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Die zwei Brüder und die neunundvierzig Drachen ist eine griechische Drachensage aus Syros.

Handlung

Die Sage erzählt von zwei Brüdern, von denen einer arm und einer reich war. Als der arme Bruder für seine Kinder nichts mehr zu Essen hatte, ging seine Frau zu dem reichen Bruder und bat ihn um Arbeit. Der reiche Bruder stellte sie zum Teig kneten ein, gab ihr aber nichts zu essen. So musste sie mit leeren Händen zu ihren Kindern heimkehren.

Am nächsten Tag begann sie ihre Arbeit und knetete den Brotteig, doch der reiche Bruder und seine Frau gaben ihr nichts zu essen und sie kehre wieder mit leeren Händen heim. Nachdem dies einige Tage so gegangen war, beschloss sie, nach dem Kneten ihre Hände nicht zu waschen. Zuhause wusch sie dann die Teigreste von ihren Händen und gab das Wasser ihren Kindern als Suppe. Diese freuten sich sehr und aßen ihre Suppe. So ging es einige Tage, und die Kinder wurden fett und gesund.

Eines Tages kam der reiche Bruder am Haus seines Bruders vorbei und sah die fetten Kinder. Wieder zuhause schalt er seine Frau, weil sie der armen Frau Essen gegeben hatte, doch diese verneinte dies. Sie stellten jedoch fest, dass die arme Frau nie ihre Hände wusch bevor sie heimging. Als sie das nächste mal zum Teig kneten da war, wartete die reiche Frau, bis die Arme sich die Hände gewaschen hatte, bevor sie sie heimgehen ließ. Zuhause waren die Kinder enttäuscht, keine Teig-Suppe zu kriegen.

Als der arme Mann davon erfuhr, beschloss er, sich das Leben zu nehmen. Er wollte sich von einer Klippe stürzen, da erblickte er ein großes Schloss. Er wollte nachsehen, wer darin wohnte, und sah neunundvierzig Drachen daraus hervorfliegen. Als alle Drachen das Schloss verlassen hatten, ging er hinein und stahl etwas von ihrem Schatz. Dann kehrte er nach Hause zu seiner Frau, die in Tränen aufgelöst war, da sie dachte, er hätte sich das Leben genommen. Erleichtert sah sie, dass er nicht nur lebte, sondern auch Gold mitgebracht hatte. Von dem Geld kauften sie zunächst Öl, um für die Jungfrau Maria eine Lampe anzuzünden, und dann ein großes Haus, in dem sie gut leben konnten.

Sie lebten zwei Monate glücklich in diesem Haus, gingen zur Kirche und halfen mit ihrem neuen Reichtum den Armen. Eines Tages kam die reiche Frau zu Besuch und erzählte, dass alle ihre Schafe gestorben waren, ihre Bäume erfroren und ihre Felder keine Frucht getragen haben. Sofort bat die ehemals arme Frau ihr das beste Essen an, das sie im Haus hatten. Als die reiche Frau den neuen Wohlstand der armen Frau sah, fragte sie, wo ihr Mann arbeit gefunden hatte, die so gut bezahlt ist, auf dass ihr Mann ebenfalls dort arbeiten könne.

Deshalb zeigte der arme Mann seinem Bruder das Schloss der Drachen. Er erklärte, dass darin genau 49 Drachen lebten, und dass er diese gut zählen müsse, wenn sie das Schloss verlassen, um sicherzugehen, dass keiner mehr im Schloss war wenn er hineinging, um zu stehlen. Als die Drachen ausflogen, ließen sie einen im Schloss zurück, um den Dieb zu fangen, der sie zuletzt bestohlen hatte. Der reiche Mann aber verzählte sich und dachte, dass 49 Drachen das Schloss verlassen hätten. Er ging hinein, und der letzte Drache stellte den Dieb und verriss ihn in vier Teile. Diese Teile hängten die Drachen an die vier Seiten des Schlosses, um weitere Diebe abzuschrecken. Beruhigt, dass der Dieb tot war, beschlossen die Drachen, in Zukunft keinen Wachposten mehr zurückzulassen.

Als ihr Mann nach einigen Tagen noch nicht zurück war, bat die reiche Frau wieder das arme Paar um Hilfe. Der Mann ging los, um nach seinem Bruder zu sehen. Am Schloss fand er die vier Teile des toten Bruders und kam zu dem Schluss, dass dieser sich verzählt hatte. Er nahm die Teile und etwas Gold mit, und die Witwe bat ihn, einen Schneider zu finden, der die Leiche zusammennäht, um sie angemessen zu beerdigen. Dies tat er und gab der Witwe außerdem die Hälfte des gestohlenen Geldes.

Als die Drachen ins Schloss zurückkehrten und feststellten, dass wieder Gold und außerdem die Leiche des Diebes fehlte, schlossen sie, dass dieser einen Komplizen gehabt haben müsse. Sie gingen in die Stadt und bestellten bei einem Schneider 49 Mäntel und 49 Schuhe. Wieder und wieder wiesen sie ihn darauf hin, sich Mühe zu geben, dass die Nähte fest seien und nicht aufgehen konnten. Irgendwann war der Schneider so genervt dass er die Drachen anschrie und erzählte, dass der Mann, für den er am Vortag eine Leiche zusammennähen musste, nicht so kleinlich war, obwohl dies nicht einmal seine Profession war.

Die Drachen wussten, dass es sich bei der Leiche um den Dieb handeln müsse, und fragten, wo der besagte Mann denn wohne. Der Schneider zeigte ihnen den Weg, damit sie den Mann fragen konnten, ob er denn mit der Arbeit des Schneiders zufrieden war. Die Drachen aber ließen sich von einem Schreiner 48 Truhen machen, in denen sich 48 von ihnen versteckten. Der letzte Drache brachte die Truhen zu dem armen Bruder und baten ihn, sie bis zum nächsten Tag für ihn zu verwahren.

Die Kinder des Mannes begannen, auf den Truhen herumzuhüpfen und zu spielen. Da jammerte einer der Drachen, es solle endlich Nacht werden, damit sie herauskommen und die Menschen fressen konnten. Doch eines der Kinder hörte dies und erzählte dem Vater von den sprechenden Truhen. Der Vater durchschaute die Drachen, da ihm die Anzahl der Truhen aufgefallen war. Er ließ sich 48 Spieße anfertigen, erhitzte diese über dem Feuer und stach jeden davon in eine Truhe. Dann gab er eine Truhe seinem Diener, auf dass er sie im Meer versenken soll.

Als der Diener zurückkam, zeigte ihm der Mann die nächste Truhe und gab an, er hätte sie nicht weit genug geworfen und sie sei zurückgekommen. Dies wiederholte er, bis der Diener alle 48 Truhen ins Meer geworfen hatte. Als der Drache am nächsten Tag zurückkehrte, erzählte der Mann ihm, dass eine der Kisten über Nacht geöffnet worden sei. Er nahm den Drachen mit, um danach zu sehen. Er führte ihn zu einer anderen, leeren Truhe, und als sie dort waren, schleuderte er den Drachen hinein und erstach auch ihn.

Quelle

  • Edmund Martin Geldart (1884), Folk-Lore of Modern Greece: The Tales of the People, Wentworth (2019), ISBN 978-0353990203
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