Drachen Wiki
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Gent Drache

Der Drache auf dem Belfried, 1377-1378

Der Drache von Gent ist eine Drachenstatue auf dem Belfried der belgischen Stadt Gent.

Sage[]

Die Sage beginnt zur Zeit der Kreuzzüge, als die Heere der Städte Gent und Brügge Israel belagerten. Dabei gelang es den Gentern, die Tochter des türkischen Königs von Jerusalem, Blanka, zu entführen. Sie sperrten sie in einen Turm nahe der Stadt ein, und kaum hatten sie die Türe verschlossen, flog ein Drache zu dem Turm und begann ihn zu bewachen[1].

Doch der türkische König bot den Gentern ein großes Lösegeld für seine Tochter, was diese ablehnten. Die Brügger hingegen akzeptierten das Angebot, und sobald sie die Bestätigung des Königs hatten, verabreichten sie dem Drachen ein Schlafmittel und töteten ihn. Doch sie hielten sich nicht an ihr Versprechen und packten sowohl Prinzessin Blanka als auch den toten Drachen auf ihr Schiff. Dann segelten sie zurück nach Brügge, sehr zum Unmut der Genter und des Königs. Den Ort, an dem sie in Brügge anlegten, nannten sie zu Ehren der Prinzessin Blankenburg[1].

Den Drachen hingen sie in ihrer Hauptkirche auf, doch später, während der Bilderstürmerei, wurde er verbrannt. Da die Brügger ihn aber liebgewonnen hatten, ließen sie von einem kunstfertigen Schmied ein Abbild des Drachen erschaffen, das sie auf die Spitze der Donatiuskirche setzten[1].

Die Genter hingegen waren selbst nach Jahrhunderten noch auf Rache aus für den Verrat, und so belagerten sie im 16. Jahrhundert die Stadt Brügge. Je länger die Belagerung dauerte, desto knapper wurde die Nahrung in Brügge, und so beteten die Menschen um die Hilfe des heiligen Georg. Doch während sie durch diese Prozessionen abgelenkt waren, nutzten die Genter die Gelgenheit, das Dammtor der Stadt zu erstürmen und die Kontrolle über die Stadt an sich zu bringen. Kaum war dies geschehen, stahlen sie den Drachen von der Donatiuskirche und trugen ihn in einem Triumphzug nach Gent. Der dortige Bischof ließ sogleich verkünden, dass der Drache am Sonntag getauft werden sollte, und so wurde es auch getan. Danach setzte man den Drachen auf die Spitze des Belfrieds, wo er sich noch heute befindet[1].

Hintergrund[]

Tatsächlich wurde die kupferne Drachenfigur auf dem Belfried 1377 bis 1378 speziell für den Belfried geschmiedet. Als sie 1543 restauriert wurde, platzierte man in der Statue eine Kiste mit Schriftstücken und Geld, die erst Jahrhunderte später geöffnet und in ein Museum verlegt wurde. 1912 wurde der Drache neu vergoldet für die Weltausstellung 1913 Gent[2].

Das Motiv, dass der Drache magische eingeschläfert wird, erinnert an antike Geschichten über Ladon, Indische Drachen oder den Drachen von Kolchis.

In der Populärkultur[]

  • Ein von William Elliot Griffis veröffentlichtes Märchen erzählt vom Drachen Buccoleon, der nahe Aleppo lebte und über jeden Krieg zwischen den Belgiern und den Sarazenen viele Tränen vergoss. Aus seinen Tränen sollen die ersten Tulpen gesprossen sein[3].

Trivia[]

  • Nach dem Drachen ist das Bier "Gulden Draak" (nl.: Goldener Drache) benannt.

Quellen[]

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 88. Der Drache auf dem Belfried zu Gent in Johann Wilhelm Wolf (1843), Niederländische Sagen, Brockhaus, S. 135-138
  2. G. Shaw Scott (1913), The Journal of the Institute of Metals, Volume X
  3. William Elliot Griffis (1919), Belgian Fairy Tales, Thomas Y. Crowell Company
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