Drachen Wiki
Advertisement
Drachen Wiki

Der Drache von Rhodos nach Athansius Kircher

Der Drache von Rhodos soll einst die Stadt Rhodos auf der gleichnamigen griechischen Insel bedroht haben.

Sage[]

Zwei Meilen von der Stadt Rhodos entfernt lebte in einem Sumpf ein Drache, der das Vieh der Bauern und sogar den ein oder anderen Schäfer riss. Sein Unterschlupf war eine Höhle im Hügel St. Stephen. Die schuppige Haut des Drachen soll zu zäh gewesen sein, als dass Pfeile sie durchdringen konnten. Da das Tier schon viele Möchtegern-Drachentöter verschlungen hatte, verbot der Großmeister des Johanniterordens seinen Männern, den Drachen aufzuschrecken [1].

Ein Johanniter namens Dieudonné de Gonzon missachtete im Jahre 1344 (laut Eberhard Werner Happel 1345) dieses Verbot und schmiedete von Frankreich aus einen Plan. Er hatte beobachtet, dass das Tier am Bauch keine Schuppen hatte. So ließ er eine lebensechte Statue des Drachen anfertigen und achtete genau darauf, dass die Farben naturgetreu abgebildet wurden[1]. Die Statue wird folgendermaßen beschrieben: So groß wie ein Pferd, hatte einen Schlangenkopf mit den Ohren eines Maultiers und feurige Augen. Seine vier Beine erinnerten an ein Krokodil, während die Flügel die Farbe von Delphinen hatten. Der Schwanz erinnert an eine Eidechse[2].

Dann trainierte er zwei Hunde darauf, den verwundbaren Bauch des Drachen anzugreifen, während er den Drachen beritten attackierte. Dann kehrte er nach Rhodos zurück und ging nur mit zwei französischen Dienern und seinen Waffen zu einer Kirche auf dem Hügel St. Stephen[1].

Er befahl den Dienern, zu ihm zu kommen, wenn er verwundet würde oder den Drachen getötet hatte. Sollte er allerdings sterben, sollen sie nach Frankreich zurückkehren. Dann ritt er mit den Hunden in den Sumpf und griff den Drachen mit seiner Lanze an, die von den Schuppen abprallte. Aus Furcht vor dem Drachen schreckte sein Pferd zurück und begann zu fliehen, doch er konnte rechtzeitig abspringen[1].

Nachdem mehrere Schläge seines Schwertes von der Haut des Drachen abgeprallt waren, brachte ihn die Kreatur mit ihrem langen Schwanz zu Fall. Der Drache hätte ihn verschlungen, wenn die Hunde nicht bei dieser Gelegenheit seinen Bauch angegriffen hätten. Dies gab Dieudonné die Gelegenheit, sein Schwert in eine ungeschuppte Stelle zu stoßen. Im Todeskampf fiel der Drache auf den Ritter, doch seine beiden Diener eilten zu ihm und zogen seinen leblosen Körper unter dem Kadaver des Drachen hervor. Mit etwas Wasser konnten sie ihn aus seiner Bewusstlosigkeit erwecken[1].

Zurück in der Stadt wurde Dieudonné von den Bewohnern mit Freuden empfangen, doch der Großmeister ließ ihn ins Gefängnis sperren, da er die Anweisungen misachtet hatte. Letztendlich kam er frei, wurde allerdings aus dem Orden verbannt. Später änderte der Großmeister allerdings seine Meinung und nahm Dieudonné wieder in den Johanniterorden auf[1].

Der Kopf des Drachen wurde an einem der sieben Stadttore von Rhodos aufgehängt, wo er im Jahr 1637 von einem französischen Reisenden namens Thévenot gesehen wurde. Angeblich wurde er im Jahr 1839 entsorgt[2].

1346 wurde Gonzon zum neuen Großmeister ernannt. Sein Grab trägt die Inschrift Draconis Extinctor (lat.: Drachentöter). Die Familie de Gonzon hatte noch lange später einen Drachenstein in ihrem Besitz, der aus dem Kopf des Drachen stammen soll[2].

Hintergrund[]

Die älteste Version der Sage stammt aus dem Jahr 1521. Eine andere Drachentötersage von der Insel Kos gibt es bereits aus dem Jahr 1420[2].

Im 15. Jahrhundert lebte ein reicher Mann nahe der Stadt Rhodos, der den Spitznamen Il Dracone (it.: Der Drache) trug. Möglicherweise blieb der Name als Ortsname seines Grundstücks nach seinem Tod vorhanden und wurde später als Beleg für eine Drachentötung interpretiert[2].

Eine andere Version der Sage erzählt, dass Dieudonné nach der Tötung des Drachen dessen Zunge abschnitt, womit er einige Tage später, als jemand anderes sich als Drachentöter ausgab, beweisen konnte, dass er der echte Drachentöter war[2]. Dieses Motiv kommt in vielen Sagen vor, z.B. Die zwei Brüder, Tristan und Isolde oder Wolfdietrich.

Eine modernere Sage aus Rhodos erzählt von einem türkischen Derwisch, der einen Drachen tötete, indem er ihm vierzig mit Ätzkalk gefüllte Esel zu fressen gab. Diese Sage soll auf dem am Tor angebrachten Drachenkopf basieren[2].

Die detaillierte Beschreibung der von de Gonzon angefertigten Statue lässt Frederick Hasluck vermuten, dass es sich dabei um eine Drachenfigur aus einer Prozession handelt, wie sie in Frankreich und Spanien verbreitet sind[2]. Beispiele dafür sind z.B. die Víbria oder die Grand Bailla.

In der Populärkultur[]

  • Friedrich Schiller verarbeitet die Legende in seiner Ballade Der Kampf mit dem Drachen, in der der Ritter es als seine Pflicht ansieht, den Drachen zu töten. Dies gelingt ihm auch, jedoch wird er daraufhin vom Großmeister für seinen Ungehorsam gescholten.

Trivia[]

  • R. A. Boulay vergleicht die französische Sage eines Sieur Dieudonne aus Abbe de Vertots Geschichte des Johanniterordens mit der des britischen Drachentöters Gerolde. Da de Vertots Werk dem Autor dieses Artikels nicht vorliegt können die Parallelen nicht nachvollzogen werden.
  • Athanasius Kirchers Darstellung des Drachen ist eine der ältesten Darstellungen eines vierbeinigen Drachen in der europäischen Literatur.

Quellen[]

Einzelnachweise[]

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 Abbé de Vertot (1770), The History of the Knights Hospitallers of St. John of Jerusalem; Styled Afterwards, the Knights of Rhodes, and at Present, the Knights of Malta
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 2,7 Frederick W. Hasluck (1913), Dieudonné de Gozon and the Dragon of Rhodes in The Annual of the British School at Athens