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Als Äthiopische Drachen werden Drachen beschrieben, die laut antiken und mittelalterlichen Quellen in Äthiopien (Aithiopia, in der Antike und im Mittelalter oft synonym zu Afrika) leben.

AllgemeinBearbeiten

Wie viele exotische Tiere wird in mittelalterlichen Bestiarien und bei antiken Schrifstellern für Drachen häufig Aithiopia als Herkunftsland angegeben. Oft wird außerdem Arabien oder Indien erwähnt, wodurch die Vermutung naheliegt, dass dort die selbe Art oder zuimdest ähnliche Tiere leben.

Wie die indischen Drachen sollen diese Tiere Elefanten jagen, Diodorus Siculus und Plinius der Ältere beschreiben hierfür die gleiche Jagdtechnik wie sie bei den indischen Drachen üblich ist.

BeispieleBearbeiten

DaVinciWyvern

Ein junger Wyvern bekämpft einen Löwen, Darstellung von Leonardo DaVinci

Aelian schreibt über die Drachen Äthiopiens:

"The land of Aithiopia - the place where the gods bathe, celebrated by Homer under the name of Okeanos, is an excellent and desirable neighbour--this land, I say, is the mother of the very largest Drakones. For, you must know, they attain to a length of one hundred and eighty feet, and they are not called by the name of any species, but people say that they kill elephants, and these Drakones rival the longest-lived animals. Thus far the accounts from Aithiopia"
―Aelian - Περὶ ζῴων ἰδιότητος – De natura animalium[|Quelle]

Schon Plinius der Ältere behauptete, dass er in Äthiopien einen Drachen "zwanzig Ellen in der länge" [sic] (fast 9m) gesehen habe. Iphicrates beschreibt Drachen in Mauretanien, die so groß sind, dass Gras auf ihrem Rücken wächst. Das Gras wird auch von Artemidorus erwähnt, der jedoch von den "Schlangen Indiens und Afrikas" spricht. Die Tatsache, dass Gras auf dem Rücken der Tiere wächst, lässt auch darauf schließen, dass sie lange Zeit reglos verharren, möglicherweise in einer Art Verdauungsschlaf, wie bei Riesenschlangen, oder zum Bewachen ihrer Brut, wie Krokodile.

Auch Marcus Atilius Regulus soll einen Drachen in Äthiopien getötet haben. Dieser soll sogar 120 Fuß (37 m) lang gewesen sein.

Belon's DracheBearbeiten

Pierre Belon Drache

Abbildung eines Drachen von Pierre Belon (1557)

Im Jahr 1557 veröffentlichte der französische Naturforscher Pierre Belon ein Buch mit Zeichnungen von Tieren, die er auf seinen Reisen durch den nahen Osten gesehen hatte[1]. Diese Illustrationen verwendete er später auch in seinem Reisebericht, den er 1588 veröffentlichte. Unter den Illustrationen war auch eine Abbildung eines Drachen, den er in ausgestopfter Form in Ägypten gesehen hatte. Diese geflügelten Schlangen, wie Belon das Tier beschrieb, sollen jedes Jahr von Arabien nach Ägypten fliegen[2].

Die Beschreibung des Verhaltens der Tiere erinnert an einen früheren Bericht des griechischen Naturforschers Herodot aus seinen Historien. Herodot gab lokale Legenden wieder, laut denen die Schlangen jeden Frühling von Arabien nach Ägypten fliegen, wo sie aber von den Ibissen getötet werden[3].

Conrad Gessner Schlangenbuch

Gessners Kopie von Belons Drachen

Während Herodots Berichte sowohl im klassischen Griechenland als auch in der Renaissance oft kopiert wurden war Belon der erste, der angab, selbst ein solches Tier gesehen zu haben. Damit erregte er viel Aufsehen, und seine Zeichnung wurde oft kopiert. Der Schweizer Arzt Conrad Gessner gab Belons Bericht in seinem Schlangenbuch (1589) wieder, zusammen mit seiner eigenen Kopie von Belons Zeichnung. Er gibt auch an, dass das gemeine Volk diese Tiere als Drachen bezeichnet[4]. Auch Edward Topsell kopierte die Abbildung, vermutlich von Gessner, in seiner History of serpents (1608)[5].

Drache Aldrovandi8

Aldrovandis Zeichnung des Drachen

Der italienische Naturforscher Ulisse Aldrovandi erwähnte ebenfalls Belons Beschreibung in seiner Serpentum et Draconum Historiae (1640), in der er wie auch Gessner den Drachen selbst abzeichnete[6]. Zudem gibt Aldrovandi an, selbst ein ausgestopftes Exemplar eines Drachen aus Äthiopien zu besitzen. Dieser wurde ihm von Franciscus Centensi geschenkt. Er beschrieb ihn mit grünen Schuppen, zwei krallenbewehrten Füßen und zwei flugtauglichen Flügeln. Damit steht er im Kontrast zu dem ebenfalls von Aldrovandi im gleichen Kapitel seiner Monstrorum historia beschriebenen Indischen Drachen, der einen schlangenartigen Kopf und nackten Körper hatte[7].

Basierend auf Topsells Illustration wurde der Drache von Kreationisten mehrmals als Dinosaurier oder Pterosaurier interpretiert, um zu beweisen, dass diese vor 65 Millionen Jahren ausgestorbenen Tiere zeitgleich mit Menschen auf der Erde lebten. Den Anfang dazu machte Bill Cooper 1992, der den Drachen für einen Tyrannosaurus hielt, während spätere Autoren ihn wahlweise als Dimorphodon (Goertzen 1998[8]) oder als "Land-Dinosaurier" (Gilmer 2011[9]) betitelten. Ähnlichkeiten zu den genannten Tieren halten jedoch keiner Überprüfung stand[3].

Tatsächlich scheint es sich bei den Drachen um Fälschungen zu handeln, die aus Teilen verschiedener Tiere zusammengesetzt wurden. Die Bauchschuppen identifizieren Hals, Körper und Schwanz der abgebildeten Tiere eindeutig als Teile von Schlangen. Aldrovandi beschreibt die Schuppen am Rücken grün-schwarz und am Bauch eher gelblich, was zu keiner ägyptischen Schlangenart passt. Senter & Klein (2014) vermuten, dass möglicherweise ein Exemplar von Jamesons Mamba verwendet wurde, die in Zentralafrika bis Südsudan verbreitet ist. Dies kann jedoch nicht sicher gesagt werden[3].

Da Schlangenkörper nicht so dick sind, wie die abgebildeten Drachen, wurde der Körper vermutlich ausgestopft. Die flexible Haut der Schlangen verhinderte, dass er dabei beschädigt wurde. Der Kopf des Drachen ist eindeutig nicht der einer Schlange, da er säugetierartige Form, spitze Zunge und Ohrmuscheln besitzt. Vermutlich wurde ein Säugetierschädel mit der Schuppenhaut der Schlange überzogen. Die hundeartige Kopfform und vor allem die Bezahnung des Schädels deuten auf einen Flughund hin. Am wahrscheinlichsten halten Senter & Klein den Palmenflughund, der in Äthiopien verbreitet ist, da dessen Schädel eine ähnliche Größe hat wie der der Mamba[3].

Die Flügel des Drachen erinnern an die Flossen des Flughahns, eines Fisches, der auch im Mittelmeer zu finden ist. Die Beine stammen vermutlich von Säugetieren wie Hunden oder Hasen, die ebenfalls mit der Haut einer Schlange überzogen wurden[3].

GalerieBearbeiten

Ähnliche DrachenBearbeiten

  • Der Drache Ketos aus der griechischen Mythologie lebte ebenfalls in Aithiopia.
  • Aldrovandis Darstellung des Draco aethiopicus wird auch im Zusammenhang mit dem italienischen Tarantasio verwendet.

In der PopulärkulturBearbeiten

  • Der von Dr. Ernest Drake beschriebene Wyvern (Draco africanus) basiert größtenteils auf dem Äthiopischen Drachen.
  • In Dragons of the World wird Aldrovansis Exemplar als Angehöriger der Art Umbragrus huxleyi beschrieben.

QuellenBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Pierre Belon (1557), Portraits d’Oiseaux, Animaux, Serpents,Herbes, Arbres, Hommes et Femmes, d’Arabie &Egypte, Observés par P. Belon du Mans
  2. Pierre Belon (1588), Les Observations de Plusieurs Singular-ités et Choses Mémorables, Trouvées en Grèce,Asie, Judée, Egypte, Arabie & Autres Pays Etrangés
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 Phil Senter, Darius M. Klein (2014), Investigation of claims of late-surviving pterosaurs: the cases of Belon’s, Aldrovandi’s, and Cardinal Barberini’s winged dragons in Palaeontologia Electronica, Vol 17, Issue 3, palaeo-electronica.org/content/2014/967-late-surviving-pterosaurs
  4. Conrad Gessner (1589), Schlangenbuch, Froschauer
  5. Edward Topsell (1658), The history of four-footed beasts and serpents
  6. Ulisse Aldrovandi (1640), Serpentum et Draconum Historiae
  7. Universitätsbibliothek Salzburg - Ulisse Aldrovandi: Monstrorum historia. Bologna, N. Tebaldinus 1642 und Serpentum et Draconum historia. Bologna, C.Ferronius 1640
  8. John Goertzen (1998), The rhamphorhynchoid pterosaur Scaphognathus crassirostris: a “living fossil” until the 17th century?, S. 253-269 in Walsh, R.E. (ed.), Proceedings of the Fourth International Conference on Creationism, Creation Science Fellowship
  9. James E. Gilmer (2011), 100 Year Cover-up Revealed. We Lived with Dinosaurs!, AuthorHouse
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