Drachen Wiki
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Forty-Princes-Dragon-Pogany

Illustration von Willy Pogany, 1913

Die vierzig Prinzen und der siebenköpfige Drache ist ein türkisches Märchen.

Handlung=[]

Das Märchen erzählt von einem Padischah, der vierzig Söhne hatte. Als der jüngste von ihnen vierzehn Jahre alt war, wollte der Vater sie verheiraten, doch die Söhne wollten dem nur zustimmen, wenn ihre Bräute ebenfalls vierzig Schwestern sein würden. Doch der Padischah konnte nur eine Gruppe von 39 Schwestern finden, und so zogen die Söhne selbst in die Welt, um sich Frauen zu suchen. Doch vor der Abreise gab er ihnen einen Ratschlag: Sie sollten auf keinen Fall an einer großen Quelle übernachten, und auch nicht in der Herberge jenseits davon oder auf der großen Ebene dahinter[1].

So ritten sie los und kamen am Abend an die Quelle. Der Älteste wollte ein Lager aufschlagen, da er sehr müde war und die Sonne bereits unterging. Er dachte an den Rat des Vaters, glaubte aber nicht, dass jemand eine so große Gruppe angreifen würde. Also aßen sie zu abend und legten sich schlafen. Nur der Jüngste blieb wach und hörte gegen Mitternacht ein Geräusch. Mit seiner Waffe ging er diesem nach und traf auf einen siebenköpfigen Drachen[1].

Sie bekämpften einander, und dreimal griff der Drache an, konnte dem Prinzen aber nichts anhaben. Doch der Prinz schlug ihm auf einen Hieb sechs Köpfe ab. Der Drache verlangte, er solle ihn noch einmal schlagen, doch der Prinz weigerte sich, da er auch nur einmal zur Welt gekommen sei. Da sank der Drache zu Boden und einer seiner Köpfe rollte zu einem Brunnen. Der Kopf sprach: "Der mir die Seele genommen hat, der nehme von hier auch meine Schätze!" und fiel in den Brunnen[1].

Mit einem Seil stieg der Prinz in den Brunnen, wo er eine eiserne Türe fand. Dahinter war ein Palast, schöner als er seines Vaters, mit vierzig Zimmern. In jedem Zimmer war eine Maid mit einem Stickereitisch und ein Haufen Schätze. Die Frauen wussten zunächst nicht, ob der Prinz ein Mensch oder ein Dschinn sei, doch als er von seinem Sieg über den Drachen erzählte, freuten sie sich und gaben sich als Schwestern zu erkenn, die der Drache einst geraubt hatte, als er ihre Eltern getötet hatte[1].

Der Prinz verabschiedete sich von den Schwestern und versprach, sie bald zusammen mit seinen Brüdern abzuholen. Dann ging er zur Quelle und legte sich auch schlafen. Am Morgen erwachten die Brüder und lachten über ihren Vater, der sie mit der Quelle habe erschrecken sollen. Dann reisten sie weiter bis zum Abend und kamen an eine Herberge. Der Jüngste wollte dem Rat des Vaters folgen und nicht verweilen, doch der Älteste bestand darauf und sie übernachteten hier. Doch der Jüngste blieb wieder wach[1].

Gegen Mitternacht hörte er wieder ein Geräusch und traf erneut einen siebenköpfigen Drachen, größer als der Erste. Er besiegte ihn wie den ersten und fand im Brunnen einen größeren Palast mit mehr Schätzen, aber ohne die Jungfrauen. Wieder ließ er sich nichts anmerken, und am dritten Tag, als sie auf der Ebene übernachteten, setzte sich der Älteste erneut durch und sie nächtigten dort entgegen dem Rat des Vaters. Doch diesmal tauchte bereits bevor sie schlafen gehen konnten ein riesiger siebenköpfiger Drache auf. Dieser spieh Feuer und verlangte, den Mörder seiner Brüder ausgehändigt zu kriegen[1].

Der jüngste Prinz übergab also seinen Brüdern die Schlüssel zu den Brunnen der anderen beiden Drachen und erzählte ihnen von den Schätzen und den Mädchen. Dann stellte er sich dem Drachen. Sie kämpften lange, doch keiner konnte den anderen besiegen. Da schlug der Drache einen Kompromiss vor. Wenn der Junge ins Land Tschinimatschin (China[2]) reisen und dem Drachen die Tochter des dortigen Padischah bringen würde, so würde er ihn verschonen. Der Prinz willigte ein, und der Drache, der sich als Tschampalak vorstellte, gab ihm noch einen Zaum, mit dem er das Zauberpferd Ajgyr zähmen könne[1].

Als das goldene Pferd durch die Luft heranflog, konnte der Prinz ihm das Zaumzeug anlegen und ritt mit ihm nach Tschinimatschin. Dort übernachtete er bei einer alten Frau, die ihm berichtete, dass der siebenköpfige Drache, der in die Tochter des Sultans verliebt war, seit Jahren das Land belagerte. Nicht einmal ein Vogel konnte die Grenze überqueren. Am nächsten Tag ging er also in den Garten des Padischah, wo die Prinzessin leben soll. Dort ließ er sich vom Gärtner anstellen und musste fortan die Blumen gießen[1].

Als die Prinzessin ihn sah, rief sie ihn zu sich und fragte, wie er ins Land gelangt sei. Er erzählte ihr seine Geschichte und dass er sie zum Drachen Tschampalak bringen solle. Doch er versprach ihr, den Drachen zu vernichten, wenn sie mit ihm kommen würde. So verließen sie nachts heimlich den Palast und gingen zur Ebene und trafen dort den Drachen. Dieser freute sich sehr über sie, doch sie weinte immerzu, Tage und Wochen lang. Eines Tages verlangte sie, dass er ihr doch wenigstens verraten solle, wo sein Talisman sei. Er offenbarte ihr, dass er sich in einem Palast in einem Land befindet, aus dem niemand wiederkehrt[1].

Doch der Prinz hatte dies gehört und ließ sich vom Zauberpferd in dieses Land bringen. Das Pferd offenbarte ihm, dass das Tor des Palastes ein Löwenmaul sei, und er müsse den Löwen töten, um nicht verschlungen zu werden. Dies gelang ihm, und aus dem Bauch des Löwen schnitt er einen Käfig mit drei Tauben heraus. Eine der Tauben entkam ihm und das Pferd flog schnell hinterher, bis sie wieder an Tschampalaks Palast waren. Dort tötete er die zweite Taube, und als er den Palast betrat lag auch der Drache selbst kraftlos am Boden. Mit letzer Kraft bat er den Prinzen, die letzte Taube noch einemal streicheln zu dürfen. Aus Mitleid erlaubte es ihm der Junge, doch die Prinzessin schnappte sich die Taube und tötete sie, bevor der Drache sie streicheln konnte. Das Pferd offenbarte dem Prinzen, dass die Taube den Drachen wieder mit neuer Kraft versorgt hätte[1].

Dann reisten sie mit den Schätzen des Drachen zurück nach Tschinimatschin, wo sie heirateten und dann zum Vater des Prinzen zurückkehrten. Dort erkannte man ihn zunächst nicht wieder, da man glaubte, er wäre dem Drachen erlegen. Doch die vierzigste Maid hatte ihn treu erwartet, und er heiratete auch diese und lebte nun glücklich mit beiden Frauen in beiden Ländern[1].

Hintergrund[]

Auf Deutsch wurde das Märchen erstmals 1905 von Ignác Kúnos in seiner Sammlung türkischer Märchen veröffentlicht. 1913 veröffentlichte Kúnos eine englische Übersetzung des Märchens[3].

Weitere Märchen, in denen mehrere Drachenbrüder hintereinander bekämpft werden, sind Shepherd Paul, Sturmheld Iwan Kuhsohn, Der Drachentödter, Sebastian der Drachentöter, Wie der arme Schäfer des Kaisers Tochter gewonnen hat, Die siebenköpfige Schlange und Janni und die Draken. Dabei ist es oft so, dass jeder Drache mehr Köpfe hat als der vorherige.

Quellen[]

  1. 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 Die vierzig Prinzen und der siebenköpfige Drache in Ignác Kúnos (1905), Türkische Volksmärchen aus Stambul, Brill
  2. Johann Gottfried Sommer (1825), Taschenbuch zur Verbreitung geographischer Kenntnisse, Band 3, Calve
  3. The Forty Princes and the Seven-headed Dragon in Ignác Kúnos (1913), Forty-four Turkish Fairy Tales, George C. Harrap & Co
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