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The Phillip Medhurst Picture Torah 569. The Israelites bitten by fiery serpents. Numbers cap 21 vv 6-9

Die Israeliten werden von den feurigen Schlangen gebissen, 17. Jahrhundert

Die Feurigen Schlangen (hebr.: שָׂרָף מְעוֹפֵף‎ sārāf mə‘ōfēf) sind Kreaturen, die mehrfach in der Bibel erwähnt wurden. Die Bezeichnung "feurig" kommt wohl von dem tödlichen Gift der Schlangen, welches den Gebissenen brennende Schmerzen bereitet. Sie könnte aber auch auf die Fähigkeit der Schlangen, Feuer zu speien, hinweisen.

Namensherkunft[]

Der Begriff "feurige Schlange" (hebräisch: שָׂרָף; bedeutet auch: "giftig", "feurig", "Seraph" oder "Seraphim") beschreibt in der Tora giftige Schlangen, deren Gift bei Kontakt brennt[1][2]. Das hebräische Wort für "giftig" bedeutet wörtlich "feurig", "flammend" oder "brennend" und bezieht sich auf das brennende Gefühl, das ein Schlangenbiss hervorruft, eine Metapher für den feurigen Zorn Gottes.

Vermutlich bezieht sich die Bezeichnung also auf gewöhnliche Giftschlangen, während sämtliche phantastischen Merkmale wie Flugfähigkeit oder eine Beziehung zum Feuer auf Übersetzungsfehlern basiert.

Erwähnungen[]

Duke-Sussex-Pentateuch

Illustration zum Buch Numeri im Duke of Sussex Pentateuch, ca. 1425

Im Buch Jesaja wurden die feurigen Schlangen als flugfähig bezeichnet:

"Freue dich nicht, ganz Philisterland, dass der Stock, der dich schlug, zerbrochen ist! Denn aus der Wurzel der Schlange wird eine giftige Natter kommen, und ihre Frucht wird eine fliegende Schlange sein."
Jesaja 14:29
"Dies ist die Last für die Tiere des Südlandes: Im Lande der Trübsal und Angst, wo Löwin und brüllender Löwe, wo Ottern und fliegende Schlangen sind, da führen sie ihre Habe auf dem Rücken von Eseln und ihre Schätze auf dem Höcker von Kamelen zu dem Volk, das ihnen nichts nützen kann."
Jesaja 30:6

An einer früheren Stelle im Buch Jesaja bezeichnet das Wort Seraph sechsflügelige Engel, die Jesaja in einer Vision erscheinen.

"In dem Jahr, als der König Usija starb, sah ich den Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Thron und sein Saum füllte den Tempel. Serafim standen über ihm; ein jeder hatte sechs Flügel: Mit zweien deckten sie ihr Antlitz, mit zweien deckten sie ihre Füße und mit zweien flogen sie. Und einer rief zum andern und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der HERR Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll! Und die Schwellen bebten von der Stimme ihres Rufens und das Haus ward voll Rauch."
Jesaja 6:2

Im Buch Mose wird die Bezeichnung ebenfalls verwendet, jedoch ohne die Erwähnung von Flugfähigkeit:

"und dich geleitet hat durch die große und furchtbare Wüste, wo feurige Schlangen und Skorpione und lauter Dürre und kein Wasser war, und ließ dir Wasser aus dem harten Felsen hervorgehen"
5. Mose 8:15
"6 Da sandte der HERR feurige Schlangen unter das Volk; die bissen das Volk, dass viele aus Israel starben. 7 Da kamen sie zu Mose und sprachen: Wir haben gesündigt, dass wir wider den HERRN und wider dich geredet haben. Bitte den HERRN, dass er die Schlangen von uns nehme. Und Mose bat für das Volk. 8 Da sprach der HERR zu Mose: Mache dir eine eherne Schlange und richte sie an einer Stange hoch auf. Wer gebissen ist und sieht sie an, der soll leben. 9 Da machte Mose eine eherne Schlange und richtete sie hoch auf. Und wenn jemanden eine Schlange biss, so sah er die eherne Schlange an und blieb leben."
4. Mose 21:6-9

Hintergrund[]

Vermutlich handelt es sich auch um die übertriebene Beschreibung normaler Giftschlangen wie z.B. der Sandrasselottern (Echis). Dies würde sich mit anderen Texten des nahöstlichen Kulturraums decken, so wird z.B. der Rachen einer Giftschlange in einem akkadischen Zauberspruch mit Feuer verglichen[3]. Dies wird auch dadurch bestätigt, dass im Buch Numeri 21:6–9 die Wörter sārāph und nāḥāsh (häbr.: שָׁחָנ, Schlange) gleichgesetzt werden[4].

Möglicherweise sind die Beschreibungen der Seraphim inspiriert vom ägyptischen Uräus-Symbol, welches häufig als geflügelte Kobra dargestellt wird. Dieses Symbol wurde auch in diversen archäologischen Stätten in Palästina gefunden, wovon einige aus der Zeit Jesajas (8. Jahrhundert v. Chr.[5]) stammten[6]. In Ägypten war die Uräusschlange ein Symbol für Königswürde, was sich auch in ihrer Verwendung im Palast von König Ahab in Samaria in Palästina wiederspiegelt[7]. Entsprechend werden die Seraphim auch im Buch Jesaja mit dem Thron gottes assoziiert[1].

Eherne Schlange[]

Zum Schutz vor den Schlangen stellte Mose eine Eherne Schlange (hebr. נחשתן Neḥuschtan), d.h. eine Schlangenstatue aus Kupfererz auf einem Pfahl auf. Nach christlicher Auffassung stellt diese Jesus da, der ebenfalls aufgehängt wurde (in seinem Fall an einem hölzernen Kreuz), um die Menschheit von ihren Sünden (die durch die Feurigen Schlangen symbolisiert werden) zu heilen[8]. Im 2. Buch der Könige wird die Schlange von König Hiskija zerstört, nachdem die Menschen sie als Götzen angebetet haben[9].

Auch die Chalkydri (altgr.: χαλκύδραι, khalkýdrai) aus dem apokryphen Buch Enoch wurden oft mit der Ehernen Schlange identifiziert und könnten eine griechische Übersetzung davon sein. Ihr Name setzt sich aus den griechischen Wörtern khalkós (altgr.: χαλκός) für Bronze oder Kupfer und hýdra (altgr.: ὕδρα) für Wasserschlangen zusammen[10]. Sie werden als regenbogenfarbene Kreaturen beschrieben, mit dem Kopf eines Krokodils, den Beinen eines Löwen und zwölf Flügeln und stellen eine Art von Engeln dar[11].

Kryptozoologie[]

Der Kreationist Jonathan Whitcomb vermutet, dass die fliegenden, feurigen Schlangen der Bibel in Wahrheit überlebende Pterosaurier der Unterordnung Rhamphorhynchoidea waren. Hätten diese ihre Flügel am Boden zusammengefaltet, könnte der Eindruck von Schlangen entstehen. In Neuguinea wird ein ähnlicher Kryptid, der Ropen, vermutet. Laut Whitcomb soll es sich um ein mythologischen Wesen der Mythologie von Papua-Neuguinea bzw. ein reales Tier, auf dem der Mythos basiert, handeln[12].

Jedoch ist der Ropen ein Konstrukt Whitcombs, welcher, unter verschiedenen Pseudonymen, die einzige Quelle für Informationen darüber ist[13][14][15]. Die Beschreibungen des Ropen selbst wiedersprechen außerdem neueren Erkenntnissen über Pterosaurier und dem von Whitcomb beschriebenen Lebensstil des Tieres.

Alternativ wurden die feurigen Schlangen entweder als eine Plage von Giftschlangen oder als eine Epidemie des Medinawurmes interpretiert[16].

Trivia[]

  • In der englischen Bibelübersetzung wurden sowohl die geflügelten, als auch die scheinbar ungeflügelten Exemplare als "Serpents (Schlangen)" bezeichnet. In der deutschen Übersetzung hingegen wurden die Geflügelten als "Drachen", die ungeflügelten als "Schlangen" bezeichnet.
  • In der Vulgata werden die Schlangen in Jesaja 30 als regulus volans übersetzt. Regulus bedeutet "Kleiner König" und ist auch der lateinische Name des Basilisken, während "volans" so viel wie "fliegend" bedeutet. Dies hat dazu geführt, dass Basilisken manchmal geflügelt dargestellt wurden[17].
  • Als "Feurige Schlange" wird auch ein Wesen aus der slawischen Mythologie bezeichnet.
  • Edward Topsell hielt die Prester, eine Variante der Aspis mit extrem heißem Atem, für identisch mit den Feurigen Schlangen. Aldrovandi hingegen setzt die Prester mit der Dipsa gleich[18]. Topsell setzte jedoch auch die Cafezati und Alteratati mit den Feurigen Schlangen gleich[19].
  • Kreationisten setzen die fliegenden Schlangen gerne mit den Geflügelten Schlangen gleich, welche Herodot beschrieb, und beschreiben auch diese als pterosaurierartig.
  • Im Videospiel Bayonetta kommen schlangenartige Engel namens Inspired vor, die auf den Seraphim oder Feuerschlangen basieren könnten.

Siehe auch[]

Quellen[]

  1. 1,0 1,1 Karen Randolph Joines (1967), Winged Serpents in Isaish's Inaugural Vision, Journal of Biblical Literature Vol. 86, No. 4, S. 410-415, https://doi.org/10.2307/3262795, https://www.jstor.org/stable/3262795
  2. שָׂרָף, Blue Letter Bible
  3. Benjamin R. Foster (2005), Beyond the Muses: An Anthology of Akkadian Literature, Pennsylvania State University Press, ISBN 978-1883053765
  4. Philip J. Senter (2019), Biblical unicorns and fiery flying serpents: Not dinosaurs and not pterosaurs, International Journal of Orthodox Theology 10:2
  5. Ulrich Berges, Willem A.M. Beuken (2016), Das Buch Jesaja: Eine Einführung, Vandenhoeck & Ruprecht, ISBN 3-8252-4647-7, S. 10f
  6. Adolf Reifenberg (1950), Ancient Hebrew Seals, East and West Library, fig. 4
  7. John Winter Crowfoot, Grace M. Crowfoot (1938), Early Ivories from Samaria, Palestine Exploration Fund, pl. I:1.
  8. Numeri 21,6–9
  9. 2. Könige 18,4
  10. F.I. Andersen (1983), (Old Bulgarian Apocalypse of) Enoch, a new Translation and Introduction in ed. James Charlesworth The Old Testament Pseudepigrapha, Vol 1. S. 94. ISBN 0-385-09630-5
  11. Rutherford H. Platt, Jr. (1926), The Forgotten Books of Eden, Jazzybee Verlag (2012), ISBN 9783849621858
  12. Jonathan Whitcomb (2010), The Bible and modern Pterosaurs: New view on the “fiery flying serpent”
  13. Jonathan Whitcomb (2014), Who is Norman Huntington?, Live Pterosaur, Archiviert am 28. November 2014
  14. PZ Myers (2014), There are no living pterosaurs, and “ropen” is a stupid fantasy, Freethought Blogs
  15. Donald Prothero (2014), Fake Pterosaurs and Sock Puppets, Skeptic
  16. Ross G. Murison (1905), The Serpent in the Old Testament, Journal of Near Eastern Studies, Vol. 21, Nr. 2, https://doi.org/10.1086/369534, https://www.jstor.org/stable/527699
  17. Hole Rößler (2013), Ira Dei ex machina Athanasius Kirchers „Drachen“ als boundary objects frühneuzeitlicher Wissensfelder in Tina Asmussen, Lucas Burkart, Hole Rößler (2013), Theatrum Kircherianum: Wissenskulturen und Bücherwelten im 17. Jahrhundert, Harrassowitz Verlag, ISBN 978-3447100069
  18. Prester, A Book of Creatures (2016)
  19. Edward Topsell (1658), History of four-footed beasts and serpents
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