 3,1 3,2 Über den Haselwurm in Johann Nepomuk Ritter von Alpenburg (1861), Deutsche Alpensagen, W. Braumüller, S. 373
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 4,5 Der Haselwurm in Hans Fink (1969), Verzaubertes Land - Volkskunst und Almenbrauch in Südtirol, Tyrolia
  5. Leander Petzoldt (2003), Kleines Lexikon der Dämonen und Elementargeister, C.H. Beck, ISBN 978-3406494512
  6. Der Barbianer Schmied in Ignaz Vinzenz Zingerle (1850), Sagen aus Tirol, Wagner (1891), S. 431, urn:nbn:at:at-ubi:2-12418
  7. 7,0 7,1 7,2 Der Haselwurm in Karl Haupt (1862), Sagenbuch der Lausitz, Band 1, Verlag von Wilhelm Engelmann, S. 75
  8. 1306. Schlange und Haselzwick in Josef Müller (1945), Sagen aus Uri, Bände 1-3, G. Krebs, S. 189-190
  9. Hansjörg Rabanser (2018), Hexenwahn: Schicksale und Hintergründe. Die Tiroler Hexenprozesse, Haymon, ISBN 978-3852185095
  10. 10,0 10,1 10,2 Ritter K. Von Perger (1864), Deutsche Pflanzensagen, Schaber, S. 248
  11. Heinrich von Wlislocki (1893), Aus dem Volksleben der Magyaren, Huttler, S. 87-89
  12. Theodore Besterman (1926), The Folklore of Dowsing, Folklore, Vol. 37, Issue 2, S. 113-133, https://doi.org/10.1080/0015587X.1926.9718353
  13. Jules Quicherat (1849), Prosés de Condamnation et de Réhabilitation de Jeanne d’Arc, Renouard, S. 213
  14. Alfred Schlosser (1912), Die Sage vom Galgenmännlein im Volksglauben und in der Literatur, Theissingsche Buchhandlung, S. 78, https://doi.org/10.11588/diglit.68376
  15. Die Sprache der Vögel und der Blumen in Rudolf von Freisauff (1880), Salzburger Volkssagen, Bd.1, Hartleben
  16. 16,0 16,1 Otto Henne am Rhyn (1879), Die deutsche Volkssage im Verhältnis zu den Mythen aller Zeiten und Völker, Hartleben, S. 113
  17. Gaius Plinius Secundus Maior (77), Naturalis historia
  18. 18,0 18,1 Daniel Ogden (2013), Drakōn: Dragon Myth and Serpent Cult in the Greek and Roman Worlds, Oxford University Press, Print ISBN 9780199557325
  19. Völsunga saga (13. Jahrhundert)
  20. Anmerkungen zu den einzelnen Märchen in Jacob und Wilhelm Grimm (1856), Kinder- und Hausmärchen, Band 3, 3. Auflage, Dieterich
  21. Stith Thompson (1977), The Folktale University of California Press, S. 181, ISBN 0-520-03537-2
  22. Paul Herrmann (1901), Erläuterungen zu den ersten neun Büchern der Dänischen Geschichte des Saxo Grammaticus, Erster Teil, Wilhelm Engelmann, S. 172-173
  23. 23,0 23,1 Doktor Teophrastus Paracelsus in Ignaz Vinzen Zingerle (1850), Sagen aus Tirol, Wagner (1891), urn:nbn:at:at-ubi:2-12418
  24. H. Achmed Schmiede (1975), Die versteinerte Stadt. Aserbaidshanische Märchen, Volk und Welt (1984), S. 53-66
  25. 25,0 25,1 Doktor Theophrastus und der Haselwurm in Rudolf von Freisauff (1880), Salzburger Volkssagen, Band 1, S. 270, Hartleben
  26. Dr. Moriz Kronfeld (1888), Bemerkungen über volksthümliche Pflanzennamen, Österreichische Botanische Zeitschrift, Vol. 38, No. 11, S. 376-379, https://www.jstor.org/stable/43335028
  27. Doctor Theophrasts Tod in Johann Nepomuk Ritter von Alpenburg (1857), Mythen und Sagen Tirols, Meyer & Zeller, S. 308
  28. Heinrich Eckstorm (1617), Chronicon Walkenredense, S. 289-291
  29. Der dicke Wurm in Johann Nepomuk Ritter von Alpenburg (1861), Deutsche Alpensagen, W. Braumüller, S. 271
  30. Matthäus Merian der Ältere, Martin Zeiller (1654), Topographia und Eigentliche Beschreibung Der Vornembsten Stäte, Schlösser auch anderer Plätze und Örter in denen Hertzogthümer[n] Braunschweig und Lüneburg, und denen dazu gehörende[n] Grafschafften Herrschafften und Landen, Merian, S. 29
  31. Johann Christoph Stübner (1790), Denkwürdigkeiten des Fürstenthums Blankenburg und des demselben inkorporirten Stiftsamts Walkenried, 2. Teil, Carl Samuel Struck, S. 127
  32. Dr. Karl Meusburger (1928), Etwas vom Tazzelwurm, Der Schlern, Nr. 190, S. 18-190, Archiviert am 02.06.2002
  33. Mads Lidegaard (2020), Danske høje fra sagn og tro, Lindhardt og Ringhof, S. 95, ISBN 9788726296389
  34. 1291. Von einem Wurm getötet in Josef Müller (1945), Sagen aus Uri, Bände 1-3, G. Krebs, S. 180-181
  35. Mads Lidegaard (1999), Danske søer og vandløb fra sagn og tro, Ringhof Forlag (2020), S. 188-190, ISBN 9788726296396
  36. 36,0 36,1 1290. Der fahrende Schüler und der Schlangenkönig in Josef Müller (1945), Sagen aus Uri, Bände 1-3, G. Krebs, S. 179-180
  37. 1292. Die weisse Schlange in Josef Müller (1945), Sagen aus Uri, Bände 1-3, G. Krebs, S. 181
  38. 1293. Die weisse Schlange und das Laubblatt in Josef Müller (1945), Sagen aus Uri, Bände 1-3, G. Krebs, S. 181
  39. 39,0 39,1 39,2 39,3 Der Weiße Wurm in Ignaz Vinzen Zingerle (1850), Sagen aus Tirol, Wagner (1891), S. 181-182, urn:nbn:at:at-ubi:2-12418
  40. Der Weiße Wurm in Johann Adolf Heyl (1897), Volkssagen, Bräuche und Meinungen aus Tirol, Verlag des katholischen Pressevereins, urn:nbn:at:at-ubi:2-12476
  41. 41,0 41,1 Der Schlangenbanner in Curt Englert-Faye (1980), Alpensagen und Sennengeschichten aus der Schweiz, Zbinden Verlag, ISBN 978-3859893924
  42. 6. Von Ungeheuern, Drachen und wilden Tieren. 2. Von Stutzen, Nattern und vom Natternbannen in Dr. Albert Depiny (1932), Oberösterreichisches Sagenbuch, R. Pirngruber, S. 56-58
  43. Weißer Wurm platzt in Johann Nepomuk Ritter von Alpenburg (1861), Deutsche Alpensagen, W. Braumüller, S. 265
  44. Der Schlangenfänger in Jacob und Wilhelm Grimm (1816), Deutsche Sagen, Band 1, 1. Auflage, Nicolai, S. 334-335
  45. Evald Tang Kristensen (1928-1939), Danske sagn som de har lydt i folkemunde, Bind II, 92. Gr 286
  46. Mads Lidegaard (2020), Danske høje fra sagn og tro, Lindhardt og Ringhof, S. 343, ISBN 9788726296389
  47. Evald Tang Kristensen (1928-1939), Danske sagn som de har lydt i folkemunde, Bind II, 102
  48. Mads Lidegaard (2020), Danske høje fra sagn og tro, Lindhardt og Ringhof, S. 289, ISBN 9788726296389
  49. Just Mathias Thiele (1818-1823), Danske Folkesagn, Vol. 2, S. 231
  50. Mads Lidegaard (1999), Danske søer og vandløb fra sagn og tro, Ringhof Forlag (2020), S. 168, ISBN 9788726296396
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