Drachen Wiki
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Der Drachenprinz und die Stiefmutter ist ein türkisches Märchen.

Handlung[]

Das Märchen handelt von einem Padischah, der keine Kinder hatte. Eines Tages sah er auf einem Spaziergang einen Drachen, der von mehreren Jungen begleitet wurde. Da rief er Gott an, warum er das Tier mit so vielen Kindern gesegnet hat, während er kein einziges hat. Was wäre, wenn der Drache nur ein Kind weniger und er selbst dafür ein einziges Kind hätte. Noch in dieser Nacht wurde seine Frau schwanger[1].

Doch als die Wehen einsetzten starb jede Hebamme, sobald sie sich ans Krankenbett setzte. Davon hörte eine Dienerin, die schon lange ihre Stieftochter loswerden wollte. Also behauptete sie gegenüber dem Schah, ihre Stieftochter sei eine meisterhafte Hebamme, und dieser ließ sie sofort holen. Das Mädchen, das in Wahrheit keine Erfahrung als Hebamme hatte, fragte seinen Vater um Rat. Dieser riet ihr, unterwegs das Grab ihrer Mutter aufzusuchen und dort zu beten, denn Allah hilft immer denjenigen, die im Recht sind. Als sie dies tat, hörte sie aus dem Grab eine Stimme, die ihr riet, im Palast einen mit Milch gefüllten Kessel zu verlangen und der Sultansfrau zu reichen[1].

Dies tat sie, und sofort stellten sich bei ihr die Wehen ein. Bald darauf brachte sie einen Drachen zur Welt. Der Padischah erfuhr davon, war aber so froh darüber, ein Kind zu haben, dass es ihn nicht störte, und er ließ zur Feier ein Lamm schlachten und Sklaven befreien[1].

Schon nach wenigen Tagen war der Drache alt genug, dass er sich unterrichten lassen wollte. Doch er tötete jeden seiner Hodschas, bis es in der Stadt kaum noch welche gab. Dies erfuhr die Dienerin und sie schlug ihre ungeliebte Stieftochter als Lehrerin für den Drachen vor. Diese besuchte wieder das Grab ihrer Mutter und erhielt von dieser einen Stab. Diesen zeigte sie dem Drachen und sofort hörte dieser auf, sie anzugreifen. So konnte sie ihn unterrichten und wurde dafür mit einem Haufen Gold belohnt[1].

Bald wollte der Drachenprinz heiraten, doch er tötete jede seiner Bräute sofort in der Hochzeitsnacht. Wieder erfuhr die Stiefmutter davon und schlug ihre Stieftochter als Frau für den Prinzen vor. Diese erhielt von ihrer Mutter den Rat, sich eine Maske aus der Haut eines Igels fertigen zu lassen. Dies tat sie, und als der Drache sie angreifen wollte, verletzte er sich an den Stacheln. Er verlangte, dass sie die Maske abnehmen sollte, doch sie verlangte, dass er ebenfalls seine Kleider ablegen und ins Feuer werfen sollte. Dies tat er, und unter seiner Drachenhaut war er ein schöner Jüngling. So nahm sie auch ihre Maske ab und sie umarmten und küssten sich. Als der Schah davon erfuhr, ließ er ein großes Fest veranstalten[1].

Doch einige Zeit später erklärte ein anderer Padischah dem Land den Krieg. Der Drachenprinz verlangte, anstatt seines Vaters in den Krieg ziehen zu dürfen, und zog aufs Schlachtfeld. Doch als er fortwar, schrieb die Stiefmutter in seinem Namen einen Brief an den Padischah, in dem sie ihm gebot, sofort nach seiner Rückkehr seine Frau fortzujagen. Doch die Stieftochter erfuhr davon und durchschaute den Plan ihrer Stiefmutter. Sie spielte mit und gab vor, freiwillig fortzugehen, doch der Padischah beruhigte sie und hielt den Brief für das Werk eines unbekannten Feindes. Dennoch bestand sie darauf, zu gehen[1].

So wanderte sie durch das Land, bis sie an eine Quelle kam, an der ein Sarg lag. In diesem fand sie einen schönen Jüngling. Da die Sonne bald unterging, suchte sie sich ein Versteck, und sah um Mitternacht vierzig Tauben, die sich in der Quelle badeten und in Mädchen verwandelten. Eine von ihnen nahm einen Stab aus dem Sarg, berührte damit dreimal den Jüngling und dieser stand auf, als hätte er nur geschlafen. Die ganze Nacht unterhielten die Mädchen sich mit ihm, und am morgen berührten sie ihn wieder mit dem Stab und er sank wie tot in den Sarg zurück. Dann verwandelten sie sich wieder in Tauben und flogen fort[1].

Als sie weg waren nahm die Frau des Prinzen den Stab und weckte damit den Jüngling. Sie erfuhr, dass es sich bei den Tauben um Peris handelte, die ihn als Kind raubten und seitdem gefangen halten. Sie blieb bei ihm, und jede Nacht erschienen die Peris und beachteten sie nicht. Doch bald wurde sie von ihm schwanger, und er fürchtete, dass die Peris das Weinen des Kindes hören und sie dann töten würden. Darum schickte er sie zu seiner Mutter, um dort das Kind zur Welt zu bringen[1].

Bei seiner Mutter gab sie an, dass man sie zuhause verjagt hätte, und wurde freundlich aufgenommen, obwohl die Mutter noch immer in Trauer um ihren geraubten Sohn war. Noch in der selben Nacht brachte sie das Kind zur Welt. Nach wenigen Tagen erschien der Vater des Kindes in Vogelgestalt am Fenster und erkundigte sich, wie es ihr und dem Kind ging. Doch die Mutter fragte, wer der sprechende Vogel sei, und so erzählte sie ihr die Wahrheit[1].

Voller Freude ließ die Mutter dem Mädchen schöne Kleider und ein gutes Bett zukommen. Doch sie verlangte, wenn der Vogel wieder käme um sich nach dem Kind zu erkundigen, dass sie ihm sagen solle: "Es ärgert sich über seinen Vater, weil er nicht zu ihm kommt, und es nicht einmal anschaut." Dies tat sie, und er nahm seine Menschengestalt an und kam in das Zimmer um das Kind zu liebkosten. Da fragte sie ihn, wie sie ihn von den Peris befreien konnte. Man müsse dazu sein Vogelkleid verbrennen, und als sie dies tat, kamen die Tauben angeflogen, riefen "Unser Schah brennt" und warfen sich in den Ofen. Das Mädchen sperrte die Ofentüre zu und die Peris verbrannten dort[1].

Während das Mädchen in Frieden mit ihrem neuen Mann lebte, kehrte der Drachenprinz aus dem Krieg zurück und fragte nach seiner Frau. Der Padischah erzählte ihm von dem Brief und dass sie deshalb das Haus verlassen hatte. Sofort brach er auf, um sie zu finden. Nach sechs Monaten gelangte auch er an die Quelle, und bald auch in die Stadt, wo sie nun lebte. Ein Kaffeehausbesitzer erzählte ihm von dem Jüngling, der durch ein fremdes Mädchen vor den Peris gerettet wurde, und vermutete, dass es sich hierbei um die Frau des Prinzen handeln könnte[1].

Als der Jüngling ebenfalls das Kaffeehaus betrat, erkundigte der Prinz sich nach dem Mädchen und erfuhr, dass es sich wirklich um seine Frau handelte. Er trug dem Jüngling auf, ihr von ihm, der schwarzäugigen Schlange, zu erzählen und sich zu entscheiden, mit welchem der beiden sie leben wollte. Als das Mädchen dies hörte, sagte sie zu dem Jüngling: "Bei dir habe ich zwei Rosen, aber die schwarzäugige Schlange besitzt mein Herz." Dann ging sie schnell zu ihrem ersten Mann und sie reisten gemeinsam nach Hause[1].

Bald fanden sie heraus, dass ihre Stiefmutter hinter all dem Leid steckte, das ihnen wiederfahren war. Sie riefen sie herbei und fragten sie, was sie lieber wollte, vierzig Maultiere oder vierzig Stöcke. Sie entschied sich für die Maultiere, und so wurde sie an die Schweife von vierzig Maultieren gebunden, die sie in der Stadt herumzerrten und auseinanderrissen[1].

Hintergrund[]

Das Märchen wurde erstmals 1905 von Ignác Kúnos in seiner Sammlung türkischer Märchen auf deutsch und 1913 auf englisch veröffentlicht[2].

Das Motiv des Drachenprinzen, der seine Haut ablegt, während seine Frau sich auszieht, um dann seine menschliche Gestalt zu erhalten, kommt auch im dänischen Märchen König Lindwurm vor. In Der Wurm muss die Jungfrau den Wurm hingegen sieben Jahre lang waschen, und in Herminia und der Drache muss sie ihn küssen.

Quellen[]

  1. 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 1,11 1,12 Der Drachenprinz und die Stiefmutter in Ignác Kúnos (1905), Türkische Volksmärchen aus Stambul, Brill
  2. The Dragon-Prince and the Step-Mother in Ignác Kúnos (1913), Forty-four Turkish Fairy Tales, George C. Harrap & Co
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