Drachen Wiki
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Kebra Nagast Arwe.jpg

Arwe (auch Wainaba) ist ein Schlangenkönig der äthiopischen Mythologie. Der Name enstammt der altäthiopischen Ge’ez-Sprache und bedeutet so viel wie "Wilde Bestie"[1].

Allgemein[]

Arwe soll bereits in vorchristlicher Zeit in Äthiopien angebetet worden sein[2]. Der Legende nach herrschte er für 400 Jahre über Äthiopien (damals Aksum), bevor dieses im 4. Jahrhundert unter König Ezana christianisiert wurde[3].

Arwe wird beschrieben als riesige Schlange, groß genug um mit einem Hügel verwechselt zu werden[4]. Er verlangt Jungfrauenopfer und Vieh von den Menschen, um seinen endlosen Hunger zu stillen, bis er von einem Helden besiegt wird[5], der damit die Salomonische Dynastie begründet.

Sage[]

Der Sage nach kam einst ein Fremder in das Land in dem Arwe herrschte und sah eine Frau weinen, weil ihre Tochter dem Schlangenkönig geopfert werden soll. Da bietet er an, den Drachen zu töten. Er verlangt von der Frau ein perfekt weißes Lamm und eine Schüssel Saft vom giftigen Wolfsmilch-Baum. Dann tritt er Arwe gegenüber und bietet ihm das Lamm und den Saft an. Arwe verschlingt das Lamm und trinkt den Saft, und kurz darauf stirbt er an dem Gift[4].

Nach seinem Sieg bieten die Menschen dem Mann an, ihr neuer König zu werden. Er nimmt diese Position an, bis seine Tochter Makeda, die Königin von Saba, den Thron erbt. Mit König Salomon hat sie einen Sohn namens Menelik I., der der erste historische König von Abessinien, dem heutigen Äthiopien, wird[4].

In einer anderen Version der Sage reist der Schlangenkönig Wainaba von Tamben (Tembien) nach Aksum. Dort verspricht ein Mann namens Angabo den Bewohnern von Aksum, die Schlange zu töten, wenn er dafür zum König gekrönt wird. Dann verzaubert er die Straße, auf der Wainaba reist, und versteckt ein verzaubertes Instrument oder eine Waffe unter der Straße. Als Wainaba die Stelle passiert, schießt Angabo Feuer aus seinen Händen auf die Schlange und tötet sie dadurch[6].

Manche Versionen der Sage kombinieren christliche und vorchristliche Elemente, um das Christentum über ein heidnisches Monster triumphieren zu lassen. So erzählt eine Version, die 1902 von einem Tigray-Mann erzählt und von Enno Littmann niedergeschrieben wurde, wie die Tigray einst den Drachen anbeteten und ihm jede Familie ihre älteste Tochter zusammen mit Met und Milch opferten. Als Eteye Azeb an der Reihe war, wurde sie an einen Baum gebunden, doch sieben Heilige setzten sich in den Schatten des Baumes. Sie hielten sie für die Jungfrau Maria, doch Eteye Azeb erklärte, dass sie ein Mensch sei der dem Drachen geopfert werden soll[7].

Als der Drache kam, zögerten zwei der Heiligen, doch ein dritter, Abba Mentelit, griff ihn mit seinem Kreuz an und zu siebt können sie ihn töten. Als etwas vom Drachenblut die Ferse des Mädchens benetzte, nahm diese die Gestalt eines Esels-Fußes an. Als Eteye Azeb in ihr Dorf zurückkehrte, schickten die Leute sie fort, da sie dachten, dass sie vor dem Drachen geflohen sei, doch sie zeigte ihnen die Leiche des Drachen, und sie wurde zur Herrscherin des Dorfes ernannt. Ihr Eselsfuß wurde später von König Salomon geheilt, bevor dieser mit ihr König Menelek I. zeugte[7].

Littmann vergleicht die äthiopischen Drachensagen mit denen verschiedener semitischer Kulturen, z.B. die Sage von Bel und dem Drachen in der Bibel. Während König Arwe bereits in der vorchristlichen äthiopischen Mythologie am Beginn der äthiopischen Geschichte stand, wurde sein Drachentöter in vielen christlichen Versionen der Sage durch die neun (oder sieben) Heiligen ersetzt, die Äthiopien im fünften Jahrhundert missioniert haben sollen. Dabei identifiziert Littmann Abba Mentelit aus der Sage mit dem historischen Abba Pantelewon[7].

Quellen[]

  1. Edward Ullendorff (1956), The Contribution of South Semitics to Hebrew Lexicography, Vetus Testamentum, JSTOR 1515723
  2. Ernst Hammerschmidt (1965), Jewish Elements in the Cult of the Ethiopian Church, Journal of Ethiopian Studies, JSTOR 41965723
  3. Dorothea McEwan (2007), Sebetat: the Many Lives and Deaths of a Monster, Journal of Ethiopian Studies, JSTOR 41988222
  4. 4,0 4,1 4,2 Anthonia C. Kalu (2007), How Makeda Visited Jerusalem, and How Menelik Became King in The Rienner Anthology of African Literature
  5. Andrea Manzo (2014), Snakes and Sacrifices: Tentative Insights into the Pre-Christian Ethiopian Religion, Aethiopica, Vol. 17, https://doi.org/10.15460/aethiopica.17.1.737, ISSN 2194-4024
  6. Wainaba, the Serpent Ruler, Oxford Reference
  7. 7,0 7,1 7,2 Enno Littmann (1904), The Legend of the Queen of Sheba in the Tradition of Axum, BiblioLife (2009), ISBN 978-1103925988
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