Drachen Wiki
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Chinesischer Drache

Östliche Drachen (Drachen aus Ostasien, z.B. China, Japan, Korea, usw.) zeichnen sich durch eine Reihe gemeinsamer Merkmale aus, die sie von anderen Drachen unterscheiden.

Allgemein[]

Der Mythos dieser Drachen geht vermutlich von China aus, weshalb östliche Drachen nach dem chinesischen Wort für Drache auch als Lóng oder Lung (chin. 龍, vereinfacht 龙) bezeichnet werden. In China und Vietnam nennt man die Drachen Lung oder Long, in Japan Ryu, in Korea Yong, in Bhutan und Tibet Druk und in der Mongolei Luu.

Wie Qiguang Zhao anmerkt, sind die Drachen ostasiatischer Mythen zwar in ihrer Erscheinung wesentlich homogener als die sehr unterschiedlich aussehenden Drachen westlicher Mythen, verkörpern jedoch wesentlich vielseitigere Konzepte und Symboliken. Im Gegensatz dazu treten Westliche Drachen als Wyvern, Vierbeinige, geflügelte Drachen, Schlangen und in noch ausgefalleneren Gestalten auf, sind aber traditionell fast immer böse Widersacher, die besiegt werden müssen[1]. In der Literatur des 20. Jahrhunderts begannen Autoren, westliche Drachen auch als gute oder moralisch komplexe Charaktere darzustellen, wodurch eine Vermischung zwischen westlichen und östlichen Drachen möglich wurde, die z.B. Fuchur aus Michael Endes Unendlicher Geschichte hervorbrachte[2].

Aussehen[]

Allen Lung-Drachen ist der schlangenähnliche Körper, die vier Beine und das Geweih gemein. Sie besitzen meist keine Flügel und können sowohl schwimmen als auch laufen. In den meisten Mythen können sie auch fliegen.

Anzahl der Klauen[]

Japanischer Drache

Frühe chinesische Drachendarstellungen haben zwei bis fünf Klauen. Daraus entwickelten sich unterschiedliche regionale Darstellungen. So sind in Korea und der Mongolei Drachen mit vier Klauen üblich, während in Japan meist nur drei Klauen zu sehen sind[3].

In China selbst änderte sich die Bedeutung der Anzahl mit der Zeit. Während der Tang-Dynastie (617 bis 907 n. Chr.) waren Darstellungen mit drei Klauen auf Kleidung beliebt[4]. In der Yuan-Dynastie (1279 bis 1368) wurden fünfzehige Drachen für den Kaiser reserviert, während vierzehige für Prinzen stehen[5]. Daneben war es Bürgerlichen verboten, Kleidung mit Abbildungen von Qilin, männlichen Fenghuang, weißen Hasen, Lingzhi, fünfzehigen, zweihörnigen Drachen, acht Drachen, neun Drachen und anderen Motiven zu tragen[6].

Kaiser Hongwu, der Begründer der Ming-Dynastie (1368 bis 1644), übernahm diese Regeln und ernannte den fünfzehigen Drachen zu seinem Emblem. Drachen mit vier Klauen sollen hingegen dem Adel und wenigen hochrangigen Beamten zustehen[7]. Diese vierzehigen Drachen wurden Mang genannt[8].

Niedrigere Ränge erhalten dreizehige Drachen, welche aus diesem Grund in der Ming-Dynastie auf vielen Kunstgegenständen dargestellt werden. Es war ein schweres Verbrechen, wenn ein goldener fünfzehiger Drache von anderen als dem engsten Kreis der kaiserlichen Familie verwendet wurde. Dieses konnte mit dem Tod der ganzen Familie bestraft werde[7].

Die Herrscher der Qing-Dynastie (1644 bis 1911) sahen zunächst den dreizehigen Drachen als die heiligste Form an, 1712 wechselten sie jedoch auch zu der fünfzehigen Variante[7].

Farbe[]

Ein blauer Drache an der Neun-Drachen-Wand in Beijing

Auch die Farben sind zur Unterscheidung der Drachen wichtig:

  • Die gelben und goldenen Drachen (chin. 黃龍, Huáng Lóng, jap. Kōryū) symbolisieren den Sommer und den Kaiser. Daher sind sie die am meisten verehrten Drachen. Sie leben zurückgezogen und ziehen meist allein umher.
  • Auch rote Drachen stehen für den Sommer und sind das Symbol des Westens. Sie können Stürme verursachen, wenn sie miteinander kämpfen.
  • Blaue und grüne Drachen symbolisieren den Frühling und den Osten. Der blaue Drache (chin. 青龍 / 青龙, Qīng Lóng, jap. 青竜, Seiryū) ist in der chinesischen Astronomie auch eines der vier Wundertiere. Die anderen Wundertiere sind der rote Vogel, der weiße Tiger und die schwarze Schildkröte.
  • Schwarze Drachen symbolisieren den Norden, sie sind meist ein schlechtes Zeichen und stehen für die Dürrezeit. Auch sie können Stürme verursachen, wenn sie miteinander kämpfen.
  • Der Drache, der den Herbst symbolisiert, ist weiß. Sie sind außerdem ein Zeichen des Südens.

Andere asiatische Drachen[]

Aus dem asiatischen Raum sind neben den typischen Lóng-Drachen noch andere große Reptilien bekannt, z.B. die indischen Naga, Pakhangba und Makara oder die japanische Yamata no Orochi.

Diese sind jedoch mythologisch meist nicht mit den Lóng-Drachen verwandt und werden nur aufgrund ihrer oberflächlichen Ähnlichkeit von der westlichen Drakologie in deren Nähe gestellt. Jedoch beeinflussten sich diese Mythen auch vorher schon gegenseitig.

Verbreitung nach Zentralasien und den Nahen Osten[]

Seldschukisches Drachen-Relief aus dem 13. Jahrhundert

Im 2. Jahrhundert v. Chr. vertrieben die mongolischen Xiongnu das Volk der Yuezhiaus der heutigen Gansu-Provinz. Diese gründeten in Zentralasien das Kuschana-Reich und brachten ein chinesisch beeinflusstes Drachenbild nach Zentralasien. Beeinflusst von der Kunst des Kuschana-Reiches wurde dieses Drachenbild von nahöstlichen Völkern wie dem Sassanidenreich, den Sogdern oder den Seldschuken aufgenommen[9].

Drachendarstellung aus dem mongolisch beherrschten Ilchanat in Persien, 1341

Bis zum 13. Jahrhundert waren Drachen im seldschukischen Stil ein häufiges Motiv in Kleinasien und dem Nahen Osten. Danach wurden sie im Zuge der mongolischen Invasion von stärker chinesisch beeinflussten Motiven abgelöst. Selbst nach der Auflösung des Mongolischen Reiches wurden im Tschagatai-Khanat und der Goldenen Horde Zentralasiens und dem Ilchanat im Nahen Osten chinesisch aussehende Drachenmotive verwendet[9].

Davon beeinflusst erinnern auch die Drachen der persischen und arabischen Kunst oft an Lóng-Drachen, obwohl sie in den Mythen, wie z.B. vom Drachentöter Rostam, oft die gleiche Rolle wie in europäischen Mythen einnehmen. Vermutlich stellt dies die früheste Assoziation zwischen westlichen und östlichen Drachenmotiven dar.

Östliche Drachendarstellung auf einer katholischen Priesterrobe, 1289

Über die Seidenstraße gelangten chinesische Drachenmotive auch in die christlichen Länder des Westens. So gibt es z.B. eine Darstellung der Priesterweihe von John David, dem späteren Erzbischof von Edessa. Der Bischof, der diesen weiht, trägt eine Robe mit einem östlichen Drachenmotiv. Während im muslimischen Kulturraum also bereits Drachen im Stil chinesischer Lóng dargestellt werden, sah man in Europa scheinbar noch keine Verbindung zwischen den Drachen des Westens und der abgebildeten Kreatur. Ein christlicher Priester hätte sonst niemals ein Drachen-Motiv getragen, da die westlichen Drachen mit dem Teufel assoziiert wurden[10].

Westliche und Östliche Drachen[]

Athanasius Kircher stellte den Longhu-Shan (Drache und Tiger Berg) mit den beiden namensgebenden Tieren dar. Beeinflusst von Kirchers westlicher Sichtweise sieht der Drache aus wie ein westlicher Drache, woraus zu schließen ist, dass Kircher keine chinesischen Drachendarstellungen sah

Obwohl beide heute als Drachen bezeichnet werden, sind die Ursprünge der westlichen und östlichen Drachen sehr verschieden. Der Westliche Drache hat seinen Ursprüng in mythischen Schlangen des östlichen Mittelmeerraums (siehe Tiamat (Mythologie), Drakon), während der östliche Drache seinen Ursprung in China hat. Obwohl der westliche Drache ursprünglich nur eine sehr große Schlange war, wurden ihm im Laufe des Mittelalters immer mehr phantastische Merkmale angedichtet, sodass er spätestens im 13. Jahrhundert eine oberflächliche Ähnlichkeit zum östlichen Drachen entwickelt hat[11].

Moderne Populärkultur[]

Östliche Drachen sind in der europäischen Kunst bereits seit dem 19. Jahrhundert ein beliebtes Motiv[12]. In der modernen Fantasy kommt es sowohl in westlichen (europäischen oder amerikanischen) als auch in östlichen (asiatischen) Werken manchmal vor, dass Elemente westlicher und östlicher Drachen gemischt werden. Diese Vermischung wurde vermutlich möglich gemacht durch die Entwicklung der Westlichen Drachen in der Literatur des 20. Jahrhunderts von bösen Widersachern zu einem moralisch neutralem Konzept, das auch gute oder moralisch komplexere Drachen ermöglicht[2].

Doch eine Vermischung Östlicher und Westlicher Drachen erfolgte nicht nur auf Charakter-Ebene sondern auch bei der Darstellung der Drachen. So sind z.B. Drachen in der Welt von Avatar (einer amerikanischen Fernsehserie) typische östliche Drachen, jedoch mit fledermausartigen Flügeln, wie westliche Drachen sie haben. In der japanischen Spieleserie Monster Hunter hingegen kommen überwiegend westliche Drachen vor, jedoch haben einige davon, z.B. Fatalis, ein Design, das eher an östliche Darstellungen erinnert.

Außerdem kommen heute sowohl in westlichen als auch östlichen Fantasy-Werken sowohl rein westliche als auch rein östliche Drachen vor, die ihre traditionellen Persönlichkeiten und Assoziationen beibehalten. So wird z.B. die westliche Drachin Frau Mahlzahn aus den Jim Knopf Büchern zu einem Östlichen Drachen, als sie von einer Antagonistin zu einer Unterstützerin der Protagonisten wird. Nur selten vereinen Fantasy-Drachen das Aussehen östlicher Drachen mit dem Verhalten westlicher Drachen, oder umgekehrt, wie z.B. der Gefürchtete aus Disney's Gummibärenbande.

Dragonology[]

In den Büchern von Dr. Ernest Drake werden fast alle östlichen Drachen unter der Bezeichnung Asiatischer Lung (Draco orientalis) zusammengefasst. Drake beschreibt folgende Unterarten:

Außerdem zählt Drake zwei weitere Arten zu den Östlichen Drachen:

Laut Drake können alle Östlichen Drachen (Lung, Ryu, Yong und Tibetischer Drache) Feuer speien. Dies erwähnt er jedoch nur in einer Tabelle, die seinem vermutlich letzten Werk beilag.[13] In den früheren Werken hat Drake die Fähigkeit, Feuer zu speien, nur dem Ryu zugesprochen. In der chinesischen, japanischen und koreanischen Mythologie werden Drachen jedoch meist mit Wasser und Regen assoziiert. Daher ist es unwahrscheinlich, dass Östliche Drachen Feuer speien können.

Trivia[]

  • Die seit 2010 im Unicode enthaltenden Drachen-Emojis 🐲 und 🐉, die in ihrer Browser-Darstellung relativ neutrale, Lindwurm-artige Drachen darstellen, werden von den meisten Plattformen als Östliche Drachen dargestellt. Eine Ausnahme ist HTC, wo es sich um Wyvern im westlichen Stil handelt.

Einzelnachweise[]

  1. Qiguang Zhao (1992), A Study of Dragons, East and West, Peter Lang Publishing Inc., ISBN 978-0820417585
  2. 2,0 2,1 Thomas Honegger (2009), A good dragon is hard to find: From draconitas to draco in Fanfan Chen (2009), Good Dragons are Rare: An Inquiry into Literary Dragons East and West, Peter Lang, ISBN 978-3-653-01191-3, https://doi.org/10.3726/978-3-653-01191-3
  3. Famous Japanese Dragons
  4. Michael Sullivan (1992), The Arts of China, University of California Press, S. 214, ISBN 978-0520049185
  5. Linda Komaroff, ed. (2006), Beyond the Legacy of Genghis Khan, Brill Academic Publishers, S. 320, ISBN 978-9047418573
  6. 《本紀第三十九 順帝二》, The History of Yuan, Emperor Shundi (元史·順帝紀), compiled under Song Lian (宋濂), AD 1370, "禁服麒麟、鸞鳳、白兔、靈芝、雙角五爪龍、八龍、九龍、萬壽、福壽字、赭黃等服"
  7. 7,0 7,1 7,2 Roy Bates (2007), All About Chinese Dragons, S. 20–21, ISBN 978-1435703223
  8. Shigeki Kawakami (1998), Imperial Dragons
  9. 9,0 9,1 Dr. Sarah Kühn (2011), The Dragon in Medieval East Christian and Islamic Art, BRILL, ISBN 978-90-04-20972-5
  10. Strange History: Chinese Dragons Head West
  11. Philip J. Senter, Uta Mattox, Eid. E. Haddad (2016), Snake to Monster: Conrad Gessner's Schlangenbuch and the Evolution of the Dragon in the Literature of Natural History, Journal of Folklore Research, Vol. 53, No. 1-4, doi:10.2979/jfolkrese.53.1-4.67
  12. Ralph Denzel (2018), Nicht nur Stadt der Erker, sondern auch der Drachen, Schaffhausener Nachrichten
  13. Dr. Ernest Drake (2009): Drake's Comprehensive Compendium of Dragonology, Candlewick Press, ISBN 978-0763646233, S. 178-179
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