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Dragonbane Drache Kopf

Der Kopf des namensgebenden Drachen

Dragonbane war ein internationales LARP-Projekt, das vom 27. Juli bis 04. August 2006 in Älvdalen in Schweden veranstaltet wurde. Die Besonderheit von Dragonbane war ein lebensgroßer, animatronischer Drache, der eine zentrale Rolle in der Handlung spielte. Insgesamt nahmen 325 Spieler aus verschiedenen Ländern teil[1].

HintergrundBearbeiten

Dragonbane war ein ungewöhnlich großes LARP-Projekt mit einem Budget von fast einer Million Euro. Dazu wurden diverse Sponsoren hinzugerufen, darunter auch der große Computerhersteller Hewlett Packard.

Das Ziel des Projektes war totale Immersion der Spieler, weshalb es auch keinen Out-of-Charakter-Bereich gab. Das Dorf Cinderhill und der Drache wurden eigens für das Projekt gebaut.

Handlung und SettingBearbeiten

Dragonbane Drache Baby

Darstellung der Hintergrundgeschichte des Drachen

Das Setting des LARPs war das Dorf Cinderhill in der Welt Valenor, die von Mike Pohjola für sein Rollenspiel Myrskyn Aika entworfen wurde. Cinderhill steht unter dem Schutz eines Drachen, was dem Dorf eine unvergleichliche Macht gibt[2].

Es gibt drei Kulturen in Dragonbane. In Cinderhill leben die Dorfbewohner, die unter dem Schutz des Drachen stehen. Ihre Kultur dreht sich um die Anbetung des Drachen, z.B. durch Drachentänze und Gesänge. Im Gegenzug werden einige Bewohner von Cinderhill mit den magischen Kräften des Drachen geboren[3].

Jenseits des Dorfes leben die Hexen, die von der Gesellschaft geächtet sind und sich darum vom Dorf fernhalten. Die Dragontamers (dt. Drachenbändiger) sind Drachentöter, die wenige Tage vor der Haupthandlung einen der beiden Drachengötter von Cinderhill, den Bronzedrachen, töten konnten[4].

Während andere LARPs oft mit einer Schlacht enden, ist hier die Schlacht zwischen den Drachenbändigern und dem Bronzedrachen der Beginn der Handlung. Im Laufe des Spiels galt es nun, eine weitere Schlacht zu vermeiden und die Drachenbändiger von der Gutartigkeit des überlebenden Drachen zu überzeugen, während die Drachenbändiger der Überzeugung waren, die Dorfbewohner auch noch vor diesem Drachen retten zu müssen[5].

Der DracheBearbeiten

Dragonbane ciruelodragon02

Ciruelos Drache Xadel als Vorbild für den Drachen von Dragonbane

Der Namensgeber des Spiels war ein 26m langer animatronischer Drache. Sein Design basiert auf dem Gemälde Aryssa and Xadel von Ciruelo Cabral[6][7]. Dabei handelt es sich um einen roten Westlichen Drachen, weshalb er Red genannt wurde[8]. Die Bewohner von Cinderhill nennen ihn auch Red Divinity (dt. Rote Göttlichkeit)[3].

Dragonbane Drache innen

Modell der inneren Struktur des Drachen

Hergestellt wurde der Drache von einem Team aus Freiwilligen an verschiedenen Orten in Loimaa und Turku in Finnland. Die Grundstruktur war eine Ponsse S15 Forstmaschine, deren Kabine und Kran entfernt wurden[8]. Ursprünglich war eine andere Maschine geplant, jedoch entschied sich deren Hersteller, das Gerät nicht zur Verfügung zu stellen. Der Drache war jedoch so konzipiert, dass das genaue Grundmodell nicht relevant war[9].

Die Kabine der Ponsse S15 wurde durch einen selbstgebauten Rahmen ersetzt, in dem ein Fahrer und ein Schauspieler Platz hatten. Während der Fahrer den Drachen bewegt, war der Schauspieler für die Bewegung der Gliedmaßen und den Dialog mit den Spielern zuständig. Die beweglichen Beine sollten die Reifen der Maschine verdecken[9].

Die äußerste Haut bestand aus bemaltem Latex. Am Rücken des Drachen befand sich ein Paar funktionsunfähiger Flügel. Außerdem wurde ein Flammenwerfer gebaut, der Sägespäne verwendete, damit das Feuer leicht zu löschen war. Letztendlich wurde dieser aber nicht im Spiel verwendet. Auch eine von der Navy geliehene Rauchmaschine für die Todesszene des Drachen kam aufgrund einer Waldbrandmeldung nie zum Einsatz[9][10] Neben Feuer konnte der Drache auch Gift speien, das durch orangen Rauch simuliert wurde. Dieses konnte Spieler-Charaktere innerhalb kurzer Zeit töten[11].

Vorne am Drachen befanden sich Mikrophone, mit deren Hilfe der Schauspieler im Inneren des Drachen hören konnte, was Charaktere zum Drachen sagten. Außerdem befanden sich am ganzen Körper 14 Kameras, mit denen der Fahrer sehen konnte, wer wie mit dem Drachen interagiert und ob er verletzt wird. Außerdem wurde damit vermieden, dass Spieler überfahren werden[8].

Der Drache wurde ursprünglich weiblich konzipiert, jedoch entschied man sich letztendlich für einen geschlechtslosen Drachen. Dies vereinfachte das Finden einer passenden Stimme für den Drachen, die letztendlich eine Mischung aus männlicher und weiblicher Stimme und einem echsenartigen Zischen wurde[12]. Außerdem sollte mit dem geschlechtslosen Drachen verhindert werden, dass entweder Frauen oder Männer als bevorzugt angesehen werden[13].

Im Vorfeld seines Auftritts am letzten Tag der Veranstaltung wurde der Drache jedoch beschädigt. Beim Transport wurde der Hals beschädigt, später platzte ein hydraulischer Schlauch. Deshalb wurde den Spielern noch während des Spiels mitgeteilt, dass sie aus Sicherheitsgründen den Drachen nicht physikalisch angreifen durfen[8].

Dragonbane Team

Nach diversen technischen Problemen vor und während des Transports konnte der Drache in letzter Minute angeliefert und zum Einsatz gebracht werden[14]. Leider fehlten dabei die Flügel, außerdem war der Hals unbeweglich und stand in einem unnatürlichen Winkel vom Körper ab. Auch die Augen waren nicht wie angekündigt beweglich[15]. Eine Spielerin gab an, dass die technischen Probleme dazu führen, dass es schwer war, sich den Drachen real vorzustellen. Erst die Todes-Szene, in der der Drache in das Licht der Pyrotechnik getaucht war, machte ihn in der Vorstellung der Spieler zu einem realen, lebenden Wesen[16].

QuellenBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Johanna Koljonen (2008), The Dragon Was the Least of It: Dragonbane and Larp as Emphemera and Ruin in Markus Montola, Jaakko Stenros, Playground Worlds, Ropecon ry, ISBN 978-952-92-3579-7
  2. Johanna Koljonen, Tiina Kuustie, Tiinaliisa Multamäki (2008), Dragonbane - the Legacy, Dragon Dawn, ISBN 978-952-67100-0-6, Seite 16
  3. 3,0 3,1 Dragonbane: Cinderhillians, archivierte Version vom 7. Juli 2010
  4. Johanna Koljonen, Tiina Kuustie, Tiinaliisa Multamäki (2008), Dragonbane - the Legacy, Dragon Dawn, ISBN 978-952-67100-0-6, Seite 17
  5. Johanna Koljonen, Tiina Kuustie, Tiinaliisa Multamäki (2008), Dragonbane - the Legacy, Dragon Dawn, ISBN 978-952-67100-0-6, Seite 18
  6. Ciruelo Gallery, ARYSSA and XADEL, 35a
  7. Johanna Koljonen, Tiina Kuustie, Tiinaliisa Multamäki (2008), Dragonbane - the Legacy, Dragon Dawn, ISBN 978-952-67100-0-6, Seite 107
  8. 8,0 8,1 8,2 8,3 Johanna Koljonen, Tiina Kuustie, Tiinaliisa Multamäki (2008), Dragonbane - the Legacy, Dragon Dawn, ISBN 978-952-67100-0-6, Seite 111
  9. 9,0 9,1 9,2 Johanna Koljonen, Tiina Kuustie, Tiinaliisa Multamäki (2008), Dragonbane - the Legacy, Dragon Dawn, ISBN 978-952-67100-0-6, Seite 113
  10. Johanna Koljonen, Tiina Kuustie, Tiinaliisa Multamäki (2008), Dragonbane - the Legacy, Dragon Dawn, ISBN 978-952-67100-0-6, Seite 122
  11. Dragonbane: Dragon - Rules, archiviert am 7. Juli 2010
  12. Johanna Koljonen, Tiina Kuustie, Tiinaliisa Multamäki (2008), Dragonbane - the Legacy, Dragon Dawn, ISBN 978-952-67100-0-6, Seite 97
  13. Dragonbane: Gender
  14. Johanna Koljonen, Tiina Kuustie, Tiinaliisa Multamäki (2008), Dragonbane - the Legacy, Dragon Dawn, ISBN 978-952-67100-0-6, Seite 119
  15. Johanna Koljonen, Tiina Kuustie, Tiinaliisa Multamäki (2008), Dragonbane - the Legacy, Dragon Dawn, ISBN 978-952-67100-0-6, Seite 120
  16. Johanna Koljonen, Tiina Kuustie, Tiinaliisa Multamäki (2008), Dragonbane - the Legacy, Dragon Dawn, ISBN 978-952-67100-0-6, Seite 121
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