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Grand'Goule

Holzskulptur des Grand'Goule von Jean Gagot (1677)

Der Grand'Goule (französisch für Großer Ghul) ist ein Drache aus Poitou in Frankreich.

SageBearbeiten

Der Sage nach lebte der Drache im 6. Jahrhundert im Clain, von wo aus er in die labyrinthartigen Höhlen gelangte, die den Boden Poitous durchziehen. Durch diese konnte er in die Abtei Sainte-Croix eindringen und alle Nonnen verschlingen, die sich in den Keller wagten.

Die heilige Radegundis wollte den Drachen töten, wozu sie ihm mit einem kleinen Kreuz gegenübertrat und es mit Weihwasser besprühte. Als sie noch ein Gebet sprach, verendete der Grand'Goule qualvoll.

Eine andere Sage erzählt, dass nicht Radegundis den Drachen tötete, sondern ein zum Tode verurteilter Mann. Diesem war im Austausch die Begnadigung versprochen worden. Davon gibt es jedoch viele weitere Varianten, die den Zeitpunkt der Geschichte entweder im 6. Jahrhundert oder viel später verorten. Auch überlebt der Gefangene in einigen Versionen[1], während er in anderen starb, da die Glasmaske, die er zum Schutz vor dem Gift-Atem des Drachen trug, zerbrach[2].

GeschichteBearbeiten

Im Jahr 1677 bestellte die Äbtissin von Sainte-Croix beim Künstler Jean Gagot ein Bildnis des Drachen, das dann beim Umzug am 13. August (Tag der heiligen Radegundis) durch die Straßen getragen wurde. Dabei bewarfen Kinder den Drachen mit kleinen Küchlein und rufen dabei "Boune sainte vermine, priez pour nous!" (dt. Heiliges Ungeziefer, bete für uns).

Der Schotte Sir John Lauder, der von 1665 bis 1666 in Poitiers lebte, berichtet in seinem Reisetagebuch ebenfalls von der Legende. Dabei wird der Ghul aber als Krokodil beschrieben, das ausgestopft im Palast des Grafen von Poitou zu sehen ist. Er erzählt auch, dass es sich nicht um das einzige ausgestopfte Krokodil Frankreichs handelt. Auch in Oiron gibt es ein solches zu sehen, das im 16. Jahrhundert von Admiral Bonnivet dorthin gebracht wurde.

Robert Mineau vermutet, dass das Krokodil sich schon seit einiger Zeit in Poitiers befand und die verschiedenen Sagen später darum gewoben wurden[3].

Heute befindet sich das Holzbildnis des Drachen im Musée Sainte-Croix. Dessen Logo ist außerdem die Silhouette des Drachen. Auch das Sportstadion Stade poitevin trägt einen Drachen im Logo. Daneben sind auch ein beliebter Nachtclub in Poitiers den Namen La Grand Goule.

QuellenBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Jouyneau-Desloges (1810), Mémoires de l'Académie celtique, Band V
  2. La Liborlière (1789), Vieux souvenirs de Poitiers d'avant
  3. Robert Mineau, L. Racinoux (2000), La Vienne légendaire et mythologique, Edition Brochée, ISBN 978-2-90217-075-3



   

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