Drachen Wiki
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Dieser Artikel beschreibt Drachentöter im Allgemeinen. Falls Sie nach dem Film "Der Drachentöter" suchen, finden Sie diese/n unter Der Drachentöter.



St. Georg ist vermutlich der bekannteste Drachentöter

Ein Drachentöter ist eine fast ausschließlich männliche Heldengestalt, der es gelingt, einen mythischen Drachen zu besiegen; sie steht für großen Mut und die Überwindung des Bösen. Drachentöter finden sich in Mythen, Sagen, Legenden und Märchen vieler Kulturen, außerdem in moderneren Genres wie Fantasy und Rollenspiel. Das Motiv des Drachentöters hat seinen Ursprung im Chaoskampf-Mythos.

Rolle eines Drachentöters[]

Gemäß den Erzählungen befreit ein Drachentöter zumeist durch seine Tat die Menschen aus der Umgebung vor Überfällen und Verwüstungen durch den feuerspeienden Drachen oder aus einer langanhaltenden Dürre.

Manchmal rettet ein Drachentöter (Jung-)Frauen aus der Gefangenschaft in der Drachenhöhle oder gewinnt Zugang zu einem Schatz, der vom Drachen verwahrt und bewacht wurde. Laut germanischen Sagen oder am bekanntesten im Nibelungenlied ist der Schatz des Drachen verflucht. So bringt der erbeutete Drachenschatz dem Drachentöter Siegfried Unglück.

In den Sagen um Siegfried oder Sigurd wird der Held unverwundbar, in dem er in Drachenblut badet. Jedoch bleibt eine kleine verborgene verwundbare Stelle übrig, die schicksalsentscheidend wird (angelehnt an die Achillesverse der griechischen Mythologie oder den Mistelzweig in der nordischen Mythologie)

In einigen Märchen tötet der Drachentöter den Drachen und erhält einen Beweis dafür, z.B. eine herausgeschnittene Zunge des Drachen (z.B. Tristan und Isolde oder Georgic und Merlin) oder ein Schmuckstück der Prinzessin (z.B. Der Drachentödter (Jecklin)). Später gibt sich ein anderer, meist mit dem Kopf des Drachen, als Drachentöter aus, doch der echte Drachentöter kann mithilfe des erhaltenen Gegenstandes beweisen, dass der andere ein Betrüger ist.

Methoden[]

Während viele Drachentöter den Drachen schlicht mit Waffengewalt, meist mit einem Schwert oder Speer, töten, gibt es auch einige widerkehrende Motive anderer Methoden. Viele Drachen werden z.B. getötet oder zumindest geschwächt, indem man ihnen etwas ungenießbares zu fressen gibt, z.B. Ätzkalk. Entweder stirbt der Drache direkt daran, oder er wird so sehr geschwächt, dass der Drachentöter ihn ohne Gegenwehr mit einer Waffe töten kann. Beispiele sind Bel und der Drache, Rostam oder der Drache von Brno.

Ein anderes häufiges Motiv ist die Stachelrüstung. Hier trägt der Ritter eine mit Stacheln bewehrte Rüstung oder versteckt sich in einer stacheligen Kiste. Wenn der Drache den Ritter bzw. die Kiste dann umschlingt oder verschluckt verletzt er sich selbst an den Stacheln und verblutet. Das älteste Beispiel dafür ist der Drache von Thespeia, später kommt u.a. es im Schāhnāme und in den britischen Sagen vom Lambton Worm,und dem Drachen von Mordiford vor.

In manchen Sagen wird der Drache von einem Heiligen nicht getötet, sondern mithilfe christlicher Symbole gezähmt bzw. kampfunfähig gemacht und stirbt daraufhin anderweitig, meist wird er durch Dorfbewohner getötet. Beispiele dafür sind der Drache von Atessa, der Drache, den Marcellus von Paris tötete, oder der Drache des Heiligen Beatus. Manche Heilige wie Samson von Dol vertreiben den Drachen auch nur, so dass er überlebt[1]. Auch im Judentum kommt dieses Motiv vor, so besiegte Rabbi Acha aus Lydda einen Drachen, indem er betete und mit jeder Verbeugung dem Drachen einer seiner sieben Köpfe abfiel[2].

Drachentöterinnen[]

Es gibt selten weibliche Drachentöter, doch die Heilige Margareta von Antiochia ist als Drachentöterin bekannt. Martha von Bethanien gelang es den Drachen Tarasque zu zähmen, aber der Drache wird von den Dorfbewohnern getötet. Auch eine Variante der Sage des Drachen vom Dračí vrch gibt ein Mädchen als Drachentöterin an.

In der modernen Populärkultur werden Drachentöterinnen häufiger, Beispiele sind Die Prinzessin in der Tüte oder die Jungfrauen aus Wilde Reise durch die Nacht. Dennoch bilden sie im Vergleich zu männlichen Drachentötern noch immer eine Ausnahme.

Nicht menschliche Drachentöter[]

Während in klassischen Chaoskampf-Mythen die Drachen oft von Göttern getötet werden, sind in späteren Sagen fast immer menschliche Helden für das Töten des Drachen verantwortlich. Jedoch gibt es wenige Ausnahmen zu dieser Regel.

Manche Sagen im Alpenraum erzählen von Riesen, die einen Drachen töten, gegen den Menschen nicht ankommen. Beispiele sind der Riese von Guflina aus Liechtenstein oder die tiroler Riesen Haymon und Grimm. Andere Sagen erzählen von Venedigermännlein, bei denen es nicht immer ganz klar ist, ob es sich um Menschen handelt oder um Feenwesen oder Zwerge. In modernen Fantasy-Werken, in denen spätestens seit J.R.R. Tolkien Elfen, Zwerge und ähnliche Völker häufig Protagonisten sind, ist es häufig, dass diese auch Drachen töten.

Andere Sagen erzählen hingegen, wie ein Stier speziell aufgezogen wird, um den Drachen zu töten. In diesen Sagen, zu denen der Lindwurm aus den Grabser Alpen, der Lindwurm von Ecklak und der Drache von Rohrdorf zählen, stirbt das Rind meist zusammen mit dem Drachen.

Bekannte Drachentöter (Auswahl)[]

Mythen und Sagen[]

  • Marduk besiegt den Chaos-Drachen Tiamat in der babylonischen Mythologie
  • Zeus, Apollon (Python), Herakles (Hydra), Kadmos, Iason und Perseus (Keto) in der griechischen Mythologie
  • Prinz Gozu und Susanoo in der japanischen Mythologie
  • Vahagn in der armenischen Mythologie
  • Bayajidda in der Hausa-Mythologie
  • Erzengel Michael im Alten Testament des Christentums und Judentums
  • Sigurd (Siegfried) und Thor in der germanischen Mythologie
  • Perun in der slawischen Mythologie
  • Dietrich von Bern in den deutschen Heldensagen
  • Beowulf in der altenglischen Literatur
  • Lancelot, Tristan und Wigalois in verschiedenen Ausprägungen der Artus-Sage
  • St. Georg als bekanntester Vertreter der christlichen Heiligen in der Gattung Legende
  • Krak besiegt den Wawel-Drachen und gründet im polnischen Volksglauben die Stadt Krakau

Populärkultur[]

  • Der Rotkreuzritter aus Edmund Spencers The Faerie Queene (1590)
  • Die vier Brüder aus dem Märchen Die vier kunstreichen Brüder aus Grimms Märchen (1819)
  • Phosphorus in der Novelle Der goldne Topf von E. T. A. Hoffman (1819)
  • Bard der Bogenschütze im Fantasyroman Der Hobbit von J. R. R. Tolkien (1937)
  • Prinz Philipp im Disney-Zeichentrickfilm Dornröschen (Sleeping Beauty) (1959)
  • Jack im Fantasyabenteuerfilm Der Herrscher von Cornwall (Jack the Giant Killer) (1962)
  • Prinz Bajaja im tschechoslowakischen Märchenfilm Prinz Bajaja (1971)
  • Zauberer Ulrich im Fantasyfilm Der Drachentöter (Dragonslayer) (1981)
  • Sir Claude aus der Folge Rupert und der Drachenritter der Serie Rupert, der Bär ist ein Drachentöter, freundet sich aber letztendlich mit dem Drachen Gladwin an. (1991)
  • Ritter Bowen im Fantasyfilm Dragonheart (1996)
  • Carl der Gnom in der Science-Fiction-Fantasyserie Special Unit 2 – Die Monsterjäger (2001-2002)
  • Denton Van Zan im Science-Fiction-Actionfilm Die Herrschaft des Feuers (Reign of Fire) (2002)
  • Justin im Fantasyroman Jing-wei und der letzte Drache von Sherryl Jordon (2002)
  • Der Jäger Silas in Dragon Storm – Die Drachenjäger (2004)
  • Drachentöterin Silena in Die Mächte des Feuers von Markus Heitz (2006)
  • Ahab im Fantasyabenteuerfilm Age of the Dragons (2011)
  • David/Prinz Charming in der Fantasyserie Once Upon a Time – Es war einmal … (2011-2018)
  • Philipp vom Rabenfels im Fantasyroman Philipp vom Rabenfels von Michaela Ude (2015)
  • Magnus Chase und Alex Fierro in Magnus Chase von Rick Riordan (2015-2017)

Trivia[]

  • Im französischen höfischen Roman Erec et Enide bekämpft der Protagonist, anders als in vielen anderen Höfischen Romanen, keinen Drachen. Als das Werk in die altnordische Sprache (Erex saga) übersetzt wurde, fügte der Übersetzer einen Drachenkampf ein. Dies zeigt, wie wichtig der Drachenkampf in der Vorstellung des Hochmittelalters war[3][4].

Quellen[]

  1. Thomas Honegger (2009), Draco litterarius: Some Thoughts on an Imaginary Beast in Sabine Obermaier (2009), Tiere und Fabelwesen im Mittelalter, de Gruyter, https://doi.org/10.1515/9783110213591, ISBN 978-3110201376
  2. Kidduschin 29b
  3. Foster W. Blaisdell, Jr., Marianne E. Kalinke (1977), Erex Saga and Ivens Saga: The Old Norse Versions of Chretien De Troyes's Erec and Yvain, University of Nebraska Press, ISBN 978-0803209251
  4. Thomas Honegger (2016), Datei:Allegorical Hares and Real Dragons Anima.pdf, Anglistik, Jahrgang 27 (2016), Ausgabe 2
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