Drachen Wiki
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Die häufigste Atemwaffe ist das Drachenfeuer.

Die meisten Quellen, seien es Mythen und Legenden oder Fantasy-Geschichten, schreiben den Drachen, oder zumindest einigen Arten davon, eine tödliche Atem-Waffe zu. Meistens handelt es sich um Feuer oder Gift, jedoch sind vor allem bei Elementardrachen die unterschiedlichsten Arten von Angriffen möglich, die aus dem Mund abgefeuert werden. Im Folgenden sollen diese verschiedenen Methoden behandelt werden.

Drachenfeuer[]

Hauptartikel: Drachenfeuer

Die häufigste Atem-Waffe ist das Feuer. Seit der Legende von Beowulf kommt kaum eine Drachengeschichte ohne ein feuerspeiendes Ungeheuer aus. Meist soll die Flamme absurd heiß sein und sogar Steine schmelzen können. Die biologischen Hintergründe des Drachenfeuers werden im Artikel Drachenfeuer behandelt.

Gift[]

Eine Speikobra spuckt Gift

Vor allem in Mythen und Sagen sind Drachen häufig giftig, was daran liegen dürfte, dass die meisten Drachensagen auf Schlangen basieren. Da es einige giftige Schlangenarten gibt, wurden Schlangen (und davon abgeleitet Drachen) schon lange mit Gift assoziiert. Während viele Drachen einen giftigen Biss, wie ihre Vorbilder, die Giftschlangen, oder giftiges Blut haben, gibt es auch solche, die das Gift ausatmen oder ausspeien. Eine häufige Variation in modernen Werken ist es, dass ein Drache Säure speien kann. Beispiele sind z.B. Grüne Drachen aus Dungeons & Dragons, Dragon Knight und Viper aus DotA 2 oder Barnos aus Monster Hunter.

Unter den mythologischen Drachen sticht vor allem der Basilisk und die damit verwandte Cockatrice hervor, welche beide nicht nur einen so gifitigen Atem besitzen sollen, dass in ihrer Umgebung keine Pflanze überlebt, sondern auch einen giftigen Blick. Auch dem Salamander und manchen Lindwürmern und Drachen werden solche Fähigkeiten zugesprochen.

Biologische Erklärung[]

Das Ausspeien des Giftes ist auch die Taktik der realen Speikobras, die sich damit vor Feinden verteidigen, während sie zum Töten ihrer Beute auf den klassischen Giftbiss vertrauen. Um das Gift verspritzen zu können, haben die Giftzähne der Speikobras ihre Öffnung vorne[1].

Manche Dracologen, z.B. Peter Dickinson, vermuten, dass das Gift ein Nebenprodukt der Verdauung des Drachen ist. Um ihre Flugblase zu füllen und Feuer zu speien produziert der Körper des Drachen große Mengen an Chemikalien, von denen einige giftig oder ätzend sind. Diese werden vom Drachen unter anderem auch durch den Kot und den Atem ausgestoßen, weshalb vor allem kleinere Tiere und Pflanzen in der Umgebung des Drachen Vergiftungserscheinungen zeigen und sterben[2].

Hintergrund[]

Interessanterweise herrschte in antiken und frühen mittelalterlichen Quellen Konsens darüber, dass der Drache unter allen Schlangen diejenige mit dem schwächsten Gift oder sogar ungiftig wäre. Bartholomaeus Anglicus berichtet z.B., dass der Drache weniger Gift hat als andere Schlangen, während er laut Plinius kein Gift besitzt und seine Beute darum erlegt, indem er sie mit dem Schwanz würgt. Dies liegt daran, dass das Wort Drakon oder Draco in der antiken römischen und griechischen Naturwissenschaft ausschließlich Würgeschlangen wie die Äskulapnatter oder den Python bezeichnete. Daraus entwickelte sich nach und nach der europäische Drachenmythos[3][4]. Giftige Drakontes kommen in antiken Quellen fast ausschließlich in mythischen Texten vor, z.B. die Schlangen, die Laokoon in der Aeneis angreifen[5][6].

In die Naturwissenschaft nahm der giftige Drache im 9. Jahrhundert Einzug, als De Proprietatibus Elementorum erschien, dessen Autor als Aristoteles angegeben wurde. Tatsächlich scheint es sich jedoch nicht um eine Übersetzung zu handeln sondern um einen Originaltext des arabischen Autors (Pseudo-Aristoteles). Der Autor beschreibt darin, dass König Philipp II. von Makedonien Sokrates bittet herauszufinden, warum jeder, der auf einer bestimmten Straße reist, vergiftet wird und stirbt. Sokrates findet heraus, dass zwei Drachen dort leben, aus deren Mäulern Gift in die Luft gelangt, das die Reisenden vergiftet. Nachdem die Drachen getötet wurden war die Straße wieder sicher[7]. Obwohl Drachen in der Wissenschaft bisher als ungiftig angesehen wurden, übernahmen einige spätere Autoren die Idee giftiger Drachen aus diesem Buch, darunter Vinzenz von Beauvais[8], Albertus Magnus[9] oder Conrad Gessner[10][4].

Magnus liefert auch eine Erklärung für das Gift und behauptet, dass alle Schlangen giftige Kräuter und Fleisch fressen, um giftig zu werden. Dabei bezieht er sich auf eine ähnliche Aussage von Aristoteles, laut dem giftige Tiere noch giftiger werden, wenn sie andere giftige Tiere fressen[11]. Bereits in der Ilias wird erwähnt, dass eine Giftschlange sich von giftigen Kräutern ernährt[12]. Ironischerweise widerspricht Magnus sich auch selbst, indem er die ältere Idee, dass Drachen ungiftig sind, ebenfalls als Tatsache angibt[9]. Conrad Gessner vermutet, dass dieser Widerspruch damit erklärt werden kann, dass Drachen für gewöhnlich ungiftig sind, aber in heißen Gegenden giftig werden können. Als Beweis dafür zitiert er den Reisebericht von al-Ḥasan b. Muḥammad al-Wazzān al-Fāsī (in Europa als Leo Africanus bekannt), der die Drachen des Atlasgebirges in Marokko beschreibt[10], bei denen es sich vermutlich um Großvipern handelt[4].

Wasser[]

Eine Seeschlange speit Wasser

Einige Wasserdrachen sind in der Lage, Wasserstrahlen zu verschießen. Meist haben diese genug Druck, um ernsthaften Schaden zuzufügen, manchmal, wie z.B. beim Drachen der Apokalypse oder der französischen Gargouille, liegt die Gefahr in der schieren Menge des Wassers, die zu Überschwemmungen führt. In diesen Fällen ist es natürlich fraglich, woher das Tier solche Wassermengen nimmt.

Eine ähnliche Waffe benutzt auch der reale Schützenfisch (Toxotes jaculatrix). Mit gezielten Wasserstrahlen schießt er auf Insekten über der Wasseroberfläche, damit diese herunterfallen und von ihm gefressen werden können.

Eis[]

Hauptartikel: Frostdrache: Der Eisatem

Frost- und Eisdrachen sind häufig in der Lage, mithilfe ihres Atems einen Feind einzufrieren. Dazu müssten sie natürlich ihren Atem extrem abkühlen, was aber theoretisch möglich wäre (siehe Hauptartikel).

Elektrizität[]

King Ghidorah speit Blitze

Manche Drachen, vor allem die Blitz-Variante unter den Elementardrachen, greifen auch mit Elektrizität an. Meist wird dies eher unrealistisch in Form von Blitzen oder sogar Kugelblitzen aus dem Maul des Drachen dargestellt.

Dennoch ist es nicht unmöglich, dass Tiere Elektrizität erzeugen können. Mithilfe des so genannten Elektroplax-Organes können manche Knochen- und Knorpelfische, wie Zitteraale oder Zitterrochen, ihre Beute lähmen oder Angreifer abwehren. Das Elektroplax ist überzogen mit großen Mengen an Synapsen, deren gemeinsame elektrische Spannung und Stromstärke ausreicht, um andere Fische kurzzeitig zu lähmen[13].

Für Drachen ist diese Erklärung allerdings eher unwahrscheinlich, da diese, anders als reale elektrische Fische, überwiegend an Land leben. Philip Selter argumentiert, dass die Elektrizität nicht auf die Luft überspringen würde, da diese eine niedrige Permittivität hat, im Gegensatz zu Wasser oder dem Körper des Drachen selbst. So würde die Elektrizität, die ein Drache erzeugen würde, durch dessen Körper abgeleitet werden anstatt Blitze zu erzeugen[14].

Weitere Atemwaffen[]

  • Licht: Lichtdrachen verwenden manchmal Strahlen, die an Laserstrahlen erinnern. Ein Beispiel ist der Drache aus der Serie Ben 10.
  • Schatten: Das dunkle Gegenstück dazu wären Schattenstrahlen, die natürlich real nicht möglich sind
  • Radioaktivität: Wenige Drachen, z.B. Godzilla, sind in der Lage, mithilfe von radioaktiver Strahlung anzugreifen. (siehe thermonuklearer Hitzestrahl)
  • Krankheit: Viele Drachen und andere mythologische Wesen verbreiten durch ihren Atem oder ihre bloße Anwesenheit Krankheiten, ohne dass diese ihnen selbst schaden. Die reale Krankheit Dracontiasis wird vom Medinawurm (Dracunculus medinensis) ausgelöst, dessen wissenschaftlicher Name "Kleiner Drache von Medina" bedeutet.
  • Anlocken von Beute: Laut Aelian locken die Drachen von Phrygien mithilfe ihres Atems ihre Beute direkt in ihren Rachen. Auch dem Panther, der im Mittelalter als Feind des Drachen angesehen wurde, schrieb man einst diese Fähigkeit zu.

Der Hair Dragon speit Haare

  • Haare: Der Hair Dragon aus dem Webcomic Awful Hospital speit Haare.
  • Alkohol: Das Digimon Orochimon hat eine alkoholhaltige Atemwaffe, die das Ziel betrunken macht. Dies ist eine Anspielung darauf, dass sein mythologisches Vorbild Yamata no Orochi betrunken gemacht wurde, damit der Held Susanoo es töten konnte.
  • Klebrige Masse: Der Todsinger aus Drachenzähmen leicht gemacht speit Harz, das schnell erhärtet und so seine Feinde bewegungsunfähig macht. Der Duodrago aus Wario World spuckt hingegen so genannte Haftkugeln, an denen Wario kleben bleibt.
  • Rüssel: Der Bloodworm aus Bug-a-Bog kann, ähnlich den Schnurwürmern eine Art Rüssel ausspeien, mit dem er dann seine Beute in sein Maul zieht.
  • Schall:
    • Laut Isidor von Sevilla kann ein Basilisk allein durch sein Fauchen töten[15].
    • In der Buchreihe Die Feuerreiter Seiner Majestät ist der Drache Temeraire in der Lage eine fokussierte und ausgesprochen starke Schallwelle zu schreien. Diese wird "Göttlicher Wind" genannt.
    • Der Wyvern Tigrex kann allein durch sein Brüllen Menschen und andere Monster verletzen.

Errol fliegt mithilfe seines Feuers

  • Blähungen: In eher humorvollen Werken gibt es manchmal Drachen, die ihre Atemwaffe wie Blähungen hinten ausstoßen. Das bekannteste Beispiel ist vermutlich Errol aus den Scheibenwelt-Romanen, der aus dem Anus Feuer speien kann. Furzipups, der Knatterdrache aus dem gleichnamigen Kinderbuch kann im Rhytmus pupsen.

Raketenbetriebener Drache an einer Leine, 1635

    • Eine Inspiration dafür könnte es möglicherweise sein, dass im Mittelalter und der frühen Neuzeit oft Sternschnuppen für Drachen gehalten wurden[9]. Seit dem 17. Jahrhundert wurden manchmal fliegende Drachen für Festspiele konstruiert, die mit Feuerwerksraketen betrieben wurden[16].
  • Milch: Krumblor aus Cookie Clicker hat einen Milch-Atem.

Quellen[]

Einzelnachweise[]

  1. Wikipedia: Speikobra
  2. Peter Dickinson (1984), Das große Buch der Drachen. Die fliegenden Ungetüme, Stalling Verlag, ISBN 978-3797916976
  3. Medieval Bestiary: Dragon
  4. 4,0 4,1 4,2 Philip J. Senter, Uta Mattox, Eid. E. Haddad (2016), Snake to Monster: Conrad Gessner's Schlangenbuch and the Evolution of the Dragon in the Literature of Natural History, Journal of Folklore Research, Vol. 53, No. 1-4, doi:10.2979/jfolkrese.53.1-4.67
  5. Publius Vergilius Maro (29 - 19 v.Chr.), Aeneis
  6. Daniel Ogden (2013), Drakōn: Dragon Myth and Serpent Cult in the Greek and Roman Worlds, Oxford University Press, Print ISBN 9780199557325
  7. Pseudo-Aristoteles (9. Jahrhundert), De Proprietatibus Elementorum
  8. Vinzenz von Beauvais (1481), Speculum naturae
  9. 9,0 9,1 9,2 Albertus Magnus (13. Jahrhundert), De animalibus libri XXVI, Bayerische Staatsbibliothek, BSB-ID 7537081
  10. 10,0 10,1 Conrad Gessner (1589), Schlangenbuch, Froschauer
  11. Aristoteles (4. Jahrhundert v.Chr.), Τῶν περὶ τὰ ζῷα ἱστοριῶν
  12. Homer (8. oder 7. Jahrhundert v.Chr.), Ἰλιάς (Iliás)
  13. Wikipedia: Elektroplax
  14. Philip J. Senter (2017), Fire-Breathing Dinosaurs? Physics, Fossils, and Functional Morphology vs. Pseudoscience, Skeptical Inquirer, Volume 41, No. 4
  15. Isidorus Hispalensis (ca. 623), Etymologiae
  16. Philip Butterworth (2013), Late Medieval Performing Dragons, The Yearbook of English Studies, 43, 318, https://doi.org/10.5699/yearenglstud.43.2013.0318
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