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Dracolich

Ein Dracolich aus Dungeons & Dragons

Während vor allem ältere Mythen sich kaum mit der Anatomie von Drachen beschäftigen, waren Drachenknochen in der frühen Naturwissenschaft, als man Drachen noch für reale Tiere hielt, ein wichtiges Thema. Auch in phantastischen Werken wird dieses zuweilen angesprochen.

FossilienBearbeiten

Es gibt Hypothesen, laut denen der Drachenmythos auf Fossilfunden (nach den meisten Angaben von Dinosauriern) basiert, die, mangels Kenntnis ausgestorbener Tiere, als Drachen interpretiert wurden.

Tatsächlich wurden schon häufig Fossilien für die Knochen von Drachen und anderen Fabelwesen wie Einhörnern gehalten. Dabei handelte es sich jedoch meistens um Großsäuger des Pleistozäns, nicht um Dinosaurier. Ob die Fossilfunde jedoch tatsächlich der Ursprung des Mythos sind, ist unklar.

Ketos Troja
Eine Darstellung des Seedrachen Ketos auf einer korynthischen schwarzfigurigen Vase aus dem sechsten Jahrhundert vor Christus erinnert stark an einen Schädel, der in einen Felsen eingebettet ist. Es ist aufgrund der Stilisierung nicht erkennbar, zu welchem Tier der Schädel gehörte. Jedoch ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Darstellung auf einem frühen Fossilfund basiert.

Frühe NaturwissenschaftBearbeiten

Paterson Hain Draco Ursus spelaeus

Paterson Hains "Drachenknochen"

Häufig wurden die Knochen des Höhlenbären (Ursus spelaeus), einer großen Bärenart, die vor ca. 24.000 Jahren ausstarb, von frühen Wissenschaftlern als Drachenknochen beschrieben.

Die erste wissenschaftliche Beschreibung von Höhlenbären-Knochen stammt von Paterson Hain (1673), welcher die in den Karpaten gefundenen Bärenknochen anatomisch korrekt darstellt und beschreibt, sie aber als de draconibus carpathicis (dt. Karpatischer Drache) bezeichnet[1][2].

Cranium Draconis carpathici

Vollgnads Drachenschädel

Ein weiteres Beispiel dafür stammt von Henricus Vollgnad, dessen detaillierte Abbildung seines Cranium Draconis carpathici (Schädel eines karpatischen Drachen) eindeutig der Schädel eines Höhlenbären ist, jedoch mit einem fremden Zahn, der den Schädel noch drachenartiger aussehen lässt[1].

Franz Ernst Brückmann beschrieb 1739 in seiner Abhandlung Antra Draconum Liptoviensia Drachenknochen aus der Demänováer Eishöhle, auch hier handelte es sich um Höhlenbären-Knochen[1].

DrachensagenBearbeiten

Drachenknochen Atessa

Der Drachenknochen von Atessa

Diverse Fundorte von Höhlenbären-Knochen tragen heute entsprechende Namen, z.B. die Drachenhöhle bei Mixnitz oder das Drachenloch bei Vättis, und haben zum Teil auch eigene Drachensagen, mit denen man sich früher die Knochenfunde erklärte.

Ein anderes Tier, dessen Knochen für Drachenknochen gehalten wurden, ist das Wollnashorn (Coelodonta antiquitatis). Als 1335 im Zollfeld nahe Klagenfurt der Schädel eines solchen gefunden wurde, wurde er als Drachenschädel identifiziert und aufbewahrt, auch eine Legende entwickelte sich darum. Im Jahr 1583 diente der Schädel als Vorlage für den Kopf des Lindwurmbrunnens, und erst 1840 wurde er korrekt als Schädel eines Wollnashorns erkannt[3].

Drachenknochen Krakau Smok Wawelski

Die Knochen des Smok Wawelski

Eine andere Drachensage, die vermutlich auf einem Fossil basiert, ist der Drache von Atessa in Italien, dessen Rippe noch heute in der Kathedrale aufbewahrt wird. Er wurde nie wissenschaftlich untersucht, stammt jedoch vermutlich von einem Wollhaarmammut.

Auch der Drache von Sas Vanna soll Knochen hinterlassen haben, die jedoch heute verschollen sind.

In der Kathedrale von Krakau hängen drei Knochen, die vom Smok Wawelski stammen sollen. Mittlerweile weiß man, dass die Rippe ein Teil eines Wal-Kiefers, der Schädel ein Wollnashorn-Schädel und der Oberschenkel der eines Mammuts ist.

Chinesische MedizinBearbeiten

Drachenknochen

Drachenzähne (oben) und -knochen (unten), wie sie in der chinesischen Medizin verwendet werden.

In der traditionellen chinesischen Medizin werden so genannte Drachenknochen (chin. 龙骨, Lóng Gǔ oder longgu, lat. Os Draconis) und Drachenzähne (chin. 龙齿, Lóng Chĭ oder longchi, lat. Dens Draconis) verwendet. Diese Knochen stammen überwiegend von ausgestorbenen Groß-Säugern wie Mammuts oder den bereits erwähnten Wollnashörnern[4][5].

Die Verwendung der Drachenknochen in der chinesischen Medizin wird genauer beschrieben im Artikel Chinesische Medizin.

In der PopulärkulturBearbeiten

SchädelLung

Schädel eines chinesischen Lung laut Dragonology

Auch in einigen fiktiven Werken sind Drachenknochen ein Thema:

  • Dr. Ernest Drake beschreibt in den Dragonology-Büchern, dass Drachenknochen, um die Flugfähigkeit zu gewährleisten, extrem leicht sind. Laut ihm kann man aus den Knochen Fluggeräte bauen[6].
  • Untote Drachenskelette sind in Fantasy-Werken häufig. Beispiele dafür sind der Dracolich aus Dungeons & Dragons, der Skelettdrache aus The Elder Scrolls: Skyrim oder der Knochendrache (und in manchen Spielen auch der Drachenzombie) aus Final Fantasy.
  • Laut Peter Dickinsons Flight of the Dragon haben Drachen einen extrem aktiven Metabolismus, der sogar ihre eigenen Knochen auflöst und so die für das Fliegen und Feuerspeien notwendigen Gase erzeugt. Die Knochen wachsen jedoch extrem schnell, wodurch der Drache dadurch nicht behindert wird. Erst nach dem Tod des Drachen lösen sich die Knochen ganz auf, weshalb nie Drachen-Fossilien gefunden wurden.
    • Eine weitere Besonderheit des Drachenskeletts laut Dickinson ist, dass die Rippen nicht den Brustkorb stützen und somit auch schützen, sondern zu Flügeln umgebildet sind. Der Brustkorb erhält seine Stabilität ausschließlich durch den Gasdruck im Inneren[7].
  • Ryūkotsusei aus InuYasha ist ein Dämon, dessen Name "Drachenknochengeist" bedeutet.

TriviaBearbeiten

  • In Taiwan gibt es ein Gestein, das als Drachenknochen-Gestein (龍紋石) bezeichnet wird. Es erscheint rot, da es sehr reich an Kupfer ist, welches im Laufe der Zeit oxidiert[8].

QuellenBearbeiten

  1. 1,0 1,1 1,2 Stephan Kempe, Wilfried Rosendahl, Doris Döppes (2005), The scientific discovery of Ursus spelaeus
  2. Friedrich Tiedemann (1811), Anatomie und Naturgeschichte des Drachen
  3. Wikipedia: Wollnashorn
  4. China-Park: Long Gu
  5. Acupuncture and Chinese Medicine: Dragon Teeth
  6. Dr. Ernest Drake (2004), Expedition in die geheime Welt der Drachen, arsEdition, ISBN 978-3-7607-4818-4
  7. Peter Dickinson (1981), The Flight of the Dragon, HarperCollins, ISBN 978-0060110741
  8. Wikipedia: Dragon Bone Stone (englisch)
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